Mit symbolischem Minarett Papenburger Ditib-Gemeinde will neue Moschee bauen

Von Maike Plaggenborg


Papenburg. Rund 1,5 Millionen Euro plant der Papenburger Ditib-Verein für den Neubau einer Kuppel-Moschee auf dem Grundstück des seit Jahren bestehenden Gotteshauses am Mittelkanal. Sie ist die erste dieser Bauart im Emsland und soll ein symbolisches Minarett sowie ein neues Vereinsheim bekommen.

Beide Neubauten sollen voneinander getrennt sein, sagt Ruhi Atalay, der im Vorstand der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion – in türkischer Abkürzung Ditib – ist. Auf dem Parkplatz, der sich hinter dem jetzigen Gebäudekomplex am Mittelkanal – bestehend aus Lebensmittelladen, Vereinshaus und Moschee – befindet, soll zunächst ein sechseckiger Bau samt Kuppeldach und Minarett entstehen.

Versammlungsräume für Männer und Frauen

Üblicherweise ist ein Minarett – also der Turm an einer Moschee – der Ort, von dem aus ein Muezzin – der Gebetsrufer – die Gläubigen ruft. In Papenburg aber, so Atalay, solle dieser Turm, den er als „Rohr“ bezeichnet, eine rein symbolische Funktion haben: „Damit man von außen sehen kann, wo man beten kann.“ In der Moschee soll unten Platz zum Beten für die Männer sein, oben für die Frauen. Das Ditib-Vereinshaus inklusive Lebensmittelladen soll ebenfalls neu gebaut werden. Dort vorgesehen sind Versammlungsräume für Frauen und Männer sowie die Wohnung des Vorbeters, also des Imams.

Optisch solle es sich als Rotklinkerbau in das ortstypische Bild einfügen. Zum Gelände könne es zwei Einfahrten geben. Stehen die neuen Gebäude, würden die jetzt bestehenden abgerissen werden. „Es muss auch für das Auge schön sein“, sagt Atalay über die vorläufigen Pläne. „Papenburg ist auch ein touristisches Gebiet“ und so würden ihm die Führungen, die jährlich am 3. Oktober am Tag der offenen Moschee und auch über das Jahr verteilt mit Gruppen wie den Katholischen Frauen Deutschlands (KFD) beispielsweise stattfinden, mehr Spaß machen.

Genehmigungsverfahren läuft noch nicht

Für die derzeit bestehenden Pläne gebe es noch keine Genehmigung, so Atalay, und auch das Baugenehmigungsverfahren sei bei der Stadt noch nicht angelaufen, die entsprechenden Unterlagen also auch noch nicht eingereicht. Finanzieren will der Papenburger Verein die Kosten für den Neubau über die Beiträge der Gemeindemitglieder. Weitere Unterstützung könne es durch größere Spenden von Geschäftsleuten geben. So sei es auch beim Kauf des jetzigen Gebäudes im Jahr 2001 gewesen, das die Glaubensgemeinschaft damals für 600.000 DM gekauft hatte, wie Atalay sagt. Weitere finanzielle Beiträge könne es vom Ditib-Dachverband in Köln geben. Darin seien 1000 Vereine organisiert, 75 davon in Niedersachsen. Das meiste Geld werde aus einem Kredit kommen.

Jetzige Moschee ist zu klein und renovierungsbedürftig

Grund für den Neubau ist Atalay zufolge der zu geringe Platz. Außerdem müsse das jetzige Gebetshaus repariert werden. „Die Renovierung würde das gleiche kosten“. Monatlich zahle der Verein 1500 Euro an Energiekosten. Hinzu komme eine Zahl von rund 1000 Gläubigen, die die Moschee schon jetzt regulär an Feiertagen wie dem Ramadanfest oder dem Opferfest besuchen würden. Bei dem jetzigen Fassungsvermögen von maximal 400 Betenden müsse regelmäßig auf das übrige Grundstück ausgewichen werden, wo unter freiem Himmel die Teppiche ausgelegt würden. Zusätzlich habe die Zahl der Gläubigen zugenommen, auch durch Flüchtlinge. Regelmäßig kommen, so Atalay, Kurden, Türken, Araber, Syrer und Gläubige aus afrikanischen Ländern zur Fatih-Moschee nach Papenburg. Die Befragung unter den Mitgliedern habe dann eine rund 70-prozentige Zustimmung für den Neubau gegeben. „Ich rechne damit, dass es in ungefähr einem Jahr losgehen könnte“, meint der Vorstandsangehörige des Vereins mit Blick auf das Genehmigungsverfahren.

Die türkisch-islamische Gemeinde besteht seit 1983 in Papenburg. Weitere Moscheen im Emsland gibt es in Esterwegen, Meppen und Lingen.

(Weiterlesen: Wenn der Imam in Papenburg zum Gebet ruft)