Babyboom auch in Papenburg 538 Neugeborene: Sögel überbietet eigenen Rekord

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Papenburg/Sögel. Das hat es noch nicht gegeben: Im Sögeler Hümmling-Hospital sind erstmals überhaupt innerhalb eines Jahres mehr als 500 Babys geboren worden. Das erste Kind 2017 im nördlichen Emsland erblickte am Neujahrstag in Papenburg das Licht der Welt.

Mit 538 Neugeborenen 2016 überboten die Sögeler ihren bisherigen Rekord aus dem Jahr 2014 (480 Kinder) um gleich 56 Babys. Und im neuen Jahr ging es im Hümmling-Hospital gleich weiter. Am 1. Januar 2017 um 14.42 Uhr wurde dort Karolina Schkoljar geboren. Dabei war sie 51 Zentimeter lang und wog 3470 Gramm. Die glücklichen Eltern heißen Alina Skopinzev und Alexander Schkoljar und wohnen in Börger. Für sie ist Karolina das erste Kind.

Etwas eiliger hatte es Sofie Madlen Kleinhaus am Neujahrstag im Marien-Hospital in Papenburg. Sie erblickte dort bereits um 11.58 Uhr das Licht der Welt. Für die Tochter von Magdalena Hainke und Stefan Kleinhaus aus Flachsmeer wurde ein Geburtsgewicht von 4210 Gramm und eine -länge von 55 Zentimetern notiert. Der errechnete Geburtstermin für das Mädchen war der 4. Januar. „2016 wäre für uns aber auch ok gewesen“, sagt Kleinhaus im Gespräch mit unserer Redaktion. So aber machten sich die werdenden Eltern um kurz nach Mitternacht am Neujahrsmorgen auf den Weg ins Krankenhaus – ausgerechnet zu einer Zeit, in der viele Menschen an den Straßen das neue Jahr mit Böllern und Feuerwerk laut und bunt feierten. Während der Geburt wich Kleinhaus der Mutter nicht von der Seite.

Anders als im abgelaufenen Jahr gibt es diesmal sowohl in Papenburg als auch in Sögel ein Neujahrsbaby. 2016 konnte weder im Marien-Hospital noch im Hümmling-Hospital ein Neugeborenes registriert werden.

Der schleppende Start änderte jedoch nichts daran, dass in beiden Häusern im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutliche Steigerungen bei den Geburtenzahlen zu verzeichnen waren. In Papenburg gab es erstmals wieder mehr als 600 Geburten, genauer gesagt waren es am Jahresende 608 Geburten (616 Kinder). Dass sich diese Zahlen unterscheiden, liegt daran, dass in Krankenhäusern Mehrlingsgeburten als eine Geburt gezählt werden. Im Marien-Hospital kamen 2016 achtmal Zwillinge zur Welt. Zusammen mit den 538 Kindern aus Sögel (bei 536 Geburten) beträgt die Zahl der Neugeborenen in den beiden Krankenhäusern im nördlichen Emsland 1154. Im Vorjahr waren es 1059 gewesen, 2014 waren es 1062, 2013 nur 937, im Jahr davor 988 und 2011 wurden insgesamt 1003 Kinder geboren.

Dass in Papenburg innerhalb eines Jahres schon einmal mehr als 600 Kinder zur Welt gekommen sind, habe es in ihrer Dienstzeit bisher nicht gegeben, berichtet die diensthabende Ärztin Brigitte Cordes am Sonntag im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie ist seit 2001 im Marien-Hospital tätig. In den Jahrzehnten davor waren die Geburtenzahlen in Papenburg aber durchaus schon deutlich höher, wie Hebamme Johanna Linnemann auf Nachfrage bestätigt. So seien beispielsweise in den 1980er-Jahren Zahlen von rund 800 Neugeborenen pro Jahr keine Seltenheit gewesen.

