Lebendfallen in Papenburg im Einsatz Zahl der Nutrias im nördlichen Emsland nimmt zu

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Eine ausgewachsene, stattliche Nutria hat EZ-Leser Heiner Meyer in Papenburg an der Brinkschleuse am Hauptkanal fotografiert. Foto: Heiner MeyerEine ausgewachsene, stattliche Nutria hat EZ-Leser Heiner Meyer in Papenburg an der Brinkschleuse am Hauptkanal fotografiert. Foto: Heiner Meyer

Papenburg. Im gesamten Emsland nimmt die Population der Nutrias zu. In Papenburg machen Stadt und Jägerschaft mobil gegen die „invasiven“ Nager.

Gemeinsam wurden im Stadtgebiet Lebendfallen aufgestellt, um die bis zu zehn Kilogramm schweren Biberratten aus den Kanälen zu bekommen. Die Tiere halten sich laut Ansgar Kösters, Vorsitzender des Hegerings Papenburg, neben den Kanälen auch an Gewässern wie etwa an der Hans-Nolte-Straße am Sportpark am Obendende auf.

„Dort waren noch vor einem Jahr lediglich zwei Tiere zu beobachten, mittlerweile sind es zwölf“, so Kösters. Die Gesamtzahl der Tiere schätzt er auf etwa 100 Exemplare. 24 Tiere wurden im Jagdjahr 2016/17 erlegt. „Tendenz steigend“, so Kösters. Während der Jagdzeit von September bis März dürfen die Nutrias bejagt werden, was in den jagdbaren Bezirken in Papenburg auch getan wird, so Kösters. Im Stadtgebiet am Untenende kämen dann die Lebendfallen zum Einsatz, die in Kooperation mit der Stadt angeschafft wurden.

„Auch in der Stadt Papenburg sind wir für das Problem mit Nutria sensibilisiert. Es ist dringend geboten, dass sich diese invasiven Tiere nicht weiter im Stadtgebiet ausbreiten“, teilt Stadtsprecher Heiko Abbas mit.

Hohe Reproduktionsrate

Die hohe Reproduktionsrate der aus Südamerika stammenden Tiere sorge für „eine rasante Ausbreitung“ der Nutrias, so Kösters weiter. Nach fünf Monaten seien Jungtiere geschlechtsreif. Man wolle die Tiere nicht ausrotten, müsse aber mit Blick auf mögliche Schäden in den Bestand eingreifen. Mit ihren Bauten würden Böschungen unterhöhlt, wodurch parkende Autos einsacken könnten. Abbas ergänzt: „Kleinere Probleme, die durch die Tiere verursacht werden, haben wir immer mal wieder. Es ist aber nicht so, dass die Standfestigkeit von Bauwerken durch die Nutrias angegriffen worden wäre.“

Die starke Zunahme der Populationen bestätigt auch Heiner Niehaus, Geschäftsführer des Kreisverbands der Wasser- und Bodenverbände Aschendorf-Hümmling. Die Schäden etwa in Böschungen, so fügt Niehaus an, könnten aber auch von Bisamratten verursacht werden. Um den steigenden Nutria-Populationen dennoch Herr zu werden, gibt der Kreisverband laut Niehaus seit zwei Jahren eine Aufwandsentschädigung für jedes erlegte Nutria in Höhe von 7 Euro aus. Während es an Böschungen von Kanälen und Flüssen zu Problemen kommen kann, gibt es laut Niehaus an den Deichen noch keine Schäden, die von Nutrias verursacht worden seien.

Emsland hat die meisten Nutrias in Niedersachsen

Das Emsland ist der Landkreis in Niedersachsen, in dem es mit Abstand die größten Vorkommnisse von Nutrias gibt. Laut Jagdbericht 2015/16 wurden von den gut 10000 Nutrias im Land allein im Emsland mehr als 3500 erlegt. Im vergangenen Jahr waren es bereits mehr als 6000 getötete Tiere, wie Wildmeister und Leiter der Jagdschule Emsland in Aschendorf, Hans Hillebrand, bei einem Besuch von Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) mitteilte.

Zum Vergleich nennt die Landesjägerschaft Niedersachsen Zahlen. Wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt, betrug die Jagdstrecke im Jagdjahr 2005/2006 insgesamt 1527 Tiere, im Jagdjahr 2015/2016 waren es schon 10.387. Im Jahr 2006 meldeten 6,6% Prozent der Reviere in Niedersachsen Nutriavorkommen, bis zum Jahr 2016 erhöhte sich der Wert auf 24,6 Prozent. „Nationale wie internationale Gesetzgebung fordern eine intensive Bejagung dieser als invasiv eingestuften Art. Von zentraler Bedeutung hierbei ist die Fangjagd, also die Jagd mit der Falle“, so der Sprecher.

(Weiterlesen: Emsland intensiviert Jagd auf Nutria)


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