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Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe Werft will Streik bei Meyer Turku schnell beenden

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Auf der Werft Meyer Turku sind fast 1000 Beschäftigte in einen Streik getreten. Foto: Tui Cruises/ ArchivAuf der Werft Meyer Turku sind fast 1000 Beschäftigte in einen Streik getreten. Foto: Tui Cruises/ Archiv

Papenburg/Turku. Die Papenburger Meyer Werft geht davon aus, dass der Streik bei ihrem finnischen Tochterunternehmen Meyer Turku schnell beendet wird. Arbeitnehmervertreter vor Ort berichten derweil schwerwiegenden Missständen durch Personalmanagement und Vorarbeiter. Kritik gibt es auch von der IG Metall Leer-Papenburg.

Wie Paul Bloem, unter anderem verantwortlich für die Unternehmenskommunikation, am Freitag am Rande eines Pressetermins im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte, hat „Ärger mit bestimmten Vorgesetzten“ zu der seit Donnerstag andauernden Arbeitsniederlegung geführt. „Wir nehmen das sehr ernst und werden das klären“, versicherte Bloem. Jan Meyer, Geschäftsführer von Meyer Turku und Sohn des Papenburger Werftchefs Bernard Meyer, habe den Gesprächsfaden bereits aufgenommen. Bloem zeigte sich zuversichtlich, dass der Streik rasch beendet wird.

Er betonte, dass der Anlass in Deutschland nicht gleich zu einem Streik geführt hätte. „Wenn es hier derartige Probleme gibt, regelt das der Betriebsrat intern mit der Unternehmensleitung“, erklärte Bloem.

Wie berichtet, waren am Donnerstag knapp 1000 der insgesamt rund 1500 Beschäftigten bei Meyer Turku in einen Streik getreten, um gegen ihre Arbeitsbedingungen zu protestieren. Gewerkschaftsvertreter warfen der Unternehmensleitung in finnischen Medien „Schikane“ und eine „schädliche Arbeitsatmosphäre“ vor. Der Ausstand wurde den Berichten zufolge einstimmig bei einer Versammlung der Beschäftigten beschlossen und soll bis zum Wochenende andauern. Einige Arbeiter des Kreuzfahrtschiffbauers seien bedroht worden und die „Grenze des Tolerierbaren ist überschritten“, sagte Arbeitnehmervertreter Juha Jormanainen dem TV-Sender YLE.

In einer E-Mail an die IG Metall, die unserer Redaktion vorliegt, berichtet ein Vertreter der finnischen Industriegewerkschaft vom größten Streik der Werft in Turku seit fünf Jahren. Nach seinen Worten hat sich die Situation über einen längeren Zeitraum verschlechtert, Gespräche der Arbeitnehmervertreter, daran etwas zu ändern, seien erfolglos geblieben. Der Gewerkschafter spricht davon, dass Personalmanagement und Vorarbeiter seien in Teilen „grausam“ und „unhöflich“ sowie von Methoden, die weder an finnischen, noch an deutschen Arbeitsplätzen üblich seien. Mit dem anderthalbtägigen Streik sei die Hoffnung verbunden, „das Niveau des Managements auf der Werft zu verbessern“, damit der Schiffbau in guter Atmosphäre weitergehen könne.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Leer-Papenburg, Thomas Gelder, zeigte sich davon überrascht, dass anders als im Ringen um höhere Löhne wie bei Tarifrunden üblich, nicht wegen mehr Entgelt, sondern wegen Arbeitsbedingungen gestreikt würde. „Dann muss schon Einiges im Argen liegen“, meinte Gelder. Diese Art des Streiks kenne man in Europa so nicht.

Die Meyer Werft war 2014 in den finnischen Markt eingestiegen und hatte den Mitbewerber STX Finnland in Turku übernommen. Bereits 2015 und damit gut ein Jahr nach der vollständigen Übernahme durch Papenburg hatte der finnische Schiffbaustandort erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Geschäftsjahr 2016 schloss Meyer Turku nach eigenen Angaben mit einer Gewinnsteigerung um 67 Prozent ab. Zuletzt hatten die finnischen Schiffbauer den Ozeanriesen „Mein Schiff 6“ vor der Elbphilharmonie feierlich an die Hamburger Reederei Tui Cruises übergeben.


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