Landgericht Osnabrück 66-Jähriger nach Attacke mit Auto verurteilt

Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Landgericht Osnabrück am Donnerstag einen 66-jährigen Mann aus dem nördlichen Emsland zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Symbolfoto: Ulrich EckselerWegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Landgericht Osnabrück am Donnerstag einen 66-jährigen Mann aus dem nördlichen Emsland zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Symbolfoto: Ulrich Eckseler

Kluse/Osnabrück. Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Osnabrück am Donnerstag einen 66-jährigen Mann aus dem nördlichen Emsland zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Vollstreckung wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er soll einen Mann absichtlich mit dem Auto angefahren haben.

Der Vorfall ereignete sich im April 2014. Das Amtsgericht Papenburg verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem wurde sein Führerschein eingezogen. Gegen dieses Urteil legten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte Berufung ein.

Mann absichtlich angefahren

Zwischen dem 66-Jährigen und dem 53-jährigen Opfer entstand über Jahre ein Streit. Am Tattag fuhr der Verurteilte der Anklage zufolge mit seinem Wagen auf der Pollertstraße in Kluse. Dort traf er auf den 53-Jährigen, der den Mann wegen einer vorangegangenen Streitigkeit zur Rede stellen wollte. Das Opfer lief dabei neben dem langsam fahrenden Wagen her und öffnete die Beifahrertür. Der Verurteilte gab beim Prozessauftakt an, sein Nachbar habe ihn angegriffen und geschlagen. Dies war aber nicht zu beweisen. Als Fakt erachtete das Gericht hingegen, dass der Mann das Auto darauf zunächst stoppte und es dann zurücksetze. Aufgrund dessen stürzte der 53-Jährige zu Boden. Daraufhin fuhr der 66-Jährige erneut vorwärts, wendete im Bereich der Fichtenstraße und positionierte das Auto quer zur Fahrbahn, wie eine unmittelbar angefertigte Skizze der Polizei belegte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Opfer auf dem Gehweg. Drei bis fünf Meter trennten ihn von dem Wagen des 66-Jährigen. Dieser beschleunigte das Auto und fuhr auf den Mann zu. Ein sachverständiger Gutachter stellte fest, dass dies mit einer Geschwindigkeit zwischen 10 und 15 Kilometern pro Stunde geschehen sein müsse. Unmittelbar darauf bremste der Fahrer dann wieder, um nicht gegen den Gartenzaun zu fahren, der sich hinter dem Opfer befand. Der 53-Jährige sprang in die Luft, um sich zu schützen, prallte gegen die Windschutzscheibe des Wagens und stürzte auf den Asphalt. Aufgrund dessen erlitt er Verletzungen an Kopf, Gesäß, Hüfte sowie am rechten Arm.

Auto als Waffe

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwältin eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung. Als Auflage solle der 66-Jährige zudem 1000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Die Juristin hielt dem Mann zugute, dass die erste Provokation vonseiten des 53-jährigen Nachbarn erfolgte. Zudem sei der Mann bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Es sei aber nicht von einem minderschweren Fall auszugehen. Denn der 66-Jährige sei auf sein Opfer zugefahren, um den Mann zu treffen und zu verletzten. Das Auto diente ihm dabei als Waffe. Obwohl die Geschwindigkeit gering war, sei sie ausreichend um erheblichen Schaden anzurichten.

„Der Zeuge ist das schlechteste Beweismittel“

Die Verteidigung plädierte hingegen auf einen Freispruch. „Ich halte das Ganze, was die Staatsanwaltschaft aus diesem Fall gemacht hat für ziemlich überzogen“, so der Anwalt des 66-Jährigen. Während des Prozesses gab es teils sehr abweichende Aussagen der Beteiligten. „Der Zeuge ist das schlechteste Beweismittel“; ergänze der Verteidiger. Er halte das Opfer für nicht glaubwürdig und hatte „erhebliche Zweifel“ an dessen Aussage. Auch habe der 53-Jährige - seinen Informationen nach - versucht, eine weitere Zeugin zu beeinflussen. Bei deren Angaben sei er sich zudem nicht sicher, ob die Frau „alles richtig wiedergegeben und gesehen hat“. Letztlich widerspräche der Umstand, dass sein Mandant unmittelbar wieder gebremst hätte, dem Vorwurf des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Das Urteil des Amtsgerichtes und die Anklage der Staatsanwaltschaft seien damit falsch. Daher forderte der Jurist, seinen Mandanten freizusprechen.

Berufungen verworfen

Das Gericht verwarf mit seinem Urteil letztlich beide Berufungen und bestätigte das Urteil des Amtsgerichtes Papenburg. Der Vorsitzende hob dabei zwei Aspekte hervor, die abseits aller Streitigkeiten objektiv zu werten seien: Die unmittelbar angefertigte Skizze der Polizei und die Tatsache, dass deutliche Beschädigungen an dem Auto nachzuweisen sind. Das erste Zurücksetzen des Wagens sei in Ordnung gewesen. „Sie durften sich bedroht fühlen“, so der Richter weiter. Mit dem Wenden des Autos, sei die Verteidigungsphase aber abgeschlossen. Entscheidend wäre zudem gewesen, dass der Konflikt von dem 53-Jährigen ausging. Wäre dies nicht geschehen, wäre „wohl nichts passiert“. Dies spräche für den 66-Jährigen, sodass letztlich eine einjährige Haftstrafe zur Bewährung verhängt wurde mit einer Geldauflage von 1000 Euro, zu zahlen an die Straffälligenhilfe.


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