Otto Westrup bezieht Stellung Papenburger Landwirt wehrt sich gegen Tierquälerei-Vorwurf


Papenburg. Der Papenburger Landwirt Otto Westrup wehrt sich gegen den Vorwurf, zwei Milchkühe auf einer Wiese gequält zu haben. Der 66-Jährige erklärt gegenüber unserer Redaktion auch, wieso er nicht gegen eine Strafanzeige vorgegangen ist und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Tierrechtsorganisation Peta und den Landkreis Emsland.

Die Vorwürfe, die der Landkreis Emsland, die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg und die Tierrechtsorganisation Peta gegen ihn erheben, nennt Westrup „nachweisbar falsch, absurd und perfide“. „Ich habe das Gefühl, hier musste die Volksseele beruhigt werden und man zieht deshalb, wie bei einer modernen Hexenverbrennung, meinen Namen durch den Dreck“, sagt der Landwirt, der den Milchviehbetrieb seit der Pensionierung im Jahr 2011 im Nebenerwerb mit etwa 50 Tieren und etwa zehn Hektar Land weiterführt.

Die Vorkommnisse im Februar 2017 an dem Stall an der Russellstraße kann er nach eigener Aussage lückenlos belegen und sieht keinerlei Fehlverhalten. „Richtig ist, dass es zwei Milchkühe gab, denen es gesundheitlich nicht so gut ging. Aber so etwas kommt bei jedem, wirklich jedem Betrieb einmal vor“, berichtet Otto Westrup.

(Weiterlesen: Staatsanwaltschaft beantragt Strafe gegen Papenburger Landwirt)

Von agressivem Bullen verletzt

Bei einer Kuh habe der Tierarzt eine Totgeburt diagnostiziert. Beim Versuch, die „Frucht“, also den Kadaver, aus dem Geburtskanal der Kuh zu entfernen, seien Teile des Kadavers in der Mutterkuh verblieben. Ihm und dem Tierarzt sei bewusst gewesen, dass innerhalb kürzester Zeit bei der Mutterkuh eine Leichenvergiftung droht, dennoch hätten beide die Hoffnung gehabt, dass der Rest des Kadavers auf natürliche Weise ausgeschieden werde. „Der Tierarzt hätte die Kuh am darauffolgenden Montag, also vier Tage später, untersucht und dann euthanasiert, also eingeschläfert“, betont Westrup.

Gleiches hätte auch für die zweite erkrankte Kuh gegolten, die an einer Verletzung der Achillesferse gelitten habe, nach Angaben des Landwirts verursacht von „einem zu aggressiven Deckbullen“. Dieser sei daraufhin auch aus dem Stall entfernt worden. „Auch diese Kuh war nachweislich in tierärztlicher Behandlung und hat Antibiotika sowie Schmerzmittel bekommen“, betont Westrup, der, genauso wie der Tierarzt, auch bei dieser Kuh die Hoffnung gehabt habe, dass sie noch gesund werden würde.

„Auf Weide mehr Ruhe und Frischluft“

Richtig sei auch, dass beide erkrankten Tiere auf der Weide neben dem Stall gelegen hätten – bei Temperaturen von „um die zehn Grad“, mit der Kühe gut umgehen könnten, so der 66-Jährige. „Dort haben sie mehr Ruhe und werden besser mit Frischluft versorgt. Futter und Wasser waren jederzeit und ausreichend verfügbar“, versichert der Papenburger.

Sonntags, also einem Tag vor der geplanten nächsten Untersuchung des angestammten Tierarztes, hätten Anwohner dann in der Mittagszeit, als er eine „längere Mittagspause“ gemacht habe, die Polizei über die beiden Kühe auf der Weide informiert. Die Beamten wiederum hätten Westrup informiert, der wiederum umgehend seinen Tierarzt anrief. Der sei noch am Sonntag zum Stall gekommen und habe die Milchkuh mit der Achillesfersenverletzung einschläfert, so Westrup. Der Arzt stellte auch den Tod der Kuh mit der Totgeburt fest, die dem Landwirt zufolge in den Mittagsstunden des 19. Februars auf natürlicher Weise gestorben sein müsse. Am Montag beschlagnahmte dann ein Amtstierarzt des Landkreises die beiden toten Tiere. Über den Polizeieinsatz und die Vorwürfe hatte unsere Redaktion bereits Anfang März berichtet.

