Reaktion auf Zahlen der Creditreform Schuldnerberater im Emsland fordern mehr Unterstützung

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Wünschen sich mehr finanzielle und personelle Unterstützung bei der Beratung von verschuldeten Menschen: (v.l.) Andreas Hackling vom Caritasverband Emsland, Tamara Linke vom Diakonischen Werk Emsland und Dieter Zapf vom SKM Lingen. Foto: Daniel Gonzalez-TepperWünschen sich mehr finanzielle und personelle Unterstützung bei der Beratung von verschuldeten Menschen: (v.l.) Andreas Hackling vom Caritasverband Emsland, Tamara Linke vom Diakonischen Werk Emsland und Dieter Zapf vom SKM Lingen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg/Meppen. Trotz der guten Konjunkturlage und der geringen Arbeitslosenzahlen im Emsland fordern die Schuldnerberater in der Region mehr finanzielle und personelle Unterstützung für in finanzielle Nöte geratene Menschen.

Damit reagieren sie auf neueste Zahlen der Creditreform zu überschuldeten Menschen im Emsland, über die unsere Redaktion berichtet hatte.

„Wir müssen in diesem Bereich wegkommen von einer Komm-Struktur hin zu einer aktiven, aufsuchenden und präventiven Arbeit“, sagt Dieter Zapf vom SKM Lingen. Rund 900 Erstgespräche führen er und seine beiden Kollegen, Andreas Hackling vom Caritasverband Emsland sowie Tamara Linke vom Diakonischen Werk Emsland, die über den Arbeitskreis Schuldnerberatung eng miteinander kooperieren. „Viele dieser Gespräche kommen viel zu spät zustande oder sind vermeidbar, wenn früher gehandelt wird“, meinen alle drei übereinstimmend. Gerne würden alle drei noch intensiver und umfangreicher in die Beratung einsteigen, doch lediglich Hackling verfügt über eine Vollzeitstelle, Linke und Zapf müssen in ihren Organisationen noch andere Aufgaben übernehmen. Und auch die beiden Vollzeitkräfte, die der Landkreis vornehmlich für das nördliche Emsland beschäftigt, würden ihrer Ansicht nach nicht alle Aufgaben, die notwendig wären, übernehmen können.

Nachfrage ungemindert hoch

„Die Beratung wird permanent nachgefragt und ist ungebremst hoch“, sagt Andreas Hackling. Während es bei einigen Betroffenen bei einigen wenigen Kontakten bleiben kann, sind es bei anderen 20 bis 30 im Jahr. „Und eine Beratung kann schnell zwei Stunden dauern, beispielsweise, wenn eine umfassende Einnahmen- und Ausgabenplanung erstellt werden muss“, erklärt Dieter Zapf. Vor allem diese halten alle drei Experten für unabdingbar für ver- oder überschuldete Menschen, um den Überblick zu behalten. Besonders schlimm seien Fälle, in denen Betroffene über längere Zeit resigniert hätten, beispielsweise monatelang ohne Strom und Heizung leben, was auch im Emsland immer wieder vorkomme, berichtet Dieter Zapf.

Die von der Creditreform für das Emsland genannte Zahl von 8,85 Prozent überschuldeter Bürger, was etwa 28.000 wären, halten die Berater tendenziell für zu gering. „Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist hoch, weil viele Scheu davor haben, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Viele versuchen zu lange und oft vergeblich, sich selber aus dem Sumpf zu befreien“, berichtet Tamara Linke. Das gelte insbesondere für ältere Menschen. Sie hat deshalb in evangelischen Kirchengemeinden im mittleren Emsland eine Erhebung gemacht und dabei etwa 50 Betroffene befragt. Heraus kam, dass 57 Prozent von ihnen über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens in Deutschland verfügen und damit von Armut bedroht sind. „22 Prozent bekommen Grundsicherung, 21 Prozent aber könnten Sozialleistungen erhalten, kennen ihre Ansprüche wie Wohngeld oder Kindergeld-Zuschlag aber gar nicht“, verdeutlicht Linke, die dabei von „verdeckter Armut“ spricht.

Fragwürdiges Verhalten von Inkassobüros

Als „meist legalen Betrug“ sieht das Trio das Vorgehen von Inkassobüros an. „Viele haben gar kein Interesse daran, dass der Schuldner die offenen Forderungen zügig und umfassend begleicht. Das Verfahren wird zeitlich verschleppt, umgeschuldet oder neue Ratenzahlungen vereinbart, was jedes Mal neue Gebühren und Zinsen mit sich bringt“, berichtet Dieter Zapf. Auch bei außergerichtlichen Einigungen, die von Schuldnerberatung im Vorfeld von Privatinsolvenzverfahren angestrebt werden müssen, tun sich diese Büros im Regelfall sehr schwer. „Viele torpedieren diese Gespräche regelrecht, selbst wenn wir Quoten von 80 bis 90 Prozent des geschuldeten Betrags anbieten können“, erklärt Andreas Hackling.

Ebenfalls mit Sorge beobachten die Schuldenexperten das Aussterben von Bankfilialen und die Anonymität des Internets bei Bankdienstleistungen. „Früher kannte fast jeder Berater seine Kunden. Er half aktiv dabei, Dispokredite zurückzufahren oder Reserven anzulegen. Heute gibt es, meist durch Konsumkredite, oft eine Vielzahl beteiligter Kreditinstitute, was die Verfahren entsprechend unübersichtlich macht“, so Hackling.


Wer Kontakt zu den drei Schuldnerberatern aufnehmen möchte, erreicht sie wie folgt:

Tamara Linke, Diakonisches Werk

Schützenstraße 16, 49716 Meppen

Tel. 05931-9815-0

www.diakonie-emsland.de

Dieter Zapf, SKM Lingen e.V.

Lindenstraße 13, 49808 Lingen

Tel. 0591-9124618

www.skm-lingen.de

Andreas Hackling, Caritasverband für den Landkreis Emsland

Domhof 18, 49716 Meppen

05931-9842-0

www.caritas-el.de

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