Mehr zahlen, Ausbildung verbessern Klare Botschaften bei Papenburger Wirtschaftsdialog


Papenburg. Klare Botschaften an Wirtschaft, Politik und Verwaltung haben die Beteiligten des ersten Papenburger Wirtschaftsdialogs gesandt. Die Resonanz der Zuhörer auf die Veranstaltung des Papenburger Wirtschaftsforums im Arkadenhaus fiel überwiegend positiv aus.

Personalberater Heinz-Ludwig Groß, früherer Personalchef bei UPM Nordland Papier in Dörpen, forderte im Werben um gut ausgebildete Fachkräfte nicht nur höhere Löhne und Gehälter sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance, sondern auch eine andere Form der Ausbildung. Vieles in der aktuellen Berufsausbildung sei „von gestern“. Er empfahl, nur noch auf jüngere Ausbilder (ab Jahrgang 1990) zu setzen. Die älteren könnten angesichts der rasanten digitalen Entwicklung kaum mehr mithalten. Viele Lehrer hätten noch nicht einmal W-Lan. In diesem Zusammenhang legte er auch den Industrie- und Handelskammern dringend ans Herz, „in die Socken zu kommen“ und eine Berufsausbildung der Neuzeit zu propagieren. Die Zukunft einer Region könne nur mit Menschen gestaltet werden, die anders ausbilden, betonte Groß. Der Dörpener warb überdies eindringlich für den Einsatz von mehr Frauen „in allen Bereichen“ sowie für Fortbildung. „Weiterbildung sind keine Personalkosten, sondern Investitionen in die Zukunft“, sagte Groß.

Johannes Pott, Leiter Private Banking bei der OLB Papenburg, forderte die Politik auf, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Unternehmen sattelfest aufstellen können. Banken seien für einen gut aufgestellten Mittelstand wichtige Partner. Zudem mahnte er ein besseres Zusammenspiel von Wirtschaft und Kultur an.

Der Diplomökonom Rainer Lucas, Projektleiter beim Wuppertal-Institut und Impulsgeber in Form eines Einstiegsvortrages, empfahl, Wirtschaftsförderung anders zu definieren und sie gleichsam zu einer gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgabe zu machen. Es ginge darum, gemeinsam Möglichkeitsräume zu öffnen. Falsch sei, wenn jeder „in seinem Bunker hockt“ und „kurzatmig“ nur seine eigenen Interessen verfolge. „Wirtschaftsförderung ist ein Gemeinschaftswerk, mehr als klassisches Unternehmertum und findet auch nicht nur in Ämtern statt“. Lucas regte die Schaffung einer Kreativwerkstatt für Papenburg mit dem Ziel an, wie die Stadt im Jahr 2030 aussehen solle. Daran sollten sich Menschen aus allen Bereichen beteiligen. Als „Schmieröl im Getriebe“ für eine gedeihliche Zusammenarbeit nannte er Vertrauensbildung. Zudem sei wichtig, die eigenen Stärken herauszuarbeiten und zu stärken.

Auch der Vorsitzende des gastgebenden Wirtschaftsforums Papenburg, Carsten Röttgers, beschwor das Miteinander von Wirtschaft, Politik und Verwaltung. „Es wird immer weniger miteinander gesprochen“, beklagte er zu Beginn der Veranstaltung.

Nach den Worten des Vorsitzenden des städtischen Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur, Burkhard Remmers, wurde aber auch schon Vieles erreicht. Er verwies darauf, dass die Gewerbesteuereinnahmen von 2006 bis 2016 von jährlich 9 Millionen auf 16 Millionen Euro gestiegen seien. Die Einwohnerzahl sei im selben Zeitraum von knapp 35.000 auf mehr als 37.000 geklettert. Seit 2007 seien mehr als 5300 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze hinzugekommen und seit 2007 exakt 569 neue Bauplätze.

„Wir wissen, dass Lebensqualität auch Standortqualität bedeutet und leben das bereits seit zwei bis drei Jahren“, sagte Remmers, der auch CDU-Stadtverbandsvorsitzender ist. Als aktuelles Beispiel nannte er den Masterplan Alte Werft. Ziel sei es, den Zugang zu den Wasserflächen möglichst schon zur geplanten Blumenschau 2019 zugänglich zu machen. Remmers betonte, dass man dabei sei, die Wirtschaftsförderung neu aufzustellen. „Wir werden den Blick weiten“, versprach er. Mit der geplanten Hafenerweiterung würde zudem ein klarer Schwerpunkt gesetzt, „ohne andere Dinge zu vernachlässigen“.

Überdies würden „die großen Dinge“ in der Stadt auch dank des finanzstarken Landkreises Emsland im Rücken rollen, meinte Remmers im Hinblick auf die erneute Teilverlegung der Rheiderlandstraße sowie die geplante Hafenerweiterung im Bokeler Bogen mit 65 Hektar Industrie- und Gewerbegebiet sowie 28 Hektar für ein Sondergebiet Hafen. „Der Stadtrat ist besser als sein Ruf“, betonte der CDU-Politiker. Lediglich bei den kleinen Dingen würde man sich „mal kibbeln“. Dem stimmte auch der Steuerberater und Investor Willy Lückmann zu. „Die Politik in Papenburg ist viel konstruktiver, als man gemeinhin meint“, sagte er. Lückmann versicherte zudem, dass der Masterplan Alte Werft umgesetzt werde.

Zuhörer Hartmut Strehlau, der sich unter anderem bei BW Papenburg ehrenamtlich um die sportliche Integration von Flüchtlingen kümmert, forderte Unternehmer auf, mehr Mut aufzubringen, um gut ausgebildeten Migranten beispielsweise im IT-Bereich eine berufliche Chance zu geben.

Die Besucher des Wirtschaftsdialogs bewerteten den Verlauf der Veranstaltung positiv. Moderator Holger Hartwig, der auch das Konzept entwickelt hatte, hatte die Gäste nicht nur gebeten, ihre Haltung zu bestimmten Aussagen, sondern auch die Güte der Veranstaltung mit einer grünen oder roten Karte zu dokumentieren. Bei der entsprechenden Frage wurden überwiegend grüne Karten gezeigt.


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