Ein Artikel der Redaktion

Angebot schlägt hohe Wellen Debatte um Schwimmkurse für Flüchtlinge in Papenburg

Von Gerd Schade | 20.10.2015, 20:41 Uhr

Die Berichterstattung unserer Redaktion über kostenlose Schwimmkurse für Flüchtlinge in Papenburg schlägt in den sozialen Netzwerken im Internet hohe Wellen. Zwar überwiegt der Zuspruch für die Aktion, die der Badbetreiber Aqua-Park GmbH zusammen mit Ehrenamtlichen auf die Beine gestellt hat, deutlich. Es gibt aber auch zum Teil bitterböse Kritik bis hin zu fremdenfeindlicher Hetze.

„Das ist ja wohl das Allerletzte. Wir müssen es teuer bezahlen“, ereifert sich beispielsweise Daniela R. auf der Facebookseite der Ems-Zeitung . Ihr Post zählt aber noch eher zu den harmloseren Negativ-Kommentaren. Es geht auch drastischer: „Der Deutsche ist in Deutschland nun mal nur die 2. Klasse“, ätzt Onkel K. Und Sabrina H. findet es „mega-lächerlich, dass denen alles in den Arsch gesteckt wird“. Uwe K. spricht schlicht von „Schweinerei“. Beispiele wie diese finden sich vielfach in den seit Montagabend weit über 100 Kommentaren auf der Facebook-Seite.

Aber es gibt auch kräftig Kontra. Philipp F. geißelt die Hass-Einträge als „dumm, egoistisch und rassistisch“. Paul K. findet es ziemlich auffällig, „dass dieser geistige Dünnpfiff immer von den weniger Gebildeten kommt“. Si M. zitiert den Frontmann der Punkrock-Band „Die Ärzte“, Farin Urlaub: „Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben.“ Jenny G. kann sich „bei manchen Kommentaren nur fremdschämen und übergeben“.

 Das Angebot des Aqua-Parks, das der Badbetreiber zusammen mit ehrenamtlichen Helfern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Papenburg, für die Flüchtlinge geschaffen hat, findet ein vorwiegend positives Echo. „Super Sache, wenn man bedenkt, was die alles hinter sich haben und auch ansonsten auch keine Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten haben“, meint Lena H. Natalie M. reckt beide Daumen „für das Team vom Aqua-Park und die ehrenamtlichen Helfer. Danke Papenburg.“

Die Kritiker monieren indes unter anderem auch, dass das Angebot zulasten der Schwimmausbildung von anderen ginge. Der kaufmännische Leiter der Aqua-Park GmbH, Jan Averdung weist das auf Nachfrage unserer Redaktion zurück. Zum einen sei das Angebot für die Flüchtlinge auf die Herbstferien beschränkt. In dieser Zeit setze die klassische Schwimmausbildung über Schule und Vereine aus und würde deshalb nicht beeinträchtigt. „Es sind sogar noch jede Menge freie Zeiten vorhanden, die wir den Vereinen angeboten haben“, erklärt Averdung. Die Schwimmausbildung in den Vereinen sei im Übrigen alles andere als teuer. Die Vereine hätten durchweg positiv auf das Angebot reagiert. „Die ehrenamtliche Unterstützung haben wir dem DLRG zu verdanken. Alle Vereine haben uns in dem Vorgehen bestärkt“. Auch von Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) habe es Zuspruch gegeben.

Das Stadtoberhaupt bezeichnet die Stimmung in Papenburg im Hinblick auf die Flüchtlingssituation allgemein „nach wie vor positiv – obgleich wir merken, dass die Belastungen für ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter steigen. Wir merken aber dennoch weiterhin, dass die Kolleginnen und Kollegen die Herausforderung herzhaft anpacken“. In der Stadt leben derzeit mehr als 350 Flüchtlinge.

In der Schwimmkursdebatte bezieht die Stadtverwaltung derweil klar Position. „Wer sich darüber aufregt, dass Ehrenamtliche der DLRG kostenlose Schwimmkurse für Flüchtlinge anbieten, sollte bedenken, dass die Zeit auf der Warteliste für Schwimmanfänger nicht kürzer wird, wenn der Kurs für Flüchtlinge wieder abgesagt würde“, schreibt Stadtsprecher Heiko Abbas auf der Facebook-Seite der Stadt . Außerdem weist er darauf hin, dass Preise und Gebühren für Eintritte oder Schwimmkurse mit der Aktion nichts zu tun hätten. „Also bitte: erst nachdenken – dann aufregen!“, empfiehlt Abbas.

Für Jan Averdung sind Missgunst und Neid in den Facebook-Kommentaren „ein bitteres Zeugnis mangelnder Selbstreflexion, wie sie so oft in den sozialen Netzen zu finden sind“. Es stimme ihn aber „sehr froh und macht mich stolz, Papenburger zu sein, wenn ich die deutliche Gegenposition zu Hass und Missgunst sehe“. Mit der Aktion wolle man Menschen etwas Gutes tun, die schlimmes Leid erfahren hätten.

So sieht es auch Helen Wessels vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Papenburg, das sich stark in der Flüchtlingssozialarbeit engagiert. „Viele Flüchtlinge haben Dinge erlebt, die wir uns gar nicht vorstellen können“, sagt Wessels. Bei dem Schwimmangebot ginge es darum, dass die Flüchtlinge einfach mal abschalten und auf andere Gedanken kommen könnten.

Die nun entbrannte Diskussion nimmt sie ernst. Wessels lädt deshalb alle Interessierten ein, eines der vielfältigen, integrativen Begegnungsangebote auf Stadtebene anzunehmen, um die Flüchtlinge kennenzulernen und mögliche Vorurteile abzubauen. „Die Angebote stehen allen offen. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, sagt Wessels.