Würde des Menschen im Mittelpunkt Charlotte Lenzen kandidiert für die Linke

Von Aloys Schulte

<em>Am 22. September</em> werden die Karten neu gemischt. Kandidatin Charlotte Lenzen hofft auf ein gutes Blatt für die Linke. Foto: Aloys SchulteAm 22. September werden die Karten neu gemischt. Kandidatin Charlotte Lenzen hofft auf ein gutes Blatt für die Linke. Foto: Aloys Schulte

Völlen/Papenburg. Für sie war es „Liebe auf den ersten Blick“. Als Charlotte Lenzen Mitte der 90er-Jahre erstmals Urlaub in Ostfriesland machte, hatten es ihr die Weite, die gepflegten Gärten und die „Mentalität der Menschen“ gleich angetan. Nicht selbstverständlich für eine Düsseldorferin, die sich als „rheinische Frohnatur“ bezeichnet.

Die 56-jährige gelernte Bürokauffrau zog mit ihrem Lebensgefährten und dessen Mutter schließlich nach Oldersum, wo sie auf einem 2000 Quadratmeter großen Hof lebte, allerdings ohne Landwirtschaft zu betreiben. 2006 folgte der Wohnungswechsel nach Völlen in der Gemeinde Westoverledingen, und hier begann auch ihre politische „Karriere“. Bei den Kommunalwahlen trat sie für die Partei „Die Linke“ an und schaffte auf Anhieb den Einzug in den Rat und den Kreistag Leer. Jetzt tritt sie im Wahlkreis 26 Unterems zur Bundestagswahl an. „Ich bin Realistin genug, um zu wissen, dass ich es nichts ins Bundesparlament schaffe. Aber ich kämpfe für ein gutes Ergebnis der Linken.“

Dabei ist sie jahrzehntelang Sympathisantin der SPD gewesen. „Das war meine Partei“, so Lenzen. Die Agenda 2010 der Schröderregierung habe das aber grundlegend geändert. Besonders geärgert hat sie der Umgang mit älteren Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben und schließlich bei Hartz IV landen. Auch die wachsende Zahl von Beschäftigten mit „Niedriglöhnen, von denen niemand leben“ kann, ist für Lenzen ein Beleg dafür, dass in der Gesellschaft „etwas falsch läuft“. Die Politik werde von Leuten bestimmt, die nach einer Lebensgeschichte aus „Kreißsaal, Hörsaal und Plenarsaal“ nie Armut kennengelernt hätten.

Es muss aus ihrer Sicht wider mehr die Würde des Menschen, besonders auch der Alten, im Mittelpunkt stehen. Lenzen hat ihre Eltern in Düsseldorf und die Mutter ihres Lebensgefährten jahrelang gepflegt. Die Erfahrungen, die sie mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen gemacht habe, seien zum Teil haarsträubend gewesen. „Ich werde mich auch aus Eigeninteresse für die Senioren einsetzen. Schließlich kommen wir alle einmal in die Jahre.“

Zunächst freut sich die passionierte Skatspielerin aber auf die bevorstehende Geburt ihres zweiten Enkelkindes. Ihr Sohn aus der Ehe mit ihrem verstorbenen Mann hat eine Ostfriesin geheiratet. Die Familie ist also komplett in der norddeutschen Tiefebene angekommen. Mit der Heimat Düsseldorf verbindet sie nur noch die Treue zum Fußballklub Fortuna.