Zahl der Sozialwohnungen rückläufig Günstiger Wohnraum wird im Emsland immer knapper

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nicht nur im Landkreis Emsland, überall in Niedersachsen und dem Bundesgebiet ist die Zahl von Sozialwohnungen und damit günstigen Wohnraums rückläufig. Das Bild zeigt einen Wohnblock in Papenburg. Foto: Christoph AssiesNicht nur im Landkreis Emsland, überall in Niedersachsen und dem Bundesgebiet ist die Zahl von Sozialwohnungen und damit günstigen Wohnraums rückläufig. Das Bild zeigt einen Wohnblock in Papenburg. Foto: Christoph Assies

Papenburg/Meppen. Die Zahl der Sozialwohnungen im Landkreis Emsland ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen und wird sich bis Ende 2018 weiter deutlich reduzieren. Die exakten Zahlen haben der Landkreis und die Städte Lingen, Meppen und Papenburg auf Anfrage mitgeteilt.

Demnach gibt es aktuell im Emsland (ohne die Städte Lingen, Meppen und Papenburg) insgesamt 2.051 Wohnungen, die vom Land Niedersachsen finanziell gefördert worden sind oder mit einer sogenannten „Wohnungsbindung“ belegt sind. Die Anzahl verringert sich jährlich, abhängig von der jeweiligen Bindungsdauer und der Bezugsfertigkeit. Die Laufzeiten der Zweckbindung werden vom Land Niedersachsen im jeweiligen Förderprogramm festgelegt. „Für unsere Bestandsfälle beträgt die Belegungsbindung in der Regel 25 Jahre. Nach dem aktuellen Wohnraumförderprogramm beträgt die Belegungsbindung 20 Jahre“, teilt die Kreissprecherin mit. Die Bindung endet im Regelfall mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem das Darlehen vollständig zurückgezahlt worden ist.

Weil im Emsland mehr Wohnungen aus diesem Förderzeitraum herausfallen, als neue entstehen, reduziert sich nach Angaben des Landkreises Ende 2017 die Zahl der Sozialwohnungen auf insgesamt 1.980. Ein weiteres Jahr später wird es nur noch 1.633 Wohnungen mit einer Belegungsbindung geben.

Bundesweiter Rückgang um 42.000 Wohnunen in 15 Jahren

Nicht nur im Emsland, in ganz Niedersachsen und dem Bundesgebiet geht die Zahl der Sozialwohnungen zurück. Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft hat im Februar berichtet, dass bundesweit zwischen 2000 und 2015 insgesamt 42.000 Wohneinheiten aus der Bindung gefallen sind, ohne das es Ersatz durch einen Neubau gab.

Weiterlesen: Zahl der Sozialwohnungen in Niedersachsen immer geringer>>

Die Grafik zeigt deutlich, wie sich die Zahl geförderter Wohnungen, die aus der Zwangsbindung fallen, im Landkreis Emsland bis Ende 2018 weiter reduzieren wird. Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Die niedersächsische Landesregierung hat daher neue Förderprogramme aufgelegt und in einigen Gebieten eine Mietpreisbremse eingeführt. Grund für den Rückgang dürfte auch das niedrige Zinsniveau sein, das die Nachfrage nach Eigentumswohnungen stark erhöht hat. Deshalb bauen Investoren lieber Mehrfamilienhäuser mit Eigentums- statt mit Mietwohnungen.

Tendenz auch in den Städten rückläufig

In den Zahlen des Landkreises nicht enthalten sind die Entwicklungen in den Städten Lingen, Meppen und Papenburg, da dort die Wohnraumförderung in eigener Zuständigkeit erfolgt. In der Kreisstadt Meppen gibt es nach Angaben der Stadtsprecherin Petra Augustin aktuell 245 Sozialwohnungen mit einer Zweckbindung und Bezug nur mit einem Wohnberechtigungsschein (WBS). „Die 10-jährige Bindungsfrist läuft demnächst in vielen Fällen aus, so dass die Anzahl der Sozialwohnungen deutlich zurückgehen wird“, teilte sie weiter mit. Für die Jahre 2017 und 2018 geht die Kommune allerdings noch von gleichbleibenden Zahlen aus. Ab 2019 werde es dann einen starken Einbruch geben, der sich in den Folgejahren fortsetzen wird in Meppen, heißt es.

Weiterlesen: Was mit der Mietpreisbremse in Niedersachsen anders wird>>

Im Stadtgebiet von Lingen gab es nach Angaben einer Sprecherin zum Zeitpunkt 31. Dezember 2016 insgesamt 227 Wohnungen, die vom Land finanziell gefördert wurden. „Die Anzahl verringert sich jährlich, abhängig von der jeweiligen Bindungsdauer und der Bezugsfertigkeit“, erklärt die Sprecherin. Ende 2017 werden es insgesamt 97 und Ende 2018 werden es 84 Wohnungen mit Zweckbindung sein.

Im Bereich der Stadt Papenburg gab es nach Angaben von Stadtsprecher Heiko Abbas zum Stichtag 31. Dezember 2016 insgesamt 433 geförderte Wohnungen, die mit einer Wohnungsbindung belegt sind. „Die Anzahl wird sich bis Ende 2018 auf 285 Wohnungen verringern“, erklärt der Sprecher.

Insgesamt ergibt sich emslandweit zum Stichtag 31. Dezember 2016 eine Gesamtzahl von 2956 Sozialwohnungen. Ende 2018 werden es dann nur noch 2247 sein.

Wenig neue Wohnberechtigungsscheine ausgestellt

Dass im Emsland immer weniger neue Sozialwohnungen gebaut werden, verdeutlicht auch die Zahl der WBS, die von den Behörden in den vergangenen Jahren ausgestellt wurden. Der WBS berechtigt Mieter, eine geförderte Wohnung zu beziehen, sofern bestimmte Nettoeinkommensgrenzen nicht überschritten werden.

Im Jahr 2016 wurden vom Landkreis Emsland 95 WBS ausgestellt, im Jahr 2015 waren es mit 96 fast genauso viele, im Jahr 2014 wurden 117 WBS neu ausgestellt. Im Zeitraum 2000 bis 2016 wurden nach Angaben der Kreissprecherin insgesamt 2.775 WBS ausgestellt.

Weiterlesen: Einkommenschwache im Emsland finden immer schwerer Wohnungen>>

Auch in Lingen stagniert die Zahl neu ausgestellter Scheine auf niedrigem Niveau (2016: 37, 2015: 31, 2014: 26).

In Papenburg wurden im vergangenen Jahr 59 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt, im Jahr 2015 waren es 55, 2014 insgesamt 67.

In der Stadt Meppen werden die Daten aufgrund des geringen Aufkommens im Bereich WBS nicht eigenständig erfasst, teilte Sprecherin Augustin mit. Anhand von Kassenbelegen könne man zumindest nachvollziehen, wie viele gebührenpflichtige Scheine ausgestellt wurden: 2014 acht, 2015 sechs und 2016 vier. Gebührenfreie, zum Beispiel für ALGII-Empfänger, könte man im Schnitt etwa sechs pro Jahr hinzu addieren.

Weiterlesen: Land will Direktzuschüsse für sozialen Wohnungsbau >>


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN