Uni eröffnet Lernort in Schule Grammofon trifft auf I-Phone in Papenburg

Von Jürgen Eden


Papenburg. Der Papenburger Rudi Evers und die Universität Oldenburg sind davon überzeugt, dass sich Kinder und Jugendliche auch von älterer Technik begeistern lassen. Unter anderem mit Grammofon und Plattenspielern haben sie eine Ausstellung konzipiert, in die die Oberschüler der Michaelschule in den kommenden vier Wochen eintauchen können.

„So schön, schön war die Zeit“: Einen besseren Titel hätten die Organisatoren zum Ausstellungsauftakt nicht wählen können, als sie eine alte Schallplatte von Freddy Quinn auflegten. Auch wenn ein leichtes Knistern zu vernehmen war, um so voluminöser hallten die Klänge durch das Forum. „Je einfacher die Technik, umso begreifbarer wird sie“, kommentierte Manfred Hermanns, Dozent für die Techniklehrerausbildung an der Universität Oldenburg, diesen Moment.

Dann berichtete er von den Anfängen der Ausstellung, in der sozusagen das Grammofon auf das iPhone trifft. So sei er mit dem Papenburger Radiosammler Rudi Evers vor etwa neun Monaten im Deutschen Technikmuseum in München gewesen. Dort wurde die Idee geboren, mit Studenten eine Ausstellung methodisch und didaktisch so zu konzipieren, dass die komplexen Inhalte für Haupt- und Realschüler leicht zu begreifen sind. Das Ergebnis: eine postergeführte Ausstellung mit Experimentiermöglichkeiten, aber auch mit Exponaten aus Evers’ privatem Radiomuseum.

Dazu bekommt jeder Schüler ein von Studenten entwickeltes Forscherheft an die Hand, mit dem er eine Reihe an Fragen beantworten muss. „Ziel ist es, mit diesem Heft das Thema Grammofone zu erschließen, weil wohl kein Kind so etwas vor dem Besuch der Ausstellung gesehen hat“, so Hermanns weiter. Aber es gehe auch darum, die Kinder auf eine Zeitreise durch die Technikgeschichte mitzunehmen.

Das private Radiomuseum von Evers in Papenburg ist schon seit rund sechs Jahren eine wichtige Anlaufstelle für die Oldenburger Technikstudenten. Meistens nutzen sie das Wintersemester für längere Exkursionen durch die Räume mit über 3000 Radios, Schallplattenspielern und Grammofonen.

„Der fachliche Austausch ist für beide Seiten bereichernd“, sagt Evers über die Kooperation. Denn eigentlich, so verriet er am Rande der Ausstellungseröffnung, wäre er am liebsten Techniker geworden. Doch mangels Ausbildungsplätzen rieten ihm seine Eltern, das Malerhandwerk zu erlernen. Doch immerhin gelang es ihm, in der Freizeit seiner Leidenschaft nachzugehen.

Sein Enthusiasmus begeistert offenbar die Studenten, denn sie berichteten, dass Evers’ Fundus in diesem Umfang in Deutschland nahezu einmalig sei. Dabei wurden auch Rufe laut, die Ausstellung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Evers kündigte indes an, in naher Zukunft mit der Universität eine kleine Versuchswerkstatt zu errichten. Dort sollen Schüler dann auch mal löten oder messen dürfen, um mehr über die Grundlagen des Handwerks zu erfahren.

Auch Schulleiter Thomas Springub sieht in der Ausstellung eine Bereicherung für den Unterricht, speziell für den Profilkurs Technik. „Ich finde, wenn man einfach mal so bei Whatsapp eine Sprachnachricht verschickt, dann sollte man sich auch mal Gedanken darüber machen, wie denn wohl die Ursprünge waren. Das Stichwort lautet begreifen, es geht daher um Handlungsorientierung im Unterricht“, erklärte Springub. Die Ausstellung behandele ein Stück Technikgeschichte. Aber man könne auch Rückschlüsse ziehen, wie die Technik heute funktioniere.