Ein Artikel der Redaktion

Als Familienunternehmen Stiftungen sollen Zukunft der Meyer-Werften sichern

Von Gerd Schade | 15.06.2016, 17:34 Uhr

Der langfristige Fortbestand der Meyer Werft mit ihren Standorten in Papenburg, Rostock-Warnemünde und Turku (Finnland) als Familienunternehmen soll künftig durch deutsche Familienstiftungen geregelt werden. Die Stiftungen sollen die Eigentümerstruktur und Nachfolge sichern. Parallel übergibt Werftchef Bernard Meyer den Staffelstab weiter Stück für Stück an seine drei Söhne weiter.

Wie das Unternehmen am Mittwoch weiter mitteilte, folgt die Familie Meyer mit dem Schritt in die Stiftungen dem Beispiel vieler deutscher Unternehmerfamilien. „Die Stiftungen sichern eine geschlossene Eigentümerstruktur – auch für zukünftige Generationen. Damit wird der Fortbestand der Werften langfristig gesichert und zukünftige Generationswechsel geregelt“, heißt es in einer Mitteilung der Werft. Die Werften in Deutschland und Finnland würden in zwei deutsche Familienstiftungen eingebracht – eine Stiftung für die deutschen Standorte, eine für Turku.

Warum wählt das Unternehmen diesen Weg? Mit Bernard Meyers Söhnen Jan, Tim und Paul werden künftig drei Familienmitglieder in der aktiven Führung des Unternehmens beteiligt sein. „Trotzdem wird das Eigentum an den Werften in einer Hand liegen“, wie Werftsprecher Peter Hackmann erklärt: in der Hand der Stiftung.

Verliert die Familie also die Kontrolle über das Unternehmen? Nein. „Statt der Familie besitzt nun die Stiftung das Unternehmen. Jedoch wird der Stiftungsvorstand von der Familie besetzt“, erklärt Hackmann.

Was sind die Vorteile? Die Stiftungssatzung stellt Hackmann zufolge sicher, dass nur aktiv im Unternehmen tätige Familienmitglieder den Vorstand der Stiftung bilden. Die Anteile am Unternehmen blieben in der Stiftung. „Übernahmen durch Dritte, Aufspaltungen und Teilverkauf an Dritte werden erheblich erschwert und damit Stabilität des Unternehmens erhöht“, so Hackmann weiter. Hinzu komme, dass das Unternehmen vom persönlichen Schicksal und den Interessen einzelner Anteilseigner „entkoppelt“ würde.

Nach der Debatte um die Sitzverlagerung nach Luxemburg 2015: Ist das Stiftungskonzept ein Steuersparmodell? „Nein“, betont Hackmann. Für in Deutschland ansässige Stiftungen gelte das deutsche Steuerrecht. Luxemburg und die Stiftungen haben dem Werftsprecher zufolge nichts miteinander zu tun. Sie seien aus unterschiedlichen Gründen umgesetzt worden. Hackmann: „Die deutsche Familienstiftung sitzt oberhalb von Luxemburg und behält damit die Kontrolle über Luxemburg“.

Wie wird das Unternehmen in Zukunft gesteuert? Wie bisher besteht die Werftführung aus Familienmitgliedern und Nicht-Familienmitgliedern.

Wie setzt sich die Unternehmensführung derzeit konkret zusammen? Bernard Meyer, Lambert Kruse, Jan Meyer und Tim Meyer (seit 1. Juni 2016) bilden die Geschäftsführung in Papenburg. Jan Meyer, seit 2008 im Unternehmen, konzentriert sich aktuell als CEO von Meyer Turku auf den finnischen Standort. Als Teil der Geschäftsführung wird sich Tim Meyer vor allem der Prozessentwicklung widmen. Paul Meyer wird für alle Standorte übergreifend die IT führen. Er geht als Leiter der Informationstechnik (IT) in die Geschäftsleitungen in Papenburg und Turku. „Die Geschäftsleitung ist ein erweitertes Führungsgremium, welche die Leiter der einzelnen Bereiche einschließt und damit ebenfalls mit Managern besetzt ist, die nicht aus der Familie kommen“, erklärt Hackmann.

Wie wird der Wechsel auf die siebte Generation vollzogen? Weiter nach und nach. Hackmann spricht von einem über mehrere Jahre währenden, kontinuierlichen Prozess. Nachfragen über ein aktuelles Ausscheiden von Bernard Meyer erübrigen sich damit.

Welche Auswirkungen hat die Stiftung auf die Mitarbeiter? Keine, versichert Hackmann. Demnach ändert sich weder am Standortsicherungsvertrag, den Arbeitsverträgen noch an der betrieblichen Mitbestimmung etwas.

Wie bewertet die Stadt Papenburg den Schritt? Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) gratulierte. „Stiftungen haben nach deutschem Recht eine Ewigkeitsgarantie, der Stiftungsakt ist also unumkehrbar“, erklärte Bechtluft. Damit manifestiere sich die Zukunft der Meyer Werft als familiengeführtes Unternehmen über Generationen hinweg. „Wenn es zusätzlich der Politik und den beteiligten Behörden auch in Zukunft gelingt, gute infrastrukturelle Rahmenbedingungen an und auf der Bundeswasserstraße Ems zu gewährleisten, werden auch in 100 Jahren in Papenburg noch Kreuzfahrtschiffe gebaut werden“, ist Bechtluft überzeugt.