Für Experte kein Einzelfall Wie eine Papenburgerin unter Herbstdepressionen leidet

Das triste Wetter mit wenig Licht und kurzen Tagen schlägt im Herbst vielen auf das Gemüt. Bei einigen entwickelt sich daraus eine schwerwiegende Depression. Symbolfoto: Christian BellingDas triste Wetter mit wenig Licht und kurzen Tagen schlägt im Herbst vielen auf das Gemüt. Bei einigen entwickelt sich daraus eine schwerwiegende Depression. Symbolfoto: Christian Belling

Papenburg. Kurze Tage, wenig Licht, viel Tristesse: Bei vielen drückt die dunkle Jahreszeit auf die Stimmung. Auch einer 48-Jährigen aus Papenburg, die seit Jahren unter Herbstdepressionen leidet. Laut Experte Dr. Christopher Trouw ist das kein Einzelfall.

„Ich komme kaum noch aus dem Haus und kann mich einfach nicht mehr aufraffen“, so die Papenburgerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Sowohl privat als auch beruflich schaffe sie kaum noch etwas. Seit Jahren mache ihr die Winterzeit zu schaffen. „Jedes Jahr sehe ich der Zeitumstellung entgegen. Fast schlagartig kippt dann die Gemütslage“, berichtet die 48-Jährige.

„Stell dich nicht so an“

Besonders schlimm sei es geworden, nachdem die beiden erwachsenen Kinder das Elternhaus verließen. „Dadurch komme ich noch weniger auf andere Gedanken.“ Für ihren Ehemann sei die Situation sehr belastend. „Das ist mir bewusst, nur kann ich es leider nicht ändern.“ Auch Bekannte und Freunde würden sich Sorgen machen, weil sie von Oktober bis Ostern kaum noch zu sehen sei. „Mir wurde aber auch schon gesagt, dass ich mich nicht so anstellen solle. Schließlich ginge es mir gut, hätte keine Geldsorgen und ein Dach über dem Kopf.“

Melancholie ist keine Depression

Doch das würde gegen Herbstdepressionen nicht helfen, weiß Dr. Christopher Trouw. Der Leiter des Psychologischen Beratungszentrums in Papenburg kennt viele solcher Fälle. Doch er mahnt auch zu einer genauen Unterscheidung. „Nur etwas Melancholie ist keine Herbstdepression.“ Eine gedrückte Grundstimmung entwickle sich, sobald die Tage kürzer werden. „Das fehlende Licht ist vielfach der Auslöser.“ Doch wann sprechen Experten von einer Herbstdepression? „Die Schwelle zur Krankheit ist erreicht, wenn Leben und Arbeiten nicht mehr zusammen funktionieren und Aufgaben nicht mehr nachgegangen werden kann“, so Trouw.

Lange Spaziergänge und frische Luft

Symptome seien neben einer Antriebslosigkeit auch mangelnder Appetit, Schlaflosigkeit und unklare körperliche Beschwerden. Der Hausarzt könne dabei keinen Befund feststellen, sodass die Ursachen im seelischen Bereich zu suchen seien. An einer Herbstdepression würden neben dem Betroffenen auch die gesamte Familie leiden. Trouw: „Partner und Kinder werden mit runtergezogen. Die Belastung ist enorm.“

Der Experte rät Herbstdepressiven zu körperlicher Bewegung. „Ein langer Spaziergang kann schon viel bewirken. Frische Luft hilft und regt an.“ Viele würden in der Natur auch merken, dass die dunkle Jahreszeit gar nicht so schlimm sei. Zudem gebe es auch Lichttherapien und Medikamente.

Therapiegruppe startet Ende November

Darüber hinaus bietet Trouw seit vielen Jahren eine Therapiegruppe an, die sich speziell an Herbst-/Winterdepressive wendet. „Von Ende November bis April treffen wir uns einmal wöchentlich zum Austausch.“ Vielen würde es bereits helfen, sich zu öffnen und darüber zu reden. „Zuerst ist da natürlich eine Hemmschwelle, überhaupt in die Gruppe zu gehen. Wenn man erst mal Mitglied ist, wird einem bewusst, dass man nicht alleine mit dem Thema ist.“

Seit 1996 findet sich bereits jedes Jahr aufs Neue eine Gruppe, die sechs bis acht Mitglieder umfasst. „Der Bedarf ist da. Wir reagieren mit dem Angebot.“ Nähere Informationen zu der Therapiegruppe, die Ende des Monats startet, gibt es im Psychologischen Beratungszentrum unter Telefon 0 49 61 /34 56.


0 Kommentare