Internationale Kooperation Erdgas als Kraftstoff der Zukunft etablieren


Papenburg. Die Nutzung von Flüssigerdgas als alternativen Kraftstoff im Verkehr will das Projekt „LNG Pilots“ grenzübergreifend in der Region Groningen, Emsland und Nordrhein-Westfalen vorantreiben. Im alten Güterbahnhof in Papenburg hat sich die Gruppe aus mehr als 30 Institutionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung mit rund 100 Beteiligten zu einer Auftakt-Veranstaltung mit elf Rednern getroffen.

Insgesamt beteiligen sich drei Ministerien und sieben Provinzen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet mit 6,7 Millionen Euro bis in das Jahr 2020 an dem Projekt. Der Fokus liegt dabei auf den Einsatz von Flüssigerdgas als Kraftstoff im Binnenschiffsverkehr und schwerer Güterverkehr.“

„Wir wissen alle um die Vorteile von Flüssigerdgas, aber da fehlt noch etwas, nämlich die Infrastruktur“, sagte Gerrit van Werven, Direktor der Groninger Stiftung „Energy Valley“ zur Begrüßung. LNG ist die Abkürzung für Flüssigerdgas (Englisch: Liquefied Natural Gas). In einem Vorgängerprojekt im Jahr 2014 sei bereits das Potenzial von LNG erkannt worden, sagte Projektkoordinatorin Ingrid Klinge. Die Vorteile von LNG als Kraftstoff seien die Reduzierung von Kohlendioxid (CO²), Feinstaub und anderen Schadstoffe im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen.

Dietrich Gerstein von der Deutschen LNG-Plattform betonte, die Flüssigerdgastechnik lasse sich im Schwerlasttransport kurzfristig umsetzen. Wasserstoff sei lediglich langfristig eine Option und Elektromobilität sei nur teilweise verfügbar. Auf der Straße betrifft das dem Experten zufolge vor allem Fahrzeuge mit mehr als 18 Tonnen. „Die sind sieben Tage unterwegs und fahren große Strecken“, erklärte Gerstein. Hier müssten die CO²-Emissionen drastisch gesenkt werden. Im vergangenen Jahr sind laut Gerstein rund 160 Millionen Tonnen CO² ausgeschieden worden. Der Wert solle bis 2020 um 40 Prozent sinken, bis 2050 sogar um 80 Prozent.

Technisch habe sich in den vergangenen 25 Jahren zwar viel getan, aber das höhere Verkaufsaufkommen habe Vorteile nahezu kompensiert. Eine Hürde zur Investition in umweltfreundlichere Antriebstechnologien seien die zurzeit die „recht niedrigen“ Dieselpreise.

Ein mögliches Netz von LNG-Tankstellen stellte Christian Schneider, Geschäftsführer von „Liquid 24/7“ vor. In den Fokus hat sein Unternehmen auch den Dörpener Hafen genommen. Im ersten Schritt sollten mobile Tankstellen aufgestellt werden. In weiteren Schritten könnten die Stationen wie festen Tankstellen ausgebaut werden. Schneider zufolge eigne sich Dörpen als Standort, da die Emsgemeinde sowohl auf dem Landweg über die Autobahn 31 sowie den Wasserweg gut erreichbar sei und damit den Güterverkehr auf der Straße, als auch Binnenschiffe mit LNG versorgen könnte.

Als einmalige Chance sieht Hermann Wessels, Geschäftsführer der Ems-Dollart-Region das Projekt. Die Zusammenarbeit führe die lange Tradition der grenzübergreifenden Kooperationen fort. Die Ergebnisse wären nicht nur für die beteiligten Unternehmen wichtig. „Wir können hier einen Beitrag zur europäischen Entwicklung leisten“, so Wessels. Mit einem Erfolg könne ein Zeichen gesetzt werden, auch weiter in die Region zu investieren. Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft verglich den Pioniergeist der Anwesenden mit dem der Stadtbewohner selbst. Sie hätten nach dem Bau der Kanäle zur Fehnkolonisierung die Wasserwege für den Handel genutzt und seien im weiteren Verlauf der Entwicklung zu Schiffbauern geworden.


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