Inklusion in die Arbeitswelt 50 Jahre St.-Lukas-Heim: Hilfen schrittweise ausgebaut

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Papenburg. Seit der Eröffnung des Papenburger St.-Lukas-Heimes im Jahr 1967 sind Hilfen und die Förderung von Menschen mit Behinderungen schrittweise ausgebaut worden.

Anfangs waren nur einfache Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Dachboden des Kinderhauses möglich. Dort fanden die heutigen Caritas-Werkstätten ihren Ursprung. Heute haben sich die fachlichen Möglichkeiten dahingehend entwickelt, dass unter Berücksichtigung der Talente und Neigungen die berufliche Inklusion beispielsweise in Außenarbeitsplätzen angestrebt wird. Aber es gibt auch Grenzen.

Frage der beruflichen Zukunft

Mit der Erfüllung der Schulpflicht der ersten Absolventen der Tagesbildungsstätte stellte sich schon wenige Jahre nach der Gründung des St.-Lukas-Heimes die zentrale Frage, nach einer möglichen, beruflichen Zukunft. Der damalige Bürgermeister Heinrich Hövelmann (CDU) brachte die Überlegungen auf den Punkt: „Wir haben die Menschen bis jetzt gefördert und viele sind über sich hinausgewachsen. Sollen sie jetzt wieder zum Nichtstun verdammt werden?“

Anfangs diente der Dachboden im damaligen Haupthaus, um Jugendlichen mit Behinderungen Fertigkeiten in den Bereichen Holz oder Metall zu vermitteln. Ein Provisorium, denn aufgrund der Dachschrägen konnten Größere dort nur mit eingezogenem Kopf arbeiten.

Umzug in Bokeler Schule

Eine erste größere Chance für die Schaffung einer Außenwerkstatt ergab sich mit der Umwidmung der Bokeler Grundschule. Die Stadt Papenburg stellte das Gebäude zur Verfügung. Um das Vorhaben rechtlich auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, gründete der Caritasverband für die Diözese Osnabrück daraufhin am 5. September 1974 die „Werkstatt für Behinderte GmbH“. Insgesamt 75 Beschäftigte nahmen damals dort ihre Arbeit auf. Unter anderem wurden dort Wäscheklammern, Papierrollen und Kisten für die zentrale Gemüsevermarktung der Gartenbauzentrale gefertigt. Auch der Trainingsbereich war in der ehemaligen Grundschule untergebracht.

Bedarf schnell gewachsen

Schnell kristallisierte sich allerdings heraus, dass der Bedarf an Plätzen deutlich größer ist. Nach einem Spaziergang im Morgengrauen fanden Hövelmann und die damalige Schwester Oberin Ignatia Budde einen geeigneten Standort. Es war an der Flachsmeerstraße im Bereich der heutigen Werthmannstraße, wo 1979 die Caritas-Werkstatt eingeweiht werden konnte. Weitere Ausdifferenzierungen der Hilfen sowie der weiter steigende Bedarf führten in Papenburg zur Gründung eines eigenständigen Metallbereichs im Jahr 2010 sowie dem Betrieb für Lohnfertigung im Jahr 1995 für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Stets im Blick hatte man jedoch auch den Begriff der Sozialraumorientierung. So folgte man gerne dem Ruf nach wohnortnahen Beschäftigungsmöglichkeiten und errichtete 1993 eine Werkstatt in Börger und 2008 eine weitere in Dörpen.

Für mehr Teilhabe in der Arbeitswelt

Um auch in der Arbeitswelt mehr Teilhabe zu ermöglichen, rückten immer stärker auch Qualifizierungsmaßnahmen in den Vordergrund. Diese wurden anfangs in den Trainingsbereichen der Werkstätten vorgenommen.

Seit dem Sommer 2015 steht dafür der neue Berufsbildungsbereich „Stellwerk“ an der Bahnhofsstraße in Papenburg zur Verfügung. Diese beruflichen Qualifizierungen zum Gehilfen (Handwerk, Garten, Landwirtschaft und Hauswirtschaft) werden inzwischen von der Landwirtschaftskammer und Handwerkskammer anerkannt. „Mit der Zertifizierung unseres Bildungsbereiches Stellwerk haben Menschen mit Behinderung die Möglichkeit ein allgemeingültiges Zertifikat zu erhalten, dass sie bei Bewerbungen ihrem künftigen Arbeitgeber vorlegen können“, sagt Heinz-Bernhard Mäsker, Geschäftsführer der Caritas-Werkstätten nördliches Emsland.

Lebensläufe massiv verändert

In diesem Zusammenhang wurde auch der Fachbereich „Berufliche Inklusion“ geschaffen, der mit sozialpädagogischer Unterstützung als Bindeglied zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten an Außenarbeitsplätzen tätig ist. Als weiterer wichtiger Schritt des Ausdifferenzierungsprozesses wurde im vergangenen Jahr die ehemalige Bethlehemschule in einen Bereich für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen ausgebaut. Denn viele Behinderungen werden oft erst im Laufe des Lebens durch Krankheiten oder Unfälle und verändern Lebensläufe massiv. Mit vielschichtigen Hilfen wird auch dort auf die berufliche Rehabilitation gesetzt.


Um die berufliche Inklusion und damit mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, sind das St.-Lukas-Heim und die Caritas-Werkstätten auf Praktikumsplätze angewiesen. Interessierte Arbeitgeber werden gebeten, sich mit dem Fachdienst berufliche Inklusion unter der Telefonnummer 0 49 61/92 58 55 oder 92 58 57 in Verbindung zu setzen.

Das St.-Lukas-Heim wurde 1967 in Papenburg im ehemaligen bischöflichen Schülerheim am Gasthauskanal gegründet. Da es bis dahin im Bundesgebiet kaum Einrichtungen der Eingliederungshilfe gab, mussten Hilfen und Förderangebote entwickelt und bis in die heutige Zeit weiterentwickelt werden. Den 50. Geburtstag feiert die Einrichtung öffentlich am Freitag, 1. September 2017, mit einem Festhochamt in der St.-Antonius-Kirche mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Am Sonntag, 3. September 2017, verwandelt sich der Gasthauskanal in eine farbenfrohe Meile, denn dann wird von 11 bis 18 Uhr auf zwei Bühnen und an zahlreichen Ständen das „Fest der bunten Vielfalt“ gefeiert. Neben Musik und Talks dürfen sich die Gäste auf viele Angebote und Aktionen von hiesigen Vereinen und Institutionen freuen.

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