Papenburger Landwirt denkt um Biokäse und Online-Versand: Der Engelnhof geht neue Wege



Papenburg. Der Papenburger Landwirt Ludger Engeln geht neue Wege: Derzeit stellt er seinen Betrieb am Lerchenweg in Aschendorfermoor mit rund 350 Milchkühen voll auf Biomilch um, auch aus der Käserei wird es künftig Bioqualität geben. Auch der Onlineversand wird ausgebaut, dabei hilft ein Startup-Unternehmer aus Oldenburg.

Die Milchkrise im vergangenen Jahr hat Ludger Engeln tief geprägt. „22 Cent für den Liter Milch macht keinen Spaß“, sagt der 47-Jährige. Statt zu resignieren, trat der Landwirtschaftsmeister die Flucht nach vorne an. Er ließ einen neuen Kuhstall bauen, der im Frühjahr fertiggestellt wurde und in dem seit April 2017 rund 350 Kühe leben – und zwar inklusive der rund 250 Hektar Ackerfläche unter Biolabel-Gesichtspunkten. „Ab Oktober 2017 werde ich dann Biomilch an die Molkerei Ammerland liefern“, berichtet Engeln im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ab dem 8. Oktober

Seit dem 8. April läuft eine sechsmonatige Frist, die er beispielsweise im Hinblick auf Ernährung und tierärztlicher Versorgung der Tiere einhalten muss, um die Bio-Zertifizierung zu bekommen. Ab dem 8. Oktober darf er, sofern alle Tests erfolgreich verlaufen, dann tatsächlich an die Molkerei in Oldenburg liefern. Die Molkerei hatte sich im Februar entschieden, als erster großer Produzent in Niedersachsen ab 1. September in den Biomilch-Markt einzusteigen – aus gutem Grund, wie Engeln berichtet. „Die Versorgungsquote bei Biomilch in Deutschland liegt bei 75 Prozent, bei konventioneller Milch bei etwa 110 Prozent“, weiß der Papenburger Landwirt. Heißt: Während die Nachfrage nach Milch, die unter Bio-Gesichtspunkten erzeugt wurde, deutlich größer ist als die Menge, die hergestellt wird, ist es bei herkömmlich produzierter Milch genau andersherum.

(Hier gibt es einen virtuellen 360-Grad-Rundgang über den Engelnhof)

Etwa 48 Cent wird Ludger Engeln künftig für seine Milch bekommen statt der 32 bis 34 Cent wie bisher. Von rund 2,5 Millionen Litern Milch, die seine Kühe pro Jahr produzieren können, geht der 47-Jährige aus. Den ersten Biokäse von der hofeigenen Käserei wird es dann pünktlich zum Weihnachtsgeschäft Anfang Dezember geben.

Käserei-Geschäft seit 2012 intensiviert

Schon jetzt, unter konventionellen Bedingungen und auch während der Milchpreiskrise, hat er durchaus Spaß an seiner Käserei. Die gibt es zwar bereits seit 2002, doch nach dem Ausstieg aus der Direktvermarktung von Milch (Engeln hatte bis 2012 zeitweise mehr als 70 Kindergärten, mehr als 50 Schulen und rund 600 Privatkunden in der Region beliefert) hat er die Produktion in der Käserei deutlich ausgebaut. Inzwischen werden dort acht Sorten hergestellt, neben dem Papenburger Hofkäse in fünf Variationen (mild, mit Bärlauch, mit Bockshornkleesamen, mit italienischen Kräutern und mit Kümmel) auch eine Tilsiter Art, einen Mittelalten und den Papenburger Moorkäse. „Der hat aber mit Moor nicht direkt etwas zu tun“, erklärt der 47-Jährige. Vielmehr erinnert die dunkle Rinde in Laibform an ein Stück Torf, wie er meint. Der Käse werde komplett aus Rohmilch hergestellt, also aus Milch, die zu Beginn des Käsereiprozesses nicht behandelt wurde.

Vertrieb verstärkt über das Internet

Auch beim Vertrieb geht Engeln neue Wege. Er arbeitet mit Garvin Hinrichs zusammen. Der Oldenburger baut derzeit das Online-Portal meinmarktstand.de auf. „Die Idee an dem Portal ist, alle Produkte, die ich auch auf einem Wochenmarkt bekomme, bequem auf der heimischen Couch im Internet zu bestellen“, erklärt der 28-Jährige. Etwa 15 in der Weser-Ems-Region bekannte Erzeuger regionaler Produkte machen bereits mit, darunter auch der Schinkenhof Nieters aus Werpeloh in der Samtgemeinde Sögel. Weitere sollen folgen. Von Hinrichs und seinem Portal erhält der Papenburger den Bestellauftrag, einen Versandaufkleber und die Verpackung.

Versendet wird die Ware im Regelfall einen Tag nach der Bestellung mit einer Versandtasche, deren Wände mit Zellulose ausgefüttert ist, oder einem Karton. Kleine Kühlakkus sorgen dafür, dass die Temperatur beim Versand bei etwa zwölf bis 15 Grad bleibt, so wie es der Käse am liebsten hat. Geplant sind auch mehrere Abholstationen mit Produkten des Portals im Nordwesten. Zum Weihnachtsgeschäft sollen sich Nutzer Geschenkpakete aus verschiedenen Produkten zusammenstellen können, kündigt der Portalgründer, der von den Herstellern eine monatliche Pauschale von 39 Euro sowie eine Umsatzbeteiligung erhält, an.


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