So haben sich die Zahlen der Neugeborenen in den Krankenhäusern in Papenburg und Sögel in den vergangenen Jahren entwickelt. Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

In Sögel liegt die bisherige Bestmarke derweil erst zwei Jahre zurück. Die Hümmlinger registrieren ohnehin erst seit einigen Jahren höhere Geburtenzahlen. Das hat nicht zuletzt mit der Schließung der geburtshilflichen Abteilung des Krankenhauses St.-Anna-Stift in Löningen Ende 2010 zu tun. Seitdem bringen mehr Mütter aus dem Landkreis Cloppenburg ihre Kinder in Sögel zur Welt.

Das Neujahrsbaby aus dem mittleren Emsland kommt im Übrigen auch aus der Samtgemeinde Sögel. Es heißt Frederik Manns (13.54 Uhr, 51 Zentimeter, 3370 Gramm) und wurde im Meppener Ludmillenstift geboren. Frederiks Familie, die Eltern Anja (31) und Frank Manns (45) sowie die große Schwester Josephine (sechs), lebt in Werpeloh.

Als Geburtsjahr noch 2016 im Pass stehen haben wird Jonathan Leonard Schulte. Er ist das 616. und damit letzte Kind, das im alten Jahr im Marien-Hospital geboren wurde – genauer gesagt um 7.10 Uhr mit einem Geburtsgewicht von 4200 Gramm und einer -länge von 54 Zentimetern. Für die Eltern Manuela und Anton Schulte aus Papenburg ist ihr Sohn das zweite Kind. Damit ist der zweieinhalbjährige Janto ab sofort großer Bruder.

Errechneter Geburtstermin für Jonathan Leonard war der 1. Weihnachtstag. „Wir hatten für die Feiertage diesmal also überhaupt nichts geplant“, sagt Manuela Schulte. Letztlich habe die Familie aber noch ganz entspannt Weihnachten feiern können. Als viele Menschen im nördlichen Emsland das neue Jahr begrüßten, waren auf der Neugeborenenstation andere Dinge wichtiger. Der kleine Jonathan musste versorgt werden.


Der Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Marien-Hospital in Papenburg, Dr. Franz Koettnitz, freut sich nicht nur über die steigenden Geburtenzahlen, sondern auch über eine deutlich sinkende Zahl an notwendigen Kaiserschnitten. Das Marien-Hospital liege aktuell bei knapp 24 Prozent, der Bundesdurchschnitt bei 33.

„Die natürliche Geburt gibt dem Kind mit dem positiven Stress einer vaginalen Geburt und auch den dabei von der Mutter auf das Kind übertragenen, wichtigen Stoffe zur Anregung der Atmung und zur Verdauung der später aufgenommenen Milch einen deutlich vorteilhafteren Start ins Leben, als dies bei einem geplanten Kaiserschnitt der Fall ist“ erklärt Koettnitz. Auch für die Mutter sei die vermiedene, große Bauchoperation – „und als solche muss der Kaiserschnitt bewertet werden“ – ein enormer Vorteil, der sich unmittelbar nach der Geburt des Kindes durch eine bessere Mobilität und im späteren Leben oftmals durch einen nicht voroperierten Bauch bemerkbar mache.

„Oft werden medizinische Gründe in den Vordergrund gestellt, die sich mit einem zeitgemäßen Verständnis vom Wohlergehen des Kindes und der Mutter als Gründe für einen Kaiserschnitt nicht zusammen bringen lassen“, erklärt Koettnitz. Seit 2013 beachte seine Abteilung verstärkt die natürlichen Vorgänge in der Geburtshilfe. Deshalb hätten zunächst Mütter, die in Papenburg nicht ihren „Wunsch-Kaiserschnitt“ bekamen andere Kliniken aufgesucht. Inzwischen werde der Papenburger Weg, es mit einer natürlichen Geburt zumindest zu versuchen, zunehmend anerkannt. „Auch das Vermeiden medizinisch unnötiger Einleitungen einer Geburt gehört zur Ausrichtung auf natürliche Vorgänge“, betont Koettnitz. Die wichtigste Voraussetzung für eine möglichst komplikationslose und normale Geburt sei Geduld.

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