Steigerung um 50 Prozent seit 2011 Gewalt gegen Polizisten im Emsland nimmt stark zu

Der Widerstand gegen Einsätze von Polizisten hat auch im Emsland stark zugenommen. Der Vorfall am Donnerstag in Sögel hat das Problem deutlich zu Tage gefördert. Symbolfoto: Michael GründelDer Widerstand gegen Einsätze von Polizisten hat auch im Emsland stark zugenommen. Der Vorfall am Donnerstag in Sögel hat das Problem deutlich zu Tage gefördert. Symbolfoto: Michael Gründel

Papenburg/Meppen. Der Vorfall ist erschütternd: Gleich sechs Polizisten sind am Donnerstag in Sögel durch Pfefferspray und einer körperlichen Auseinandersetzung mit einem selbst ernannten „Reichsbürger“ verletzt worden, einer musste im Krankenhaus behandelt werden. Gewalt gegen Polizisten: Ein trauriger Trend, der seit 2011 auch im Emsland anhält.

Bereits kurz vor dem Vorfall am Donnerstag hatte unsere Redaktion die Polizeiinspektion Emsland/ Grafschaft Bentheim mit Sitz in Lingen um die Ermittlung von Zahlen zum Thema Gewalt gegen Polizeibeamte gebeten. Hintergrund zu diesem Zeitpunkt war noch der Vorfall in Düren in Nordrhein-Westfalen am vergangenen Wochenende, bei dem im Streit um ein falsch geparktes Auto zehn Polizisten verletzt wurden. Einer wurde mit einem Radmutternschlüssel sogar massiv im Gesicht verletzt, drei Männer kamen in Haft.

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Nach Angaben von Achim van Remmerden, Sprecher der Polizei im Emsland, kam es 2015 zu 155 Fällen, in denen Widerstand gegen die Polizeigewalt geleistet wurde. „Bei etwa einem Drittel der Fälle wurden Polizeibeamte verletzt“, teilt van Remmerden mit. Das wären mehr als 50. 2012 waren es 121 Fälle. Nach einem leichten Absinken der Fälle 2013 mit 111 derartigen Ereignissen stiegen sie 2014 (135) und eben 2015 (155) ziemlich deutlich an. Zahlen zu 2016 kann der Sprecher noch nicht mitteilen, allerdings zeigt auch hier die Tendenz, spätestens nach dem Vorfall in Sögel, nach oben.

Oft Alkohol im Spiel

Die Mehrzahl der Täter, etwa 90 Prozent, waren nach Angaben des Sprechers Männer, in drei Viertel der Fälle standen die Täter unter Alkoholeinwirkung. „Die Atmosphäre bei Einsätzen, gerade im häuslichen Bereich und bei Personen unter Alkoholeinwirkung ist immer ein Problem. Diese Personen sind häufig Argumenten nicht mehr zugänglich und werden schnell handgreiflich“, berichtet van Remmerden.

(Weiterlesen: Verfassungsschutz beobachtet „Reichsbürger“ nur teilweise)

Auch wenn bei dem Vorfall in Sögel es bei leichten Verletzungen, beispielsweise der Atemwege oder der Augen, geblieben ist und alle sechs laut van Remmerden dienstfähig blieben, auch im Emsland hat „die Hemmschwelle, Widerstand gegen Polizeibeamte zu leisten, deutlich abgenommen“, so der Sprecher wörtlich. „Wir verzeichnen innerhalb der letzten Zeit eine starke Zunahme von Respektlosigkeit gegenüber unseren Beamtinnen und Beamten. Aus den Zahlen ist klar zu sehen, dass die Delikte von 2011 bis 2015 stark zugenommen haben“, sagt der Sprecher, und ergänzt: „Wir stellen insgesamt fest, dass die Personen schon bei nichtigen Anlässen Widerstand leisten.“

Gewerkschaft fordert mehr Personal

Die Verrohung der Sitten bei Einsätzen der Polizei alarmiert zunehmend auch die Gewerkschaft der Polizei (GDP). Deren Pressesprecher und Gewerkschaftssekretär in Hannover, Christian Hoffmann, sagt im Gespräch mit unserer Redaktion und nach Rücksprache mit dem GDP-Vertrauensmann im Emsland: „Unsere Kollegen in Niedersachsen und auch aus dem Emsland berichten leider immer wieder über Respektlosigkeiten, Beschimpfungen und sogar Gewalt gegenüber der Polizei. Oft geschieht so etwas bei Fällen häuslicher Gewalt und im Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum. Wir verurteilen das scharf!“ Die Forderung der Gewerkschaft ist eindeutig: „Besser kann es nur werden, wenn die Polizei mehr Personal bekommt und sich alle Bevölkerungsgruppen daran erinnern, das die Menschen in den Polizeiuniformen Respekt und Anerkennung verdienen“, sagt Hoffmann.

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Ob die Polizei im Emsland die Einsatzstrategie nach dem Vorfall in Sögel überdenkt? „Wir werden bei Einsätzen, die sich gegen uns bekannte Reichsbürger richten, von Einzelfall zu Einzelfall entscheiden und danach unser Vorgehen ausrichten“, heißt es dazu von Achim van Remmerden.


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