Niederlassung der Uni Groningen Papenburg jetzt offiziell Hochschulstandort


Papenburg. Papenburg ist jetzt auch offiziell Hochschulstandort. Mehr als drei Jahre nach Einrichtung einer Außenstelle der niederländischen Universität Groningen in der Fehnstadt fand am Freitag die Gründungsfeier der University of Groningen North West Germany (UGNWG) statt.

Rein äußerlich ist die Papenburger Dependance, eine hundertprozentige Tochter der Rijksuniversität Groningen (RUG), bisher nicht mehr als ein unscheinbares Büro auf dem Gelände des Marien-Hospitals. Dass es vielmehr auf die inhaltliche Arbeit ankommt, machten Initiator und UGNWG-Direktor Harald Orfgen sowie weitere Redner, darunter der Präsident der Rijksuniversität Groningen, Prof. Dr. Sibrand Poppema, während der Gründungsfeier in der Volkshochschule deutlich. Zu den Zielen zählt demnach eine wissenschaftliche Vernetzung mit der Region mit dem Bestreben, dauerhaft top ausgebildete Fachkräfte aller Fachrichtungen für Papenburg und Umgebung zu gewinnen.

„Ein Geschenk ist nur ein Geschenk, wenn es gewünscht wird“, sagte Poppema. Und dass dem in diesem Fall so ist, hätten die vergangenen drei Jahre gezeigt. Im September 2013 hatte Poppema den Beschluss für eine Niederlassung gemeinsam mit Orfgen, den Bürgermeistern Jan Peter Bechtluft (Papenburg und Hermann Wocken (Samtgemeinde Dörpen) sowie Krankenhausgeschäftsführer Matthias Bitter gefasst. Für die Hochschule sei es ganz wichtig, dass die Region eher nach Groningen als beispielsweise nach Göttingen blickt, betonte Poppema. Nun müsse der neue Standort, der unter anderem bereits an einem Integrationsprojekt zwischen der Bundeswehr und dem niederländischen Militär mitgewirkt hat, in den kommenden Jahren organisch wachsen.

Orfgen, Wocken und Bechtluft gaben Einblicke in die bisherige Arbeit. Einen Schwerpunkt bildeten demnach bislang Praktika von Medizinstudenten im Marien-Hospital sowie im Medizinischen Versorgungszentrum Dörpen. Im Rahmen der Gründungsfeier ehrte Krankenhausgeschäftsführer Bitter die Studenten Nr. 96 bis 100 dieses Projekts. Ziel hierbei ist es, Medizinern, die ihr Studium in Groningen erfolgreich abgeschlossen haben, für eine ärztliche Tätigkeit in der Region zu gewinnen. Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung sei eine der zentralen Herausforderungen, betonte Wocken.

Der Samtgemeindebürgermeister sprach von einem bedeutenden Tag für die Region. „Wann hat es das schon mal gegeben, dass eine Universität von Weltrang eine Nebenstelle im Emsland eröffnet?“ Die RUG zählt nach der Academic Ranking of World Universities 2016, der sogenannten Schanghai-Liste, zu den weltweit 100 besten Hochschulen. Nach Wockens Auffassung ist noch gar nicht absehbar, welches Potenzial für die Region aus der Niederlassung erwachsen könne. Als ein weiteres konkretes Arbeitsfeld nannte er die Pläne für ein Geothermiekraftwerk im Green-Energy-Park Heede/Dersum an der A 31. Auch in Forschungen für eine umweltfreundlichere Schifffahrt (Green Shipping) ist die Niederlassung bereits involviert. Es sei absolut richtig gewesen, einfach angefangen zu sein und nicht zaudernd auf Fördergelder gehofft und sich auch nicht mit Bedenkenträgern auseinandergesetzt zu haben, betonte Wocken.

Sein Papenburger Amtskollege Bechtluft rückte den europäischen Gedanken der Zusammenarbeit in den Blick. Das sei ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der Rückwärtsgewandte und Extreme zunehmend Gehör fänden. Auf die Region bezogen, trage die Niederlassung zu einer Verstetigung der Strukturen bei, die sich in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit beispielsweise durch die Ems-Dollart-Region und die Wachstumsregion Ems-Achse herausgebildet hätten. Die UGNWG sei eine passgenaue Antwort auf die Frage, wie sich die Ausbildung und Gewinnung von Fachkräften auf eine noch breitere Basis stellen lässt, so Bechtluft.

„Wir haben schon eine ganze Menge erreicht und werden auch weiterhin etwas für die Wertschöpfung der Region tun“, betonte Orfgen. Dabei spiele die Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft, den Behörden und der Gesellschaft eine Rolle.


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