Eltern aus Papenburg verärgert Achtjährige stürzt auf Straße: Leitstelle lehnt Rettungswagen ab

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Von diesem Hoverboard, einem elektrisch betriebenen Skateboard, ist in Papenburg eine Achtjährige mit dem Kopf auf die Straße gestürzt. Die Rettungsleitstelle des Landkreises lehnte daraufhin den Einsatz eines Rettungswagens ab. Foto: Daniel Gonzalez-TepperVon diesem Hoverboard, einem elektrisch betriebenen Skateboard, ist in Papenburg eine Achtjährige mit dem Kopf auf die Straße gestürzt. Die Rettungsleitstelle des Landkreises lehnte daraufhin den Einsatz eines Rettungswagens ab. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg. In Papenburg ist eine Achtjährige von einem Hoverboard, einem elektrisch betriebenen Skateboard, gestürzt und mit dem Kopf auf die Straße geprallt. Die Rettungsleitstelle lehnte es nach einem Notruf der 16 Jahre alten Schwester ab, einen Rettungswagen vorbei zu schicken. Die Eltern sind darüber verärgert. Der Landkreis verteidigt das Vorgehen.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 13. April, doch auch fast drei Monate später sorgt er in der Familie Wilken für Gesprächsstoff. Franziska, der vierte Sprössling von Elisabeth und Heinz Wilken, hatte auf einer Anliegerstraße im Wohngebiet Königsberger Straße, in dem die Familie lebt, das motorbetriebene Spielgerät ausprobiert. Das gehört eigentlich der 16 Jahre alten Schwester Bianca, und das aus gutem Grund: Die Benutzung von Hoverboards ist anspruchsvoll, es wird ähnlich wie ein Segway mit der Verlagerung des Körpergewichtes gesteuert und betrieben. Die meisten Hersteller empfehlen daher eine Nutzung erst ab 14 Jahren und das Tragen von Schutzkleidung an Händen, Ellbogen, Knien und auf dem Kopf.

Die Achtjährige probierte es im Beisein der Schwester und ohne Schutz dennoch aus – und prompt kam es zu einem Unfall: Franziska stürzte rücklings von dem Gerät, prallte mit Kopf und Rücken auf den Asphalt und blieb bewusstlos auf der Straße liegen. Die 16-jährige Schwester wählte mit dem Mobiltelefon eines Zeugen den Notruf. „Bianca stand selbst unter Schock, war gar nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen“, meint Mutter Elisabeth Wilken, die sich zum Zeitpunkt des Unfalls mit ihrem Mann Heinz in Leer bei einem Arzttermin mit Sohn Patrick, einem weiteren Sprössling der Familie, befand, beide waren also gut 35 bis 40 Minuten mit dem Auto entfernt.

Beide Minderjährige müssen laut Mutter alleine nach Hause gehen

Die Notrufzentrale fragte nach Angaben der 42-Jährigen, ob die Achtjährige ansprechbar sei und sich bewegen würde. Die 16-Jährige antwortete mit „Ja“. Daraufhin lehnte es die Notrufzentrale ab, einen Krankenwagen zu entsenden. Beide Minderjährige schleppten sich danach, nach Angaben der Mutter ohne Begleitung eines Erwachsenen, einige hundert Meter weiter nach Hause, wo die Eltern dann eine gute Stunde später eintrafen und sofort mit beiden Kindern zum Kinderarzt fuhren.

Die jüngste Diskussion über die Arbeitsüberlastung und Aufnahmestopps bei Kinderärzten veranlasste Mutter Elisabeth Wilken dazu, jetzt den Kontakt zu unserer Redaktion zu suchen. „Dr. Vescio hat in diesem Fall ganz hervorragend reagiert und meine Tochter Franziska sofort eingehend untersucht“, berichtet die 42-Jährige. Der Kindermediziner, der gemeinsam mit der Kollegin Melanie Trilck eine Praxis am Hauptkanal betreibt, stellte nach Angaben der Mutter eindeutige Schocksymptome fest, dazu gehörten Übelkeit, leichte Benommenheit und kalte Gliedmaßen. Außerdem stellte er Prellungen am Schädel und am Rücken fest. Er empfahl den Eltern, die Achtjährige zu beobachten und sie ins Krankenhaus zu bringen, sollte Erbrechen hinzu kommen. Dazu kam es glücklicherweise nicht, der Gesundheitszustand der Tochter besserte sich ab dem nächsten Tag.

Landkreis sieht keine Fehler bei „strukturierter Notrufabfrage“

Der Landkreis Emsland als verantwortliche Behörde der Rettungsleitstelle verteidigt das Vorgehen. „Der Anruf der 16-jährigen Schwester des verunfallten Mädchens ist in der Rettungsleitstelle wie jeder eingehende Notruf nach der strukturierten Notrufabfrage bearbeitet worden“, teilte Anja Rohde, Sprecherin des Landkreis, auf Anfrage mit. Da es sich hier um eine junge Anruferin gehandelt habe, sei der Disponent, der den Notruf entgegennahm, besonders sorgfältig vorgegangen und habe „eingehend und mehrmals“ nachgefragt. „Danach war die verunfallte Person ansprechbar und nicht sichtbar verletzt. Daher war auf Grundlage der strukturierten Notrufabfrage die Entscheidung zu treffen, dass ein Transport durch Angehörige/Eltern erfolgen kann“, so die Sprecherin.

Die grundsätzlichen Eckdaten bei einer strukturierten Notrufabfrage bleiben gleich, egal ob der Anrufer minderjährig ist oder nicht. „Die Frage beispielsweise nach einer „adäquate Atmung“ wird aber entsprechend kindgerecht gestellt. Der Disponent fragt dann: ,Kannst Du sehen, ob der Brustkorb sich noch regelmäßig hebt und senkt?‘. Junge Anrufer werden also noch intensiver und sensibler bei einem Notruf begleitet.“

Mutter fordert generellen Krankenwageneinsatz bei Kindern

Dennoch sind Elisabeth und Heinz Wilken der Meinung, dass bei minderjährigen Unfallopfern möglichst generell und auf Wunsch ein Krankenwagen entsendet werden sollte. „Innere Verletzungen sind schließlich oft von außen nicht sichtbar und können bei derart kleinen Kindern große Auswirkungen haben“, meint die 42-Jährige.


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