Gemeinschaftliche Bewerbung Papenburg und Dörpen wollen Tesla-Fabrik



Dörpen/Papenburg. Im europaweiten Wettbewerb um einen Produktionsstandort für den amerikanischen Elektroautohersteller Tesla werfen Papenburg und Dörpen einen gemeinsamen Hut in den Ring. Von der Bewerbung soll nach dem Willen beider Kommunen auch ein generelles Signal für die Vorzüge des gemeinschaftlichen Wirtschaftsraumes Papenburg-Dörpen ausgehen.

Die Bewerbung an Tesla-Chef Elon Musk ist fertig und die Zahl der Mitbewerber groß. Mehr als 300 Standorte in Europa buhlen um die Gunst der Amerikaner, die einen gigantischen Wachstumskurs eingeschlagen haben.

Die Emsländer sind dennoch optimistisch. „Tesla sucht in Europa Standorte zur Auto- und Batterieproduktion. Unsere Bewerbung ist top. Wir können uns sogar gut vorstellen, dass beides hier realisiert wird“, sagt der Dörpener Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken (CDU) im Gespräch mit unserer Redaktion. „Natürlich sind wir aber auch nicht naiv“, weiß Wocken um die Konkurrenz. „Aber wer es nicht versucht, hat auch keine Chance.“ Musk hatte im November angekündigt, 2017 einen Standort für die erste große Tesla-Fabrik in Europa aussuchen zu wollen. Aktuell werden Teslas für Europa in den Niederlanden montiert.

Die Nachbarn spielten auch eine Rolle bei der Papenburg-Dörpener Kandidatur. Ausschlaggebend war die Bewerbung der Provinz Groningen, wie Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) erklärt. Die Holländer hatten sich vor knapp drei Wochen mit dem Standort Eemshaven und dem Hinweis auf Zulieferbetriebe im deutschen Grenzgebiet in Stellung gebracht. Daraufhin stellten Papenburg und Dörpen unter Federführung ihrer Wirtschaftsförderer Sabrina Wendt und Heinz-Hermann Lager die gemeinschaftliche Bewerbung kurzfristig zusammen. Als potenzielle Ansiedlungsflächen werden darin unter anderem die Carl-Benz-Straße und Flächen im Hafen in Papenburg sowie in Dörpen im Industriegebiet aufgelistet.

Man sei zwar nur ein Kandidat unter vielen, aber eben auch einer mit ganz besonderen Vorzügen und gemeinsamen Stärken, betont Bechtluft (CDU). „Wir haben ein ansehnliches Portfolio, mit dem wir aus dem Vollen schöpfen können.“ Dazu zählen Bechtluft und Wocken unter anderem die Meyer Werft, die wegen der besonders stark ausgeprägten Vorliebe der US-Amerikaner für Kreuzfahrten und umweltschonenderes „Green-Shipping“ auch in den Vereinigten Staaten einen guten Namen habe, das ATP-Prüfgelände als Zeichen für Automobilität und das Umspannwerk in Heede als Ausdruck für die Produktion erneuerbarer Energien.

Im Herzen Europas

Hinzu kommen laut Wocken die Pläne für ein Geothermiekraftwerk und die infrastrukturellen Vorzüge der Kombinationsmöglichkeiten von drei Verkehrsträgern (Straße, Wasser, Schiene) in Form des Güterverkehrszentrums Emsland in Dörpen mit seiner zuletzt erweiterten Hafenfläche und einer dank der Verlegung des Bahnhofs barrierefreien Zufahrt ins Industriegebiet. Überdies habe Dörpen schon mit der Ansiedlung der Papierfabrik Nordland vor fast 50 Jahren bewiesen, dass es als Industriestandort tauge.

Ziel der Tesla-Bewerbung unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ ist es aber auch grundsätzlich, auf den gemeinschaftlichen Wirtschaftsraum aufmerksam zu machen. „Wir liegen mitten auf der Achse Amsterdam-Hamburg und damit sozusagen im Herzen Europas“, sagt Bechtluft. Mit der Bewerbung habe man eine Expertise in der Schublade, die ab sofort auch bei anderen potenziellen Ansiedlungswünschen schnell präsentiert werden könne.

Der Dörpener Bürgermeister Manfred Gerdes (CDU) ist „fest davon überzeugt, dass wir zwei herausragende Standorte haben. Unsere Vorzüge werden sich irgendwann bezahlt machen. Wenn Tesla unsere Bewerbung vernünftig liest, würde es mich wundern, wenn wir nicht zumindest in die engere Auswahl kämen“.

Für den Vorsitzenden des Papenburger Wirtschaftsausschusses, Burkhard Remmers (CDU) geht es im nächsten Schritt darum, diese Form der gemeinsamen Wirtschaftsförderung gleich nach der Weihnachtspause auch im Politischen Raum zu kommunizieren – in der Hoffnung, „dass man uns unterstützt“. Große Projekte wie auch die geplante Hafenerweiterung im Bokeler Bogen ließen sich nur im Verbund stemmen.


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