Geldstrafe über 1125 Euro

Das Veterinäramt hatte nach einer Obduktion der beiden Kühe Anzeige erstattet, das Strafverfahren mündete am 14. November in einem Strafbefehl des Amtsgerichts Papenburg mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 25 Euro (also 1125 Euro). Das bestätigte Amtsgerichtsdirektor Harald Deeken auf Anfrage. „Die Sektion der beiden Tiere hat ergeben, dass sie an Erkrankungen gelitten haben, die behandlungsbedürftig gewesen wären und die den Tieren erhebliche Schmerzen und Leid zugeführt haben“, zitiert Deeken aus dem Urteil, das ohne öffentliche Verhandlung gefällt worden war. Er betont aber auch, dass die zuständige Richterin von einem „minderschweren Fall“ ausgegangen sei, Westrup gilt daher auch nicht als vorbestraft. Einen Eintrag ins Führungszeugnis gibt es erst ab 90 Tagessätzen.

Der Landwirt betont im Gespräch mit unserer Redaktion noch einmal, dass es nicht stimmen würde, dass die Tiere nicht in Behandlung gewesen seien. Das habe er bei einer Vernehmung der Polizei gegenüber auch ausgesagt und das könne er belegen. Westrup betont auch, dass bei Kontrollen seines Stalles im März, September und Anfang dieser Woche keine tierschutzrelevanten Verstöße festgestellt wurden. Eine Sprecherin der Kreisbehörde bestätigt dies auf Anfrage. „Ich habe den Stall 2014, trotz meines hohen Alters, bauen lassen. Die Kühe haben hier 180 Tage im Jahr Zugang zur Weide, beste Bedingungen bei Helligkeit, Belüftung und Platzangebot. Die Milch hat im Hinblick auf Fett- und Eiweißgehalt überdurchschnittliche Qualität. Ich kümmere mich um meine Tiere, und das in den gesamten fast 50 Berufsjahren. Mir Tierquälerei vorzuwerfen, ist absurd“, so der Landwirt, der derzeit täglich etwa 500 Liter Milch in den Abfluss laufen lassen muss.

Westrup setzt Frist bis 15. Dezember

Vom Landkreis und der Molkerei Deutsches Milchkontor (DMK), die nach einer Veröffentlichung des Falls durch die Tierrechtsorganisation Peta am Mittwoch, 22. November, noch am gleichen Tag einen Milchlieferstopp gegen Westrup verhängte, fordert der Papenburger Landwirt nun eine Aufklärung des Falls. Dazu hat er sich eine Frist bis zum 15. Dezember gegeben. Danach werde er die Kühe und den Stall verkaufen und aller Voraussicht nach Schadenersatz einfordern sowie strafrechtlich gegen Peta und/oder deren Informanten vorgehen. Auf die Frage, wieso er bisher nicht juristisch gegen den Strafbefehl vorgegangen sei, wodurch dieser inzwischen rechtskräftig wurde, antworte Westrup: „Dann wäre es zu einer öffentlichen Verhandlung gekommen und mein Name noch mehr in den Dreck gezogen worden.“ Außerdem wäre für ihn der finanzielle Schaden durch zusätzliche Gerichts- und Rechtsanwaltskosten größer gewesen.

Molkerei schließt künftige Zusammenarbeit nicht aus

Etwa 500 Liter Milch muss Landwirt Otto Westrup derzeit täglich in den Abfluss laufen lassen, weil die Molkerei DMK einen Lieferstopp gegen ihn verhängt hat. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Die Molkerei schließt derweil nicht aus, dass es kurzfristig wieder zu einer Aufnahme der Zusammenarbeit mit dem Landwirt kommt. „Die DMK Group hat beim zuständigen Amtsgericht in Papenburg Akteneinsicht beantragen lassen, um sich einen Überblick über die Sach- und Rechtslage zu verschaffen“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Auf dieser Basis solle über das weitere Vorgehen entschieden werden. „Wir bitten um Verständnis, dass wir vor Gewährung der Akteneinsicht keine abschließende Aussage über den Sachverhalt treffen können. Wir ersuchen daher jeden, der sich an der Diskussion beteiligt, von vorschnellen Urteilen abzusehen.“


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