Naturwissenschaften begreifbar machen Gymnasium Papenburg nimmt Schülerlabor in Betrieb

Von Jürgen Eden


Papenburg. Mathematik, Informationstechnologie, Naturwissenschaft und Technik (MINT) begreifbar machen: Das ist eines der zentralen Ziele beim Lernen und Erforschen im neuen Schülerlabor des Gymnasiums Papenburg.

Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sowie die SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Johanne Modder und Landrat Reinhard Winter (CDU) nahmen am Donnerstag mit weiteren rund 150 Ehrengästen an der offiziellen Freigabe in der Schule teil.

Insgesamt sieben Labore gibt es für unterschiedliche Fächer am Gymnasium. Doch das rund 160.000 Euro teure Schülerlabor ist etwas ganz Besonderes. Hier können sich die angehenden Abiturienten in Profilklassen oder durch die Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben erproben. Auch den Schülern anderer Institutionen sollen die Räume offen stehen.

Der Landkreis Emsland gab nach Worten von Landrat Winter sehr früh grünes Licht für eine anteilige Finanzierung des Vorhabens, allerdings unter der Prämisse, dass sich das Gymnasium mit der Schulstiftung und dem Förderverein Spender und Förderer suche, um die anderen 50 Prozent zu erlangen. Mit dabei ist auch die Wilhelm-und-Else-Heraeus-Stiftung, deren Ziel die Nachwuchsförderung in den Naturwissenschaften ist.

Heiligenstadt machte deutlich, dass man mit diesem Projekt dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich entgegensteuern wolle. Sie äußerte die Hoffnung, dass sich künftig verstärkt auch Mädchen diesen Themen widmen. Dabei warf sie einen Blick in das neue Schülerlabor: In einem abgesperrten Bereich des Klassenraums drehten kleine selbstfahrende Roboter ihre Runden. Programmiert worden waren sie von den Schülerinnen Imke Claußen und Fiene Goldenstein. Gleich nebenan zeigten zwei Mitschüler kleine Modellflugzeuge, die sie selbst konstruiert hatten und deren Komponenten sie mit einem 3-D-Drucker herstellten.

Mehr als Formeln-Lernen

Landtagspräsident Busemann, der als einer der ersten Schüler im Jahr 1963 die Schulbank in dem damals neuen Gebäude drückte, räumte ein, dass es nicht die Fächer Physik und Chemie gewesen seien, die ihm zum Abitur verhalfen. Aber er machte deutlich, dass man junge Menschen mit dem Labor stärker für die naturwissenschaftlichen Inhalte begeistern könne, als nur durch standardisierte Experimente und das Lernen von Formeln.

„Genau darum geht es“, betonte Schulleiter Norbert Lamkemeyer. „Wir wollen die physikalischen Ausbildungsmöglichkeiten an der Schule und in der Region deutlich verbessern. Die Inhalte der sogenannten MINT-Fächer sollen begreifbar werden“, sagte Lamkemeyer.

Mit der neuen Einrichtung steigere auch die Lernbegeisterung. Nach seiner Einschätzung steht die Gesellschaft und damit auch die Schüler unter enormem Handlungsdruck. Denn bis zum Jahr 2025 werde landesweit rund die Hälfte aller Lehrer der Naturwissenschaften in den Ruhestand gehen. Unterstützung erhielt Lamkemeyer in diesem Zusammenhang von Lambert Kruse, Geschäftsführer der Meyer Werft. Nach seinen Worten zählt Deutschland zu einem Hochlohnland. Neue Frachtschiffe würden heute in China hergestellt. Deutschland und auch die Meyer Werft setzten auf Spezialisierung, beispielsweise auf den Bau von Forschungsschiffen und auf „schwimmende Städte“, also Kreuzfahrtriesen. „Dazu ist hohes Ingenieurswissen erforderlich“, sagte Kruse. Auch alternative Antriebe werden in Papenburg von eigenen Fachkräften entwickelt.

Das Gymnasium will die Entwicklung des Unterrichts weiter vorantreiben. Ziel ist es, ein Schülerforschungszentrum zu eröffnen. Dazu sind allerdings noch höhere Ansprüche an Ausstattung und Personal gegeben. Mit Blick auf die Ausstattung sagte Professor Dr. Joachim Treusch, Vorsitzender der Heraeus-Stiftung, bereits zu, auch weiterhin zu fördern. Heiligenstadt versprach, dass man einen Antrag auf zusätzliches Personal wohlwollend prüfen werde.