Stützpfeiler müssen saniert werden Papenburger Hallenbad wird ab Dienstag geschlossen

Wieder Baustelle wird das Papenburger Hallenbad: Es bleibt ab Dienstag, 4. April 2017, vorerst geschlossen. Foto: Kristina Müller/ArchivWieder Baustelle wird das Papenburger Hallenbad: Es bleibt ab Dienstag, 4. April 2017, vorerst geschlossen. Foto: Kristina Müller/Archiv

Papenburg. Das Papenburger Hallenbad wird ab Dienstag, 4. April 2017, geschlossen. Laut Stadtverwaltung müssen die Stützpfeiler des Bades sofort saniert werden. Die Dauer der Schließung ist ungewiss.

Die Stadt reagiert damit nach Angaben der Verwaltung auf eine bauaufsichtliche Prüfung am Montag. Von der Schließung betroffen sind vor allem das Schul- und Vereinsschwimmen sowie die Angebote des Hallenbades in den Osterferien. Stadtbaurat Jürgen Rautenberg verwies aber auf den dringenden Handlungsbedarf. „Das Bad kann dann wieder öffnen, wenn die Sanierung erfolgt ist“, erklärte Rautenberg in einer erst am späten Montagnachmittag verbreiteten Pressemitteilung. Vorherige Anfragen unserer Redaktion zur Schließung waren sowohl seitens von Stadtsprecher Heiko Abbas als auch von Badbetreiber Norbert Averdung abgeblockt worden. Stattdessen wurde jeweils lapidar auf die Mitteilung aus dem Rathaus verwiesen.

Derzufolge war eine Sanierung der Stützpfeiler während der Hallenbad-Sommerpause zur Freibadsaison vorgesehen. „Diese Sanierung werden wir nun so schnell es geht vorziehen“, ergänzt Averdung laut Mitteilung. Der Geschäftsführer der Aqua Park GmbH betreibt das einst städtische Hallenbad in der Russellstraße seit 2005.

Averdung zufolge war vom von der Stadt beauftragten externen Gutachterbüro im vergangenen Herbst bereits gefordert worden, dass die Stützpfeiler nochmals untersucht werden müssten. „Im Sommer wollten wir die Pfeiler im Rahmen eines umfassenden Konzeptes ertüchtigten“, erklärt Averdung weiter. Dazu sei eigens mit der Stadt Papenburg beschlossen worden, die nötigen Mittel im Rahmen eines Grundstückskaufvertrages für Teile des Freibadgrundstückes zu erhalten. Bereits vor Monaten hätten sich die Vertragspartner auf diese Vorgehensweise geeinigt und auch das positive Votum der politischen Gremien dafür erhalten. „Der Zeitplan muss nun vorgezogen werden, nachdem wir einen ernsten Hinweis eines externen Gutachters nun erhalten und umgehend überprüft haben“, erklärt Rautenberg. „Wir sind aber überzeugt, dass das Bad nach der Stützpfeilersanierung wieder wie gewohnt seinen Betrieb aufnehmen kann“, betont Averdung.

Wie lange die Sperrung des Bades nun genau dauert, kann nach Angaben der Beteiligten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. „Wir müssen nun so schnell es geht das Sanierungskonzept abschließen und die Ertüchtigung der Pfeiler in Angriff nehmen“, sagt Averdung. Im Sommer stehe ohnehin die Freibadsaison bevor. „Wir bedauern diesen Schritt natürlich. Aber die Sicherheit geht immer vor“, so Averdung.

Das im vergangenen Jahr im Auftrag der Stadtverwaltung erstellte externe Gutachten hatte dem Bad trotz millionenschwerer Instandsetzung durch die Betreiber weiterhin akuten Sanierungsbedarf bescheinigt. Zu diesem Schluss kamen von der Stadtverwaltung beauftragte Gutachter. Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Expertise in der Sitzung des Sportausschusses im Dezember 2016 hatte Stefan Beckert von der Ingenieur-Gesellschaft Constrata aus Bielefeld, einem Unternehmen mit dem Schwerpunkt Bäderbau, drei Bereiche nach ganz oben auf die nach gutachterlicher Auffassung kurzfristig abzuarbeitende Prioritätenliste gesetzt: eine Instandsetzung der Beton-Stützpfeiler, eine Überprüfung der womöglich im wahrsten Sinne des Wortes abgängigen Waschbetonplatten an der Außenfassade sowie die Erstellung eines Brandschutzgutachtens, das bisher gänzlich fehlt. Bürgermeister Jan Bechtluft (CDU) hatte die Gesamtkosten für die drei Maßnahmen in der Sitzung auf rund 210.000 Euro beziffert – 50.000 Euro für die tragenden Pfeiler, 60.000 Euro für die Außenfassade und 100.000 Euro für das Brandschutzkonzept.

„Kurzfristig bedeutet: eine Umsetzung innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre“, hatte Beckert damals erklärt. Als den wesentlichsten Mangel nannte er bereits den Zustand der Stützpfeiler rund um den Beckenbereich. Dadurch sei die Tragfähigkeit des Bades eingeschränkt. Dem widersprachen die Badbetreiber Norbert und Jan Averdung dahingehend, dass sich die Stützlast durch die im Zuge der jüngsten Sanierungsmaßnahmen in Eigenregie energetische Sanierung des Daches um 90 Prozent verringert habe. Die Betreiber haben nach eigenen Angaben zuletzt 1,3 Millionen Euro in das Hallenbad investiert. Dazu gehörte unter anderem die Kompletterneuerung der Umkleiden und Sanitäranlagen. Mitte Oktober 2016 war es wiedereröffnet worden.

(Weiterlesen: Papenburger Hallenbad nach Umbau wiedereröffnet)

Der Investition war ein Streit zwischen den Betreibern und der Stadt vorausgegangen. Die Betreiber hatten in diesem Zusammenhang einen 300.000-Euro-Zuschuss beantragt.

Bechtluft hatte in den vergangenen Jahren keinen Hehl daraus gemacht, dass es ohne die Privatisierung heute keine Bäder mehr in Papenburg geben würde. Die Stadt hatte der Aqua Park GmbH das Hallen- und das Freibad im Jahr 2005 für 1,5 Millionen Euro übereignet. Grund waren die durch den Betrieb entstandenen Defizite in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.

Aber auch der jährliche Betriebskostenzuschuss aus der Stadtkasse belastet den ohnehin angespannten Papenburger Haushalt. Im Juli 2015 hatte der Rat den Zuschuss um fast 150.000 Euro auf 500.000 Euro erhöht . Der Anstieg ist Teil einer sogenannten Preisgleitklausel im Vertrag zwischen Stadt und Aqua Park. Sie hätte spätestens ab 2016 ohnehin gegriffen. Die Vertragspartner waren vor dem Ratsbeschluss unterschiedlicher Auffassung darüber gewesen, ob sie nicht schon für dieses Jahr gilt. Die Aqua Park GmbH hatte von der Entscheidung zwischenzeitlich ihre Investitionsbereitschaft abhängig gemacht. Um den Zuschuss und den Sanierungsbedarf war zwischenzeitlich eine heftige politische Debatte entbrannt. Im Verlauf der Diskussion hatte die CDU eine Zusammenlegung von Hallen- und Freibad beim Waldstadion vorgeschlagen.


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