Nach Aufstieg verschollen Wetterballon kehrt an Aschendorfer Schule zurück


Aschendorf. Aufgestiegen in den Himmel, dann für immer verloren geglaubt und am Ende von Urlaubern zwischen Ostsee-Felsen geborgen: Das ist die Geschichte eines Wetterballons, der von Schülern der Heinrich-Middendorf-Oberschule (HMO) im September in die Stratosphäre geschickt wurde. Das Projektergebnis wurde nun präsentiert.

„Es war ein schöner Spätsommertag und wir hatten gehofft, dass die Wettergötter uns wohl gesonnen sind“, erinnert sich Schulleiter Claus Huth im Gespräch mit unserer Redaktion an den letzten Schultag vor den Herbstferien im September letzten Jahres. Denn was an diesem Tag vom Gelände der HMO in den Himmel steigen sollte, war das Ergebnis monatelanger Arbeit. Die Schülerinnen und Schüler des Physik-Wahlpflichtkurses hatten unter Anleitung ihrer Lehrerinnen Natascha Griep und Ina Hiller den Start eines Wetterballons, ausgestattet mit zwei Kameras und einem GPS-Tracker, seit Mai 2016 vorbereitet.

„Laut den Berechnungen eines Wetterprogramms sollte der Ballon eigentlich zwischen Hamburg und Lübeck wieder landen“, so Ina Hiller im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei wird die Sonde von einem Heliumballon in die Stratosphäre transportiert. Der Ballon platzt laut Angaben der Gesellschaft „Stratoflights“, mit der das Schulprojekt durchgeführt wurde, in einer Höhe von rund 35.000 Metern. Grund ist das sich aufgrund des in zunehmender Höhe abnehmenden Luftdrucks ausbreitende Gas Helium, das den Ballon schließlich zum Platzen bringt. Mit einem Fallschirm gleitet die Sonde anschließend wieder gen Erdboden.

Am Anfang lief auch alles nach Plan. Der Ballon trieb immer höher und immer weiter - leider aber ein wenig zu weit, wie sich schon wenige Stunden später herausstellte. Die Lehrerinnen und ein Teil der Schülerinnen und Schüler hatten sich bereits in einem Taxibus auf den Weg gemacht, um die Sonde nach weit mehr als zwei Stunden Flugzeit wieder einzusammeln, und waren schon bei Bremen, als sie nach dem ersten GPS-Signal der Sonde enttäuscht wieder umdrehen mussten. „Da meldet der GPS-Tracker bereits eine Position über der Ostsee“, erklärt Natascha Griep. Zwei Minuten später brach der Kontakt zur Sonde ab, denn der GPS-Tracker wurde durch die Landung im Salzwasser beschädigt. „Eigentlich hatten wir den Ballon danach abgeschrieben“, gesteht Huth.

Doch man hatte die Rechnung ohne die Familie Neuber aus Wunsdorf gemacht. Denn die Neubers verbrachten ihren Urlaub an der Ostsee und wollten eigentlich Bernstein sammeln, wie Hiller berichtet. Dabei fanden sie am Strand der 1000-Einwohner-Gemeinde Hohenfelde den verloren geglaubten Wetterballon, der wohl in der Nähe der Insel Fehmarn erstmals Kontakt mit dem kühlen Nass hatte. Sechs Tage lang trieb er dann auf der Ostsee. „Die Finder mussten die Box vom Fallschirm losschneiden, weil dieser sich in den Klippen verheddert hatte“, so Hiller.

Dank eines am Ballon angebrachten einlaminierten Zettels, auf dem eine Telefonnummer notiert war, konnten sich die Neubers mit den Aschendorfern in Verbindung setzen. „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir trotz der Landung im Wasser noch alle Daten auslesen konnten“, so Griep. Das ist auch Familie Neubers zu verdanken, die die Speicherkarten mit warmen Süßwasser säuberte und trocknete.

Griep konnte somit nach Erhalt der Sonde und der Speicherkarten einen kurzen Film von der Fahrt des Wetterballons schneiden, der den Schülern der HMO nun präsentiert wurde. Gelohnt hat sich dieser anschauliche Physikunterricht aber nicht nur für die spektakulären Bilder, die die an Bord befindlichen Kameras schossen, sondern vor allem für die Schülerinnen und Schüler. „Wir haben alle gemeinsam an dem Projekt mitgearbeitet und es hat richtig viel Spaß gemacht“, bilanziert Jannik Pantekoek aus Aschendorf, der an dem Projekt teilgenommen hat.


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