Eröffnung in Kaliningrad Ausstellung in Russland erinnert an Papenburger Holocaust-Überlebenden

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pm/gs Papenburg. Erstmals seit sieben Jahren hat eine Delegation der Stadt Papenburg wieder die russische Partnergemeinde Pogranitschny besucht. Ein besonderer Programmpunkt der Russlandreise war die Eröffnung einer Ausstellung zum Leben des Papenburger Holocaust-Überlebenden Wilhelm Polak in Kaliningrad.

„Es war eine ergreifende Eröffnung und es ist für unsere Stadt eine Ehre, wenn der Papenburger Wilhelm Polak diese Würdigung erhält“, erklärt Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) in einer Pressemitteilung der Stadt. Die Ausstellung wurde im Museum für Geschichte und Kunst in Kaliningrad eröffnet. Dazu eingeladen waren außer der Delegation der Stadt und des Fördervereins für deutsch-russische Zusammenarbeit die Frau des Ende September 2015 verstorbenen Wilhelm Polak, Inna Polak.

Wie es in der Mitteilung heißt, stellte Museumsleiter Sergej Jakimow Polaks besonderen persönlichen Lebensweg und insbesondere dessen Rettung durch Soldaten der Sowjetarmee in den Mittelpunkt der Ausstellungseröffnung. Polak war 1945 in Burggraben zwischen Kaliningrad und Danzig aus einem Arbeitslager befreit worden. Nach einer Odyssee durch Osteuropa kam Polak 1949 zurück nach Papenburg. Nachdem sein Bestreben, in die USA auszuwandern, scheiterte, baute er sich ein neues Leben in seiner Heimatstadt auf und blieb.

(Zum Tod von Wilhelm Polak: Er hat Papenburg die Hand gereicht – ein Nachruf)

Besonders bewegt bei der Eröffnung sei Inna Polak gewesen, teilt die Stadt mit. „Es war immer ein Anliegen meines verstorbenen Mannes, den sowjetischen Soldaten, die ihn gerettet haben, die Hand zu reichen“, erklärt sie. Den Menschen, die ihn vor mehr als 70 Jahren gerettet hatten, habe er nicht direkt danken können. „Jetzt haben wir dieses sozusagen symbolisch gemacht mit dieser Ausstellung. Dafür möchte ich dem Kaliningrader Geschichtsmuseum besonders danken.“

Für eine Schulklasse des Gymnasiums Nummer 40 aus Kaliningrad gab es Exemplare des Buches von Wilhelm Polaks („Erinnerungen an Papenburg und eine unfreiwillige Reise“). Die in Deutsch verfassten Aufzeichnungen waren i n einer Neuauflage von Inna Polak auf Russisch übersetzt worden.

„Die Erinnerung an den Holocaust und die Betroffenen spielt in Papenburg eine große Rolle, wie man an jedem 9. November bei der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht sehen kann“, betont Bechtluft. Auch in Russland spiele dieses Gedenken eine wichtige Rolle. „Das verbindet uns. Durch die Ausstellung zu Wilhelm Polak wird diese Verbindung weiter gestärkt“, so der Bürgermeister.

(Weiterlesen: So überlebte Wilhelm Polak den Holocaust)

Den Besuch in der Papenburger Partnergemeinde bezeichnete das Stadtoberhaupt als „wirklich überfällig“. Die Städtepartnerschaft lebe vom regelmäßigen Austausch. Zuletzt seien Papenburger 2010 in Pogranitschny, das zum Gebiet von Kaliningrad gehört, gewesen.

Auf dem Programm nach einer 15-stündigen Busreise standen außer der Ausstellungseröffnung eine Stadtführung in Kaliningrad, ein Besuch bei der Gemeindeverwaltung sowie in der Grundschule in Pogranitschny. Bechtluft: „Wir haben viele interessante Einblicke in die Entwicklung unserer Partnergemeinde erhalten und konnten vor Ort mit den Bürgern und Vertretern der Gemeinde sprechen.“

Mit im Gepäck hatten die Papenburger die traditionelle Schokoladenspende aus dem Martinssingen. Die Süßigkeiten seien in Schulen und Kindergärten der Fehnstadt gesammelt worden, berichtete Inna Polak. „Es geht dabei um eine Geste des Teilens, die auf St. Martin zurückgeht“, sagte sie. Polak ist zweite Vorsitzende des Fördervereins und hatte die Reise maßgeblich organisiert.

Nach ihren Worten sind aus der Städtepartnerschaft viele Familienfreundschaften entstanden. Auch deshalb sei es wichtig, den Austausch über eine Distanz von mehr als 1000 Kilometern zu pflegen. „Die Meinungen und Sichtweisen des jeweils anderen kennenzulernen und zu verstehen, ist zudem zentral, damit Völkerverständigung funktionieren kann.“

Bechtluft betont, dass es wichtig sei, die Städtepartnerschaft weiter mit Leben zu füllen. „Wir sollten mit dem nächsten Besuch in jedem Fall nicht wieder sieben Jahre warten“, so der Bürgermeister.


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