Einmal die Schusswaffe eingesetzt Papenburger Polizist sagt nach 44 Dienstjahren Adieu


Papenburg. Eine Institution verlässt die Papenburger Polizei. Nach 44 Dienstjahren geht Bernhard Lange in den Ruhestand – mit einem mulmigen, aber auch glücklichen Gefühl.

Am Freitag hat der 62-Jährige, den viele eigentlich nur mit dem Spitznamen „Kerli“ ansprechen, seinen offiziell letzten Arbeitstag in der Dienststelle. „Natürlich wird der Gang durch die Büros komisch sein, weil man weiß, dass ein Kapitel endet, das mich sehr ausgefüllt hat.“ Doch auch wenn der Abschied einen Einschnitt darstelle, freut sich Lange auf den neuen Lebensabschnitt. „Einen Plan für die nächste Zeit habe ich nicht. Ich lasse es auf mich zukommen.“ Die Befürchtung, dass er in ein Loch fallen könnte, hat der Obenender nicht. „Ich treibe viel Sport, bin ehrenamtlich im Weißen Ring aktiv und mein Sohn will bauen: Langeweile dürfte da keine aufkommen.“

Erst mal zum Frisör

Die gab es auch in den 44 Dienstjahren nicht. Den Anfang hatte Langes berufliche Karriere nach dem Realschulabschluss im September 1973 mit der Einstellung an der Landespolizeischule genommen. Doch warum eigentlich Polizist? „Ich spielte damals Fußball in der Jugend von Germania Papenburg. Mein Trainer hielt mich für einen guten Sportler und fragte, ob die Polizei nichts für mich wäre“, erinnert sich Lange. Die Entscheidung war schnell gefallen, doch ein Problem musste vor Dienstantritt noch aus dem Weg geräumt werden. „Er musste erst mal zum Frisör. Zu der Zeit hatten fast alle Männer lange Haare, doch das war mit der Arbeit bei der Polizei nicht zu vereinbaren“, teilt Ehefrau Annemarie mit einem Lachen mit.

Schusswaffe einmal eingesetzt

Nach bestandener Prüfung wurde Lange zur Bereitschaftspolizei nach Oldenburg versetzt. Im Anschluss folgten von 1977 bis 1983 sechs Jahre bei der Polizei in Delmenhorst. Dort setzte er zum ersten und auch einzigen Mal in seiner Karriere die Schusswaffe ein. „Wir haben über Stunden einen gestohlenen Lastwagen verfolgt, der während der Fahrt Bierkisten von der Ladefläche verlor und versuchte Streifenwagen abzudrängen. Ich schoss in einen Lkw-Reifen, um den Fahrer zu stoppen. Das gelang allerdings erst einige Kilometer später.“

Anti-Atomkraft-Bewegung

Während seiner Zeit in Delmenhorst musste der 62-Jährige auch zu Großeinsätzen der Anti-Atomkraft-Bewegung in Brokdorf, Grohnde oder Gorleben. Zudem kam in diesen Jahren mit Stefan der erste seiner drei Söhne zur Welt. Er ist ebenso wie der jüngste Sohn Torben im Dienst der Polizei. Auch der zweite Sohn Henning ist aufgrund seiner Arbeit in der Seeschifffahrt häufig in Uniform zu sehen.

Da Lange und Ehefrau Annemarie in Delmenhorst keinen geeigneten Bauplatz fanden, wurde eine Rückkehr nach Papenburg angestrebt. Diese erfolgte mit der Versetzung im April 1983. Bis in den Herbst 1985 war er allerdings aufgrund seiner Ausbildung in den gehobenen Polizeivollzugsdienst häufiger in Hannoversch Münden anzutreffen als in der Heimat. „So richtig angekommen in Papenburg bin ich erst wieder als ausgebildeter Polizeikommissar.“

„Gibt es nur im Tatort“

Bis 1994 war er als Leiter des Innendienstes eingesetzt, ehe die Umsetzung in den Kriminal- und Ermittlungsdienst erfolgte. „In einer Arbeitsgruppe haben wir uns mit Bränden, Überfällen, Einbrüchen und auch Mordfällen beschäftigt. Wohlgemerkt immer mit mehreren Kollegen. Dass einer alles alleine löst, gibt es nur im Tatort.“

Seit 2004 ist Lange in der Papenburger Dienststelle Leiter des Einsatz- und Streifendienstes. In dieser Funktion kümmerte er sich bis zum jetzigen Ruhestand um Dienst- und Urlaubspläne, Beurteilungen, Beförderungen und führte ein neues Schichtsystem ein. „Mir war es dabei auch immer wichtig, ein offenes Ohr und einen kurzen Draht zu den rund 40 Beamten zu haben.“

Polizeiarbeit schwerer geworden

Auch wenn die Polizeiarbeit nach seinen Worten in den vergangenen Jahren schwerer geworden ist und der Respekt abgenommen habe, würde sich Lange jederzeit wieder für die Polizei entscheiden. „Der Beruf ist mir einfach auf den Leib geschneidert und kommt meiner kommunikativen Art entgegen.“ Für die jungen Kollegen wünscht er sich eine höhere Wertschätzung. „Es muss mehr für das vorhandene Personal gemacht werden. Dabei spielen Aufstiegsmöglichkeiten ebenso eine Rolle wie die Bezahlung.“


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