Serie „Vom Ferkel bis zum Schlachthof“ Schweinebauer aus Aschendorfermoor muss Tagebuch führen

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Blick in die Papiere: Landwirtschaftsmeister Hermann Brüning (links) aus Aschendorfermoor holt sich bei der Erfüllung bürokratischer Pflichten Unterstützung von Wilfried Zumsande vom Beratungsring. Foto: Christian BellingBlick in die Papiere: Landwirtschaftsmeister Hermann Brüning (links) aus Aschendorfermoor holt sich bei der Erfüllung bürokratischer Pflichten Unterstützung von Wilfried Zumsande vom Beratungsring. Foto: Christian Belling

Aschendorfermoor. Hermann Brüning führt Tagebuch. Nicht weil es der Schweinebauer aus Aschendorfermoor will, sondern es die gesetzlichen Vorgaben erfordern. Mit der Bürokratie für Landwirte befasst sich der nächste Teil einer Serie, die hinter die Kulissen der Schweinezucht blickt.

„Im Prinzip müssen wir alles dokumentieren“, teilt Brüning mit. Wann er düngt, was er düngt, wie viel er düngt, wie es seinen Schweinen geht, ob und wann sie geimpft wurden oder wie die Ernte auf dem Feld aussieht: Die Aufzeichnungspflichten sind enorm. „Und das ist lange noch nicht alles“, so der 48-Jährige. Hinzu kommen unter anderem noch die Buchführung sowie das Ausfüllen von Anträgen. Jede Menge Schreibkram, den Brüning schon lange nicht mehr alleine bewältigen kann.

„Alleine ist das nicht mehr möglich“

Das weiß auch Wilfried Zumsande. Er arbeitet als Ingenieur beim Beratungsring im Grünen Zentrum in Aschendorf. Mit seinen Kollegen betreut Zumsande rund 300 landwirtschaftliche Betriebe im nördlichen Emsland. „Bei der Fülle an Fristen und Angaben, die ein Landwirt einzuhalten und zu tätigen hat, kann schnell der Überblick verloren gehen.“ Damit das nicht passiert, stellt der Beratungsring seine Dienste zur Verfügung. „Alleine ist das nicht mehr möglich“, so Brüning. Nach seinen Worten fehlt bei den komplizierten Sachverhalten und den ständig neuen Verordnungen zum einen die Kompetenz. Doch es gibt es auch einen anderen Grund, warum sich der Landwirtschaftsmeister nicht vollumfänglich um den „Papierkram“ kümmert. „Ich will das auch gar nicht. Ich bin Landwirt geworden, um mich um meine Tiere zu kümmern und will nicht stundenlang am Schreibtisch sitzen.“

Ehefrau übernimmt Buchführung

Bei der Fülle an dokumentarischen Pflichten verfällt der 48-Jährige schon mal in Panik. „Wenn alles auf einmal kommt, kann das schon passieren.“ Ohne die Unterstützung des Beratungsrings wäre er nach eigenen Worten aufgeschmissen. Und auch Ehefrau Helga ist mittlerweile eingespannt und hat die Buchführung des Hofes übernommen.

Ständige Fortbildungen

Nach Angaben von Zumsande hat sich im vergangenen Jahrzehnt der Aufwand für Büroarbeit im landwirtschaftlichen Sektor erheblich erhöht. „Seine Ursprünge hat der Beratungsring eigentlich in der produktionstechnischen Beratung. In den letzten Jahren kommt aber immer mehr Verordnungskram hinzu.“ Für Landwirte sei dies kaum noch händelbar. „Die Herausforderung besteht darin, die Schweine nicht zu vernachlässigen“, betont Zumsande. Mit gezielten Ansprachen und dem Einbringen von Detailwissen bereite der Beratungsring die Mandanten auf bevorstehende Fristen und dem Ausfüllen von Förderanträgen vor. Für die Mitarbeiter bedeutet dies, dass auch sie ständig auf dem neuesten Gesetzesstand sein müssen. „Ständige Fortbildungen gehören für uns dazu. Schließlich wollen wir unsere Landwirte richtig unterstützen.“

Ein Wand voller Ordner

Wie umfangreich der Beratungsbedarf mittlerweile ist, wird beim Blick in Brünings Büro auf dem Hof deutlich. „Mit eine Handvoll Ordner bin ich vor Jahren angefangen. Jetzt habe ich eine ganze Ordnerwand“, so der Landwirtschaftsmeister. Diese müssen immer aktuell geführt sein, falls sich Besuch von der Kammer oder dem Veterinäramt ankündigt. Brüning: „Die wollen umgehend einen Blick in die Unterlagen werfen. Für langes Suchen in den Papieren haben die wenig Verständnis.“

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