Analyse zur Bundestagswahl 2017 CDU und SPD lassen im nördlichen Emsland Federn

Den Wiedereinzug für die SPD in den Bundestag verpasste Markus Paschke (mit rotem Schal). Direkt wiedergewählt wurde hingegen die CDU-Direktkandidatin Gitta Connemann. Foto: Daniel Gonzalez-TepperDen Wiedereinzug für die SPD in den Bundestag verpasste Markus Paschke (mit rotem Schal). Direkt wiedergewählt wurde hingegen die CDU-Direktkandidatin Gitta Connemann. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg. CDU und SPD haben bei der Bundestagswahl 2017 in allen Kommunen im nördlichen Emsland Federn gelassen – sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen. Der Erfolg der AfD aus dem Stand heraus ist im Altkreis indes nicht so groß wie auf Bundesebene. Eine Analyse.

Weder die seit 2002 zum fünften Mal in Folge wiedergewählte Direktkandidatin der Christdemokraten, Gitta Connemann, noch der bisherige SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 25 Unterems, Markus Paschke, der den Wiedereinzug in den Bundestag verpasste, reichten an ihre Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 heran. Connemann – mit 50,0 Prozent der Erststimmen gewählt – büßte in ihrem Wahlkreis 4,7 Prozentpunkte, Paschke (27,5) 3,2 ein. Die Summe ihrer Verluste (7,9) ist nah am Gesamtstimmengewinn des AfD-Kandidaten Christoph Merkel.

Zugewinne für FDP, Linke und Grüne

Ähnlich sieht es bei den Zweitstimmen aus. Hier fiel die CDU von 48,8 Prozent auf 42,4 zurück, die SPD von 30,9 auf 27,5. Die AfD kommt im Wahlkreis auf 8,4 Prozent. Zugewinne verbuchten zudem FDP (von 4,0 auf 7,8), Linke (4,1/5,4) und Grüne (5,8/5,9).

Im nördlichen Emsland fuhr Connemann ihr bestes Ergebnis in der Gemeinde Rhede (65,9 Prozent) ein, gefolgt von den Samtgemeinden Werlte (65,7) und Lathen (64,9). Die wenigsten Stimmen holte die 53-jährige Ostfriesin in Papenburg (48,8). In der Fehnstadt kam AfD-Bewerber Christoph Merkel auf Anhieb auf 7,8 Prozent, in der Samtgemeinde Nordhümmling gar auf 8,6.

In Ostfriesland für CDU weniger zu holen

„Der Abend gehört den Protestwählern“, hatte Connemann am Sonntagabend im Maritimen Kompetenzzentrum gesagt. Ihr Wiedereinzug in den Bundestag sei das Ergebnis gemeinsamer Stärke in der Region. Ihre stärksten Einzelergebnisse im nördlichen Emsland fuhr die Christdemokratin in Oberlangen-Moor (86,2 Prozent), Eisten (84,9) und Ostenwalde (82,9) ein. Am wenigsten war für sie in den Papenburger Wahllokalen Mittelkanalschule (42,3); Niels-Stensen-Haus I (42,4) und Pestalozzischule (42,8) zu holen. (Lesen Sie auch: Gitta Connemann erteilt AfD auf Wahlparty in Papenburg klare Absage)

Im traditionell eher sozialdemokratisch geprägten Ostfriesland hat es Connemann deutlich schwerer. Hier gab es das für sie schwächste Resultat in der Plytenbergschule in Leer (27,5).

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Paschke: Nichts schönzureden

Genau dort holte Paschke eines seiner besten Ergebnisse (50,5). Die meisten Wähler stimmten in Wymeer (54,5) für ihn. Das beste Ergebnis für den SPD-Direktkandidaten im nördlichen Emsland gab es in den Papenburger Wahllokalen Waldschule (33,2), Pestalozzischule (32,7) und Kindergarten St. Franziskus (31,7). Am schwächsten im Altkreis schnitt der 54-Jährige in Oberlangen-Moor (3,4), Sustrum-Moor (5,6) und Niederlangen-Siedlung (6,8) ab. „Wir haben eine klare Niederlage erlitten, da gibt es nichts schönzureden“, bewertete Paschke am Sonntagabend das ernüchternde Ergebnis seiner Partei. Er selbst will von seinem Rückkehrrecht Gebrauch machen und wieder in den Dienst des Deutschen Gewerkschaftsbundes treten, aus dem heraus er 2013 in den Bundestag gewechselt war.

Die einzige emsländische Direktkandidatin, Marion Terhalle (FDP) aus Aschendorf, zog vor allem in ihrer heimatlichen Umgebung Stimmen, unter anderem im Gemeinschafthaus der evangelisch-lutherischen Kirche (23,5), im Dorfgemeinschaftshaus Herbrum (22,1) und im Kolpinghaus (21,4).

AfD punktet in Werlte, Kathen-Frackel und Hilter

Für AfD-Bewerber Christoph Merkel gab es im Wahlkreis die meisten Stimmen in Langholt (Gemeinde Ostrhauderfehn 15,6). Im nördlichen Emsland punktete der 30-jährige Leeraner vor allem in Werlte (Wahllokal Grundschule, 14,5), Kathen-Frackel und Hilter (12,0) und Breddenberg (Dorfgemeinschaftshaus, 11,7). Kaum etwas zu holen gab es für Merkel hingegen in Wieste (1,1), Neudörpen (1,2) und Eisten (1,7). Ähnlich sieht es bei den Zweitstimmen für die AfD aus. Hier ragen zusätzlich als Wahllokale die Mittelkanalschule Papenburg (13,5) und die Bernhard-Schule Sögel (13,5) beziehungsweise Borsum (1,2) und Hüven (2,1) heraus.

Bei Betrachtung der Zweitstimmen fällt außerdem auf, dass in der CDU-Bastion Oberlangen-Moor die Null für die SPD anders als noch 2013 und 2009 nicht mehr steht. Diesmal gab es dort immerhin 5,3 Prozent für die Sozialdemokraten. Aufgerufen waren dort 76 Wähler, 58 gaben ihre Stimme ab.

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 25 Unterems lag bei 75,0 Prozent. Im nördlichsten Emsland am höchsten war sie in der Samtgemeinde Sögel (79,4), am niedrigsten in der Samtgemeinde Nordhümmling (72,5).


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