Masterplan Ems 2050 Auswirkungen der Tidesteuerung werden diskutiert

Die Delegation mit Vertretern aus zehn EU-Ländern war am Freitag unter anderem auf der Meyer Werft zu Gast, wo sie von Werftchef Bernard Meyer empfangen wurde. Foto: Christoph AssiesDie Delegation mit Vertretern aus zehn EU-Ländern war am Freitag unter anderem auf der Meyer Werft zu Gast, wo sie von Werftchef Bernard Meyer empfangen wurde. Foto: Christoph Assies

Papenburg. In einer Arbeitsgruppe werden derzeit mit Vertretern der Hafenwirtschaft die Auswirkungen der geplanten Tidesteuerung auf die Schifffahrt auf der Ems diskutiert. Erste Ergebnisse sollen im Sommer vorgestellt werden.

Das erklärte der Leeraner Landrat Matthias Groote (SPD) im Gespräch mit unserer Redaktion am Rande eines Informationsbesuchs von Mitgliedern der Fachkommission für Umwelt, Klimawandel und Energie (ENVE) des Europäischen Ausschusses der Regionen zum Masterplan Ems 2050 auf der Papenburger Meyer Werft.

Aus zehn verschiedenen EU-Ländern kamen die Vertreter auf Einladung der niedersächsischen Staatssekretärin für Europa und regionale Landesentwicklung Birgit Honé in die Region, um sich über den Masterplan Ems zu informieren.

Den Ausschuss der Regionen gibt es seit dem Jahr 1993. Er ist ein Beratungsgremium, das sich selbst als Versammlung der Regional- und Kommunalvertreter der Europäischen Union bezeichnet. Mit dem Maastrichter Vertrag geschaffen, soll er die Organe der EU und die europäischen Regionen durch einen direkten Draht verbinden. Ein Mitentscheidungsrecht bei Gesetzgebungsverfahren hat das Gremium aber nicht.

Der Informationsbesuch zum Masterplan Ems 2050 kam auf Anregung von Honé zustande. Der Schwerpunkt lag nach Angaben der Landesregierung auf neuen Wegen einer besseren Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsebenen und der einvernehmlichen Kooperation zwischen Interessengruppen.

Tidesteuerung soll 2020 beginnen

Der 2015 vereinbarte Masterplan Ems soll den angeschlagenen Fluss ökologisch verbessern und zugleich die Arbeitsplätze auf der Meyer Werft und bei Zulieferern sichern. Mit den Toren des Emssperrwerks soll voraussichtlich ab 2020 die Tide so beeinflusst werden, dass der Ebbstrom mehr Sediment aus der Ems herausbefördert, als der derzeit dominierende Flutstrom in den Fluss hineintransportiert. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Schifffahrt sollten dabei minimiert werden, betonte Honé. „Mit Vertretern der Wirtschaft, der Umweltverbände und der Kommunalpolitik besteht eine sehr gute Atmosphäre. Wir reden über alles“, so die Staatssekretärin.

Im Maritimen Kompetenzzentrum in Leer hob Honé hervor, es sei ein langer Weg zur Unterzeichnung gewesen, es habe Konflikte gegeben, aber es sei beispielhaft, was mit dem Masterplan geschaffen worden sei. „Wir haben einen sehr guten und intensiven Austausch gehabt und es ist einfach etwas anderes, wenn man nicht nur in der Theorie über die Maßnahmen redet, sondern vor Ort auch mit den Akteuren reden kann“, so Honé im Gespräch mit unserer Redaktion. Derzeit liege der Schwerpunkt auf den Vorarbeiten zur flexiblen Tidesteuerung durch das Emssperrwerk bei Gandersum. „Ich hätte mir nicht zu träumen gewagt, dass wir die erste konkrete Maßnahme so schnell verabschieden“, so Honé.

Der Leeraner Landrat Matthias Groote (SPD) bezeichnete den Masterplan als „best-practise-Beispiel dafür, dass man solche Dinge nicht mit der Brechstange durchsetzen kann, sondern im Konsens und in Diskussionen mit allen Beteiligten.“

Es werden Lösungen aufgezeigt

Mit den Umweltverbänden ist Groote nach eigenen Angaben auch abseits der Öffentlichkeit in Gesprächen. „Es ist lösungsorientiert und wir reden nicht mehr übereinander, sondern miteinander.“ Das Diskussionsklima sei wesentlich besser. „Und das ist auch mein Ziel, hier zu moderieren und gemeinsam Lösungen zu finden“, so Groote. Die Delegationsteilnehmer könnten durch den Besuch viele positive Beispiele mitnehmen, wie langschwelende Konflikte beendet werden könnten. Es sei immer so, dass es Umweltauswirkungen gebe, wenn Industrie sich entwickle, so der Leeraner Landrat. „Hier zeigen wir nun aber Lösungen“, so Groote.

Wie aus einer Pressemitteilung der Niedersächischen Staatskanzlei hervorgeht, hat Honé aus dem Kreis der Teilnehmer „ein durchweg positives Echo erreicht“. Der Masterplan sei mehrfach als „Blaupause“ dafür gewürdigt worden, wie Konflikte zwischen Ökonomie und Ökologie befriedet werden könnten.


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