Papenburger trotzen Schiffbau-Krise Auftragsbücher der Meyer Werft so voll wie nie

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Papenburg. So voll waren die Auftragsbücher der Papenburger Meyer Werft noch nie: Zusammen mit seinen Standorten in Rostock und Turku ist das Unternehmen bis ins Jahr 2023 ausgelastet.

Allein in Papenburg werden bis dahin elf Kreuzfahrtschiffe gebaut. Im Verbund der drei Werften entstehen sogar mehr als 20 Luxusliner. Damit trotzen die Emsländer der extremen Verschlechterung der weltweiten Lage der Schifffahrt und des Schiffbaus. „Nahezu alle großen Kreuzfahrtreedereien der Welt gehören zum Kundenkreis der Werft“, stellt das Unternehmen in einer am Dienstag verbreiteten Presseerklärung fest.

Beschäftigung langfristig gesichert

Mit der derzeitigen Auftragslage der Werft bleibt die Beschäftigung mehrerer Tausend Menschen in der Region langfristig gesichert. Damit erachtet die Werft ihren Teil des bis zum Jahr 2030 geltenden Standortsicherungsvertrages mit dem Land Niedersachsen, der Gewerkschaft IG Metall und dem Betriebsrat als erfüllt.

„Mit umfangreichen Investitionen an unseren Standorten in Papenburg und Rostock, dem Ausbau der Arbeitsplätze sowie durch die vielen innovativen Forschungsprojekte haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt“, erklärt Werft-Geschäftsführer Bernard Meyer in der Pressemitteilung.

Platz für 500 Konstrukteure

Im Rahmen eines Festes für ihre Mitarbeiter mit Familien hatte die Werft im September ihr für zehn Millionen Euro errichtetes Entwicklungs- und Technologiezentrum eröffnet. In dem Bau, dessen Grundstein Mitte November 2015 gelegt worden war, können bis zu 500 Konstrukteure für den Bau von Kreuzfahrtschiffen arbeiten. Als Gründe für die Errichtung des fünfstöckigen Gebäudes mit Passivhausstandard in der Nähe des Haupteingangs zur Verwaltung hatte die Werft seinerzeit ihre stetig steigenden Mitarbeiterzahlen der rund 3300-köpfigen Belegschaft und volle Auftragsbücher genannt.

Baudockhalle wird verlängert

Zudem wird in Papenburg die 504 Meter lange Baudockhalle um einen 25 Meter langen Anbau erweitert . Ausschlaggebend dafür ist, dass durch den zusätzlichen Platz Schwimmteile für Luxusliner um eine Blockreihe von bis zu 30 Metern verlängert werden können. Zudem bietet die Ausbuchtung der Hallenaußenwand dann dem Bugteil von Kreuzfahrtschiffen Platz.

Ebenfalls für dieses Jahr hatte die Werft den Start einer neuen Software zur Entwicklung und Konstruktion ihrer Luxusliner angekündigt. Für die „Industrie 4.0 im Schiffbau“ hat das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Euro investiert.

Zwei Kreuzfahrtschiffe abgeliefert

2016 hat die Meyer Werft zwei Ozeanriesen abgeliefert – im Frühjahr die „Ovation of the Seas“ für die US-Reederei Royal Caribbean International und im Herbst die „Genting Dream“ für die Reederei Dream Cruises (Hongkong). Bei der Emspassage des 335 Meter langen Schiffes sorgten mehrere Tausend Schaulustige für ein Verkehrschaos auf den Straßen entlang der Deiche.

Die Neptun-Werft in Rostock-Warnemünde stellte unterdessen sechs Flusskreuzfahrtschiffe für Viking River Cruises (Basel) fertig. Das Meyer-Schwesterunternehmen an der Ostsee wird künftig die Maschinenraum-Module in Papenburg und Turku bauen. Dafür wird eine neue Produktionshalle gebaut. Sie soll 2018 betriebsbereit sein. Die Werft kündigte dafür eine Millioneninvestition in zweistelliger Höhe an.

Schiffsblöcke aus Emden

Blöcke für ihre Kreuzfahrtschiffe lässt Meyer neuerdings auch auf dem Gelände der zwischenzeitlich zum wiederholten Mal in finanzielle Schieflage geratenen Emder Nordseewerke bauen.

Aus Papenburg als Nächstes abgeliefert werden wird die „Norwegian Joy“. Der Ozeanriese für die US-Reederei Norwegian Cruise Line, auf dem ein durch Schweißarbeiten verursachter Brand im Oktober einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst hat, soll im Frühjahr 2017 fertig sein. Der Zeitplan geriet nach Angaben der Werft durch das Feuer aber nicht aus dem Takt. Parallel läuft derzeit der Bau der „World Dream“, die im September 2017 die Kulisse für das NDR-2-Papenburg-Festival unter anderem mit Jan Delay & Disko No. 1, Andreas Bourani und Culcha Candela bilden wird. Zudem startete die Werft Ende Oktober mit dem Bau der „Norwegian Bliss“ .

Gute Nachrichten auch aus Finnland

Gute Nachrichten gab es 2016 auch aus Finnland. Ein Jahr nach der vollständigen Übernahme der Übernahme der Werft in Turku durch Meyer schreibt der skandinavische Schiffbaustandort erstmals wieder schwarze Zahlen. So weist der geprüfte Jahresabschluss für das Jahr 2015 nach Angaben der Werft 15,1 Millionen Euro Gewinn aus. Der Umsatz betrug demnach knapp 594 Millionen Euro. Im Frühjahr hatte Meyer Turku angekündigt, 17 Millionen Euro in eine Kabinenfabrik zu investieren. Als erster Schritt von mehreren angekündigten Großinvestitionen auf der Werft gilt die Anschaffung eines neuen Portalkranes für 30 Millionen Euro. Der Kran mit einer Tragfähigkeit von 1200 Tonnen soll im Frühjahr 2018 einsatzbereit sein. Auf der Werft Meyer Turku sind rund 1500 Menschen beschäftigt. Dort ist aktuell eine Fähre für die estnische Reederei Tallink im Bau. Das Schiff soll im Januar 2017 abgeliefert werden. Ein weiteres Kreuzfahrtschiff für die Hamburger Reederei Tui Cruises, die „Mein Schiff 6“, verlässt die Werft im kommenden Frühjahr.

Neue Technologien etabliert

Die Schiffbauer verweisen überdies darauf, dass sie technologisch neue Standards in der Branche etabliert hätten. Mit ihren Kunden und neuen Projekten habe die Werft sowohl das Flüssigerdgas LNG als „Treibstoff der Zukunft“ für Kreuzfahrtschiffe als auch die Brennstoffzellentechnologie auf Passagierschiffen marktfähig machen können.

„Es ist eine besondere Herausforderung, diese großen und komplexen Schiffe zu konstruieren und termingerecht fertigzustellen“, erklärt Tim Meyer, seit Juni Mitglied der Geschäftsführung . „Unsere engagierten Mitarbeiter, unser neues Technologie- und Entwicklungszentrum sowie unsere ausgezeichneten Partner, die meist langjährig mit uns zusammenarbeiten, helfen uns, diese Schiffe pünktlich und technisch einwandfrei abzuliefern“, so Meyer.


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