Firmenchef empfiehlt Nachahmung Papenburg: Flüchtlinge gegen Fachkräftemangel

Von Gerd Schade

Über die Integration durch Arbeit bei der Firma Messmann freuen sich (von links) Elektromeister Heinz Hackling, Mohamad Haj Abdul Aziz, Schülerpraktikant Samer Soud, Ursula Mersmann (hinten), Gitta Connemann, Bürgermeister Jan Peter Bechtluft, Mousa Mousa, Josef Messmann, Hartmut Strehlau, Katharina Trouw (Deutsches Rotes Kreuz) und Abdulrazak Alhaj Saeed. Foto: Gerd SchadeÜber die Integration durch Arbeit bei der Firma Messmann freuen sich (von links) Elektromeister Heinz Hackling, Mohamad Haj Abdul Aziz, Schülerpraktikant Samer Soud, Ursula Mersmann (hinten), Gitta Connemann, Bürgermeister Jan Peter Bechtluft, Mousa Mousa, Josef Messmann, Hartmut Strehlau, Katharina Trouw (Deutsches Rotes Kreuz) und Abdulrazak Alhaj Saeed. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Das Papenburger Unternehmen Messmann Maschinenbau hat nach eigenen Angaben den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land gezogen. Das Besondere: An dem Auftrag arbeiten drei Flüchtlinge mit. Das ist ein Viertel der aktuellen Belegschaft.

„Wir schaffen das!“ Diesen Satz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich auch Geschäftsführer Josef Messmann zu eigen gemacht. Anlass ist der nach seinen Worten „größte Auftrag aller Zeiten“ für den Bau einer Betonfertigteilanlage in Frankreich.

Trio vollständig integriert

Daran arbeiten mit Mohamad Haj Abdul Aziz (37), Mousa Mousa (24) und Abdulrazak Alhaj Saeed (25) drei Flüchtlinge mit. „Ansonsten könnten wir den Auftrag kaum stemmen“, sagt Messmann. Die übrige Belegschaft, darunter der langjährig bei Messmann beschäftigte Elektromeister Heinz Hackling, habe die neuen Kollegen im Übrigen von Anfang an unterstützt. Das Trio sei sozusagen direkt „adoptiert“ und inzwischen vollständig integriert.

Messmann verhehlt nicht, dass er wie viele andere Firmen auch zunehmend Schwierigkeiten habe, Fachkräfte für sich zu gewinnen. Die Flüchtlinge seien für ihn „ein Geschenk“. Bei einem Besuch der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann warb Messmann auch deshalb eindringlich dafür, die Vermittlung von Flüchtlingen in Arbeit so unbürokratisch wie möglich zu forcieren, damit ihr Potenzial vor Ort eingesetzt werden könne. Andernfalls drohten sie weiterhin in vermeintlich attraktivere Regionen abzuwandern, so Messmann. In diesem Zusammenhang plädiert er dafür, dass bei den Ausländerbehörden Ansprechpartner für Unternehmer installiert werden.

Netzwerk funktioniert

Wie der 67-Jährige weiter erläuterte, hätten im aktuellen Fall die bestehenden Kooperations- und Integrationsstrukturen für die Flüchtlingsarbeit in der Fehnstadt vorbildlich funktioniert. Demnach leistete der Arbeitskreis „Arbeit und Beschäftigung“ des Deutschen Roten Kreuzes wirksame Unterstützung. Der Kreis war Ende 2015 im Rahmen der ehrenamtlichen Flüchtlingsinitiative gemeinsam mit der Stadt entstanden. Dem Gremium gehört außer Messmann selbst das für Integration und Inklusion zuständige Vorstandsmitglied des SC Blau-Weiß 94 Papenburg, Hartmut Strehlau, an. Überdies hätten sich Vertreter der Agentur für Arbeit und des Jobcenters sehr kooperativ engagiert, so Messmann.

20 Vollzeitstellen vermittelt

Der Unternehmenschef misst insbesondere Strehlaus Arbeit über den Fußballverein und dem daraus entstandenen Netzwerk „eine überragende Integrationswirkung“ zu. Über dieses Netzwerk habe Strehlau bereits mehr als 20 Flüchtlinge in feste Vollzeitstellen vermitteln können. Weiteren zehn Asylbewerbern habe er einen Praktikumsplatz besorgt sowie zwei hätten eine Ausbildung angetreten. „Zusammen mit den anderen engagierten Mitgliedern des Arbeitskreises macht das über 60 Flüchtlinge, die in Papenburg und Umgebung erfolgreich auf den Weg gebracht wurden“, betont Messmann. Für die Firma Messmann sei diese Entwicklung ausgesprochen sehr gut. Andere Unternehmer, die diesen Weg ebenfalls bereits gegangen sind, hätten die guten Erfahrungen bestätigt. Er empfiehlt diese Beispiele weiteren Unternehmen zur Nachahmung.

Haj Abdul Aziz ist bei Messmann als Elektroingenieur angestellt. Alhaj Saeed, von Haus aus ebenfalls Ingenieur, hat eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker angetreten. Mousa, ein Ölfeldmechaniker, arbeitet bei Messmann als Techniker. Der 24-Jährige und seine Landsleute machen im Gespräch mit den Besuchern deutlich, wie wichtig es ist, eine Aufgabe zu haben.

„Wechselvolle Geschichte“

Die Geschichte der Firma Messmann geht bis ins Jahr 1949 zurück. Mit dem Konkurs des Unternehmens Brügmann in Papenburg Ende der 90er-Jahre ging auch Messmann in die Knie. Firmenchef Josef Messmann spricht von einer „wechselvollen Geschichte“ seines Betriebs am Ahldersweg und nicht ohne Stolz davon, dass fast alle seine heutigen Mitarbeiter mehr als 30 Jahre dabei sind. In dieser Zeit habe sich das Unternehmen international einen Namen für die Entwicklung und Herstellung von automatisierten Sondermaschinen und Anlagen insbesondere für die Betonfertigteilindustrie, aber auch für die Bauindustrie gemacht. Bei Betonfräsmaschinen sei man wahrscheinlich inzwischen Weltmarktführer, sagt Messmann und verweist auf einen „großen Bestand an innovativen Entwicklungen“. Stammkunden kommen nach seinen Worten aus Westeuropa, Skandinavien, Mexiko, den Golfstaaten und Australien.


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