Autobahn-Ausbau bei Heilbronn Riesenauftrag für Papenburger Bauunternehmen Bunte

Von Gerd Schade


Papenburg. Riesenauftrag für Johann Bunte: Das Papenburger Bauunternehmen hat als Teil eines Konsortiums mit dem Essener Baukonzern Hochtief den Zuschlag für den sechsspurigen Ausbau und Betrieb der Autobahn 6 bei Heilbronn erhalten. Das Gesamtinvestitionsvolumen für das Projekt umfasst rund 1,3 Milliarden Euro. Die Bauarbeiten sind mit 600 Millionen Euro veranschlagt.

Dafür soll die A 6 zwischen der Anschlussstelle Wiesloch/Rauenberg und dem Autobahnkreuz Weinsberg in Baden-Württemberg auf einer Länge von 25,5 Kilometern in mehreren Abschnitten bei laufendem Verkehr durchgängig auf sechs Spuren verbreitert werden. Dazu gehört der Neubau der Neckartalbrücke. Das 1,3 Kilometer lange Bauwerk zwischen Heilbronn/Untereisesheim und Neckarsulm ist die größte Einzelbaumaßnahme des Projektes.

Das im Rahmen einer öffentlichen-privaten Partnerschaft (ÖPP) besiegelte Vorhaben umfasst nach Bunte-Angaben zudem den Betrieb und den Erhalt der A 6 auf einer Gesamtlänge von 47,2 Kilometern. Demnach wird das Konsortium den Autobahnabschnitt bis zum Vertragsende im Jahr 2046 betreiben. Das bedeutet, dass dem privaten Partner 30 Jahre lang die gesamten Maut-Einnahmen auf dem Streckenabschnitt überwiesen bekommt. Bei einer ÖPP handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem Bund und privaten Bauträgern. Der endgültige Vertragsabschluss wird für Dezember erwartet. Die Bauarbeiten sollen Anfang 2017 beginnen und im Sommer 2022 fertiggestellt werden. Das Konsortium besteht aus insgesamt drei Partnern. Außer Bunte und Hochtief sitzt das Finanzierungsunternehmen DIF Infrastructure mit im Boot. Zusammen firmieren sie unter dem Namen ViA6West.

Auftrag sichert Vollbeschäftigung

„Wir sind hocherfreut, dass wir mit der BAB A6 Wiesloch – Weinsberg ein weiteres bedeutendes Infrastrukturprojekt für die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft bauen dürfen und so eine schnelle und flexible Realisierung der notwendigen Zurverfügungstellung von Infrastruktur ermöglichen“, erklärte Manfred Wendt, geschäftsführender Gesellschafter der Johann Bunte Bauunternehmung, am Freitag in einer Pressemitteilung des Unternehmens. „Damit sichern wir neben der Vollbeschäftigung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch die Auslastung unserer Maschinen- und Gerätekapazitäten.“

Für Bunte ist die A 6 nach eigenen Angaben nach dem Ausbau der A 1 zwischen Bremen und Hamburg sowie „etlichen kommunalen Landesstraßenbauprojekten bereits das fünfte ÖPP-Infrastrukturprojekt. Für die Bauausführung werden dem Unternehmen zufolge die Bunte-Niederlassungen Frankfurt/Main und Süd/Hengersberg (Bayern) sowie der Brücken- und Ingenieurbau aus Ahaus verantwortlich sein.

36 Brücken werden erneuert

Wie das baden-württembergische Verkehrsministerium mitteilte, können mit dem Zuschlag nach Ablauf der Einspruchsfrist für die unterlegenen Bieter nun die noch notwendigen Finanzierungsverträge mit den Banken abgeschlossen werden. Anschließend werde der Projektvertrag mit dem Regierungspräsidium Stuttgart besiegelt. Allein das Vergabeverfahren hatte dem Ministerium zufolge zwei Jahre gedauert.

Außer des exakt 1337 Meter langen Neckartalübergangs werden weitere 35 Brücken erneuert. Hinzu kommen unter anderem rund 13 Kilometer Lärmschutzwände und 17 Anlagen zur Behandlung von Regenwasser. Zu Beginn der Bundesgartenschau in Heilbronn im Frühjahr 2019 wird laut Ministerium der gesamte Verkehr im Bereich des Neckartalübergangs provisorisch sechsspurig geführt.

Verkehrsministerium skeptisch

Wie es aus dem von Winfried Hermann (Grüne) geführten Ministerium weiter heißt, hatte sich das Land nach eigener Darstellung im Vorfeld der Planungen für eine rein staatliche Finanzierung des Autobahnