Das Atelier ist erfüllt von einem fast babylonischen Sprachengewirr. An einem Ende des Raumes steht eine junge Frau in einem japanischen Gewand, einem Kimono, mit hochgesteckten Haaren und den traditionellen Sandalen aus Japan, den Geta. Stoisch blickt die Frau in den Raum, wo verschiedene Künstler sie auf die Leinwand bannen – mit Pinsel und Aquarellfarben, als Radierung oder mit noch anderen Materialien. Die Künstler sprechen Russisch, Arabisch, Englisch, Niederländisch, Deutsch und andere Sprachen. Auf einem Tisch ist ein kleines Buffet aufgebaut, es gibt Kaffee und Tee. Einige Künstler unterhalten sich angeregt über ihre Projekte.
Heimat für Kunst in Papenburg
Wie immer jeden zweiten Dienstag ab 18 Uhr finden sich die Künstler im Stiefelknechthaus zum „Künstleratelier International“ zusammen. „Die Atmosphäre ist dann ganz besonders“, sagt Petra Wendholz, Leiterin der Papenburger Kunstschule Zinnober. Sie verantwortet gemeinsam mit Viola Tallowitz-Scharf das Künstleratelier und ist von der Stimmung, den Gesprächen und den Werken regelmäßig begeistert. „Mit unserem Projekt möchten wir Künstlern aus fremden Ländern eine Heimat für ihre Kunst in Papenburg geben. Wir wollen einen Raum bieten, in dem sich die Kunstschaffenden einbringen und austauschen können“, erklärt Tallowitz-Scharf.
Vor allem gelte das für diejenigen, die nach Deutschland geflüchtet sind. „Sie haben sonst kaum die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einzubringen. Hier haben sie die entsprechende Plattform.“ So finden sich unter dem guten Dutzend Künstler, die im Stiefelknechthaus zu Gast sind, auch mehrere Geflüchtete aus dem Bürgerkriegsland Syrien.
Teil eines Projektes
Die Idee, einen Raum für Künstler aller Nationen und Kulturen zu schaffen, hat auch das Land Niedersachsen überzeugt. „Wir sind Teil eines Projektes der Emsländischen Landschaft, der Ostfriesischen Landschaft und des Landschaftsverbands Osnabrücker Land“, erklärt Wendholz. Hinzu komme eine Förderung durch das Land Niedersachsen. „Das Künstleratelier International gehört zu der Reihe ,Sehnsucht neue Heimat – Ankommen im Nordwesten‘ und ist vor einigen Wochen gestartet“, ergänzt Tallowitz-Scharf. Das Projekt „Sehnsucht neue Heimat“ und damit auch das Künstleratelier haben es sogar auf die Best-Practice-Liste der Kultusministerkonferenz der Länder für Kulturprojekte für Geflüchtete geschafft ( www.best-practice-projekte.de). „Das freut uns natürlich. Aber das Wichtigste für uns ist der persönliche Kontakt hier vor Ort und der künstlerische Austausch“, sagt Wendholz.
Austausch noch verbesserungswürdig
Dieser Austausch dürfe sich aber durchaus noch verbessern. „Das Künstleratelier International ist ein offenes Projekt. Jeder kann vorbeikommen, sich die Kunstwerke anschauen und mit den Künstlern in Kontakt kommen. Die Türen des Stiefelknechthauses sind immer geöffnet“, sagt Wendholz.
Wer es in den kommenden Monaten nicht aufs Gut Altenkamp schaffe, könne sich die Kunstwerke aber dennoch ansehen. „Im August wird es dazu eine Ausstellung in der städtischen Galerie im Forum Alte Werft geben“, sagt Tallowitz-Scharf. Dort dürfte dann auch das eine oder andere Kunstwerk der jungen Frau im Kimono zu sehen sein.
Im Kimono steht eine junge Frau Modell für internationale Künstler im Stiefelknechthaus auf Gut Altenkamp. Foto: Stadt Papenburg