AfD: Ergebnis spricht für sich Wahlsiegerin Connemann: Demokratie muss das aushalten


Leer. Applaus brandet auf, als Gitta Connemann am Sonntag um 20.20 Uhr das Maritime Kompetenzzentrum (Mariko) in Leer erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass die CDU-Bundestagskandidatin „ihren“ Wahlkreis Unterems für sich entscheiden wird. Rundum zufrieden zeigte sich Connemann allerdings nicht.

„Dieser Abend gehört den Protestwählern“, gibt die Christdemokratin mit Blick auf das AfD-Ergebnis zu Protokoll. „Aber das muss eine Demokratie aushalten, auch wenn es wehtut.“ Die Verluste der Union beschönigte sie nicht. „Diese Wahl ging zulasten aller etablierter Parteien.“ Der Regierungsauftrag liege dennoch „klar bei der CDU“.

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Durch die Absage der SPD verbleibe ihr zufolge mit Schwarz-Gelb-Grün nur noch eine Regierungsoption: Jamaika. „Da müssen wir sehen, wie die Verhandlungen laufen.“ Bei den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen will sich Connemann für die Bereiche Ernährung und Landwirtschaft einsetzen, „die fest in CDU-Hand bleiben sollen“. Den Erfolg in ihrem Wahlkreis bewertet die 53-Jährige als Bestätigung ihres Einsatzes für die Region. „Dafür bin ich persönlich dankbar.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Paschke geht indes davon aus, dass es für ihn nach einer Legislaturperiode nicht mehr für einen Platz im Bundestag reicht. „Die Tendenz ist aufgrund des schlechten Bundesergebnisses klar.“ Das Ergebnis der SPD stuft er als klare Niederlage ein, bei der es „nichts zu beschönigen gibt“.

Paschke zufrieden

Mit seinem persönlichen Ergebnis im Wahlkreis ist Paschke zufrieden. „Der Wähler hat durchaus honoriert, dass ich gute Arbeit in Berlin geleistet habe.“ Den angekündigten Gang der SPD-Spitze in die Opposition betrachtet er als richtig. „Die Wähler haben die Große Koalition abgewählt.“

Wie es für ihn persönlich weitergeht, wenn er keinen Platz im Bundestag erhält, steht noch nicht fest. „Darüber habe ich mir bislang keine Gedanken gemacht, sondern mich auf den Wahlkampf konzentriert.“ Das Ergebnis der AfD mache ihn fassungslos. „Jetzt haben wir verurteilte Rechtsradikale im Parlament.“

Als ein Ergebnis, „das für sich spricht“, bewertet indes AfD-Kandidat Christoph Merkel sein Abschneiden im Wahlkreis. Von den sieben Kandidaten holte er die drittmeisten Stimmen. „Diesen Rückenwind wollen wir in den Landtagswahlkampf mitnehmen.“ Der AfD-Rolle in der Opposition sieht der 30-jährige Leeraner optimistisch entgegen. „Wir werden fernab jeglicher ideologischer Scheuklappen Politik machen und endlich wieder eine echte Opposition im Bundestag stellen.“

FDP-Kandidatin skeptisch

Das Ergebnis der FDP, das mit dem Wiedereinzug in den Bundestag verbunden ist, hat die Bundestagskandidatin der Liberalen, Marion Terhalle, nach eigenem Bekunden so erwartet. „Es ist ein gutes Gefühl, daran mitgewirkt zu haben.“ Über die Resultate aus dem eigenen Wahlkreis zeigte sich Terhalle erfreut. „Insbesondere aus meiner Papenburger Heimat kommen gute Ergebnisse. Dennoch ist es für eine kleine Partei schwierig, im gesamten Wahlkreis stattzufinden.“

Eine mögliche Regierungsbeteiligung der FDP mit der CDU und den Grünen sieht die Aschendorferin skeptisch. „Das muss klug überlegt werden.“

Harald Kleem schlägt ähnliche Töne an. Der Bundeskandidat der Grünen betrachtet eine „Jamaika-Koalition“ als „sehr schwierig“. Sein eigenes Ergebnis sieht er realistisch. „Meine Stimmenanzahl ist nicht schlecht für diese Region, aber auch kein Anlass für Jubelsprünge.“ Kleem lobte Wahlkreissiegerin Connemann für einen „tollen Job, den sie trotz aller Differenzen macht“.

Für den „Die Partei“-Kandidaten Marius Wolters hat es nach eigener Aussage „ganz knapp nicht in den Bundestag gereicht“. Er kündigte aber an, einen neuen Anlauf nehmen zu wollen. „Wir bleiben am Ball und haben uns eingegroovt.“ Seinen eigenen Wahlkampf bewertet er als nicht schlecht. „Wenn man bedenkt, dass wir im Vergleich zu anderen kaum Budget zur Verfügung hatten, haben wir viel geleistet.“


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