Situation weltweit Papenburger Amnesty-Gruppe berichtet über Flüchtlingslage

Die Amnesty-International-Gruppe Papenburg hat zu einem Vortrag an den Hauptkanal eingeladen. Foto: AI PapenburgDie Amnesty-International-Gruppe Papenburg hat zu einem Vortrag an den Hauptkanal eingeladen. Foto: AI Papenburg

Papenburg. Zum Weltflüchtlingstag hat die Amnesty-Gruppe Papenburg zu einem Vortrag in den Amnesty-Shop am Hauptkanal in Papenburg eingeladen, wo auch die Ausstellung „Europa, was machst Du an Deinen Grenzen?“ gezeigt wird.

Mehr als 65,6 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht, sagte der Sprecher der ai-Gruppe Papenburg, Gerold Siemer - so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. „Diese Menschen suchen Schutz, Schutz vor persönlicher Verfolgung, Willkür, Folter, und nicht zuletzt fliehen sie vor Bürgerkrieg und Gewalt im eigenen Land“ wird Siemer in einer Pressemitteilung der Gruppe weiter zitiert. Der frühere Bundespolizist Knut Paul berichtete demnach von seinen persönlichen Erlebnissen mit geflohenen Menschen, die meist traumatisiert in Deutschland ankommen und Hilfe benötigen. Er arbeitet mit der Organisation in Papenburg zusammen.

Paul zufolge müsse an den Ursachen der Flucht gearbeitet werden. „Wenn jetzt bereits abzusehen ist, dass der Tschad-See aufgrund des Klimawandels austrocknen wird, werden diese Menschen sich auf den Weg machen, um andere Perspektiven zu finden, soweit wir, und damit meine ich Europa, sie ihnen nicht vorher in Afrika bieten“, erzählt er. Die derzeitige Diskussion über die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland entbehrt nach Meinung von Paul jeglicher Grundlage, wenn man sich die Zahlen betrachtet. Von den derzeit 65,6 Millionen Menschen, die als Flüchtlinge gelten, hat Deutschland 2015 lediglich 1,25 Prozent aufgenommen, und in 2016 ist der Anteil auf 0,43 Prozent gesunken, heißt es weiter in der Mitteilung.

Grenzen innerhalb der EU werden geschlossen

Beim Versuch, das Mittelmeer in Schlauchbotten und Schiffen zu überwinden sind 2016 mindesten 5.000 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 2.000 Flüchtlinge sind beim Überschreiten von Grenzen auf ihrer Flucht ums Leben gekommen, was, wie Paul weiter ausführte, von den Medien meist nicht berichtet wird. Er wies darauf hin, dass Europa und auch Deutschland eine Politik der Abschottung betreiben. Es werden hohe Grenzzäune errichtet, es werden Grenzen innerhalb der EU geschlossen. Durch Migrationskooperationen wie dem EU-Türkei-Deal werden Schutz suchende Menschen daran gehindert, ihr Menschenrecht, Asyl zu suchen, überhaupt erst in Anspruch nehmen zu können. „Wichtig ist dabei einmal hervorzuheben, dass Europa Flüchtlingen keinen einzigen legalen Weg für eine Flucht und Asyl nach Europa aufzeigt“, betonte Paul.

Ingeborg Heck-Böckler, Asylbeauftragte von Amnesty International des Landes Nordrhein-Westfalen, berichtete von den Fahrten zusammen mit dem Schauspieler Benno Fürmann, der sich mit Amnesty zusammen für Flüchtlingsschutz einsetzt. Sie war auf Lampedusa und hat dort Friedhöfe mit namenlosen Gräbern besucht. „Die vielen Menschen, die auf der Flucht gestorben sind, sind nicht alle auf Lampedusa beigesetzt worden“, erzählte sie. Viele der Toten seihen ans Festland gebracht worden, wo sich ihre Spur verliert. Dort gibt es keine Gräber. In guter Erinnerung ist ihr auch der Besuch der italienischen Marine geblieben: „Wir sind sehr herzlich an Bord aufgenommen worden und der Kapitän hat uns berichtet, dass sie sofort das Rettungsprogramm ‚Mare Nostrum‘ wieder starten könnten, sofern sie darum ersucht würden“. Das Programm sei inzwischen von der EU eingestellt. Während die „Mare-Nostrum“-Schiffe mindestens 100 Seemeilen südlich von Lampedusa operierten, war das Folgeprogramm Triton auf ein Gebiet von 30 Seemeilen um die italienische und maltesische Küste beschränkt. „In der Folge retten nun viel mehr private Hilfsorganisationen mit ihren Schiffen die Menschen auf See aus den lebensbedrohlichen Situationen vor der Küsten Afrikas“, berichtet Heck-Böckler.

Recht auf Asyl ein Menschenrecht

Sie und Paul zeigten sich verärgert über Aussagen einiger Politiker, die den Hilfsorganisationen Schuld an dem größer werdenden Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer geben. Jeder habe das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen. Denn gerade dieses Recht, das so in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht, soll mit der Abschottungspolitik der EU verhindert werden. „Und genau deshalb gehen die Menschen das Risiko über das Mittelmeer ein, und das machen sie, ob dort nun Schiffe sind, die sie aufnehmen oder nicht“, sagt Ingeborg Heck-Böckler.

Zwischen den Fachvorträgen und am Ende der Veranstaltung spielte Zakaria Mohammed, der als Flüchtling 2015 nach Papenburg kam, kurdischer Musik und sang, auch mit Begleitung seiner Töchter. Der Abend endete mit „Ein Schöner Tag“ auf kurdisch. Die Ausstellung ist auch weiterhin für Interessierte zu besichtigen. Kontakt: amnesty-papenburg@freenet.de