Helikopter kann nicht starten Frau bringt Zwillinge auf der A31 bei Weener zur Welt

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Frerk und Kathrin Richter zusammen mit ihrer zweieinhalb jährigen Tochter Jasmin sowie den eineiigen Zwillingen Isabel (links) und Vivianne. Foto: RichterFrerk und Kathrin Richter zusammen mit ihrer zweieinhalb jährigen Tochter Jasmin sowie den eineiigen Zwillingen Isabel (links) und Vivianne. Foto: Richter

Weener/Leer. Ein Helikopter, der nicht starten kann und eine Klappbrücke, die oben steht. Die Sterne standen für Kathrin Richter nicht gut, als sie hochschwanger von Borkum ins Krankenhaus nach Oldenburg fuhr. Zwar kam sie dort an, ihre Zwillinge waren aber bereits auf der Welt – geboren auf der A31 bei Weener.

Die Erfahrung einer Geburt hat Kathrin Richter schon gemacht. Vor zweieinhalb Jahren brachte sie Tochter Jasmin auf die Welt. Im Krankenhaus. Die Erfahrung, die sie aber nun machen musste, ist außergewöhnlich. An der niederländischen Grenze wurde die Insulanerin Mutter einer weiteren Tochter, auf einem Parkplatz an der A31 bei Weener einer dritten Tochter.

Die Wehen setzten um 4.30 Uhr ein

Es war der 9. November 2016. Kathrin Richter lag mit ihrem Mann Frerk im Bett, ihre Tochter schlief nebenan. Um 4.30 Uhr weckte sie ihren Mann, die Wehen hatten bei ihr eingesetzt. Eigentlich sollte das erst drei Tage später, am 12. November, im Krankenhaus in Oldenburg passieren. Eben nicht auf Borkum, dort wo sie mit ihrer Familie lebt. Schnell wurden die Sachen gepackt, die Tochter zur Großmutter gebracht und ab ging es Richtung Krankenhaus. Von dort aus sollte sie mit einem Helikopter nach Oldenburg geflogen werden.

Helikopter kann wegen des Wetters nicht starten

Der Plan wurde nicht in die Tat gesetzt, denn es war das erste Hindernis, das das Paar an diesem Morgen bewältigen musste. Da die Witterungsverhältnisse schlecht waren, konnte der Helikopter nicht starten, erinnert sich Kathrin Richter im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie und ihr Mann steckten erstmal auf Borkum fest. Schnell wurde ein Rettungskreuzer alarmiert, mit dem die hochschwangere Frau nach Eemshaven an der niederländischen Küste gebracht wurde. Die Fahrt dauerte 50 Minuten, mittlerweile war es kurz vor 7 Uhr morgens. Die erste Hürde war genommen, doch es sollte noch schlimmer werden.

Geburt bei 130 Stundenkilometern

Mit dem Krankenwagen ging es von Eemshaven über die N33 und A7 in Richtung Deutschland. Mittlerweile kamen bei Kathrin Richter die Wehen bereits alle zehn Minuten. Die Sanitäter mussten sich beeilen. Doch dann tauchte eine Baustelle auf und die Baustellenampel leuchtete auch noch rot. In Appingedam wurde es noch schlimmer: Eine Klappbrücke stand oben, wieder verging Zeit. Kurz vor der Grenze wurden die Wehen immer heftiger, nicht mehr alle zehn Minuten, auch nicht alle fünf, sondern minütlich kam ein Schub. 3,5 Stunden nach dem Einsetzen der ersten Wehen wurde Kathrin Richter Mutter von Tochter Isabell. Es war 8.06 Uhr, als das kleine Mädchen während der Fahrt im Rettungswagen bei 130 Stundenkilometern das Licht der Welt erblickte.

Von Weener nach Leer

Zwar nicht bei 130 Stundenkilometern, dafür aber ebenso wenig entspannt, folgte ihre Schwester Vivianne. „Nur zehn Minuten später“, sagt Kathrin Richter, . Zwar nicht an der niederländischen Grenze, dafür in einer Parkbucht an der A31 bei Weener. Schnell disponierten die Sanitäter um, Mediziner vom Klinikum Leer wurden alarmiert, die ebenfalls zur Parkbucht kamen und die mittlerweile vierköpfige Familie nach Leer brachten.

16 Tage wurde Kathrin Richter mit ihren Töchtern dort versorgt, mittlerweile ist sie wieder auf Borkum. Trotz eines etwas holprigen Start ins Leben, haben sich die Mädchen von dem Schock erholt. Ihnen geht es hervorragend, sagt Richter, die immer wieder an die außergewöhnliche Geburt zurückdenkt – vielleicht auch deswegen, weil die Familie Gesprächsthema Nummer eins auf Borkum ist.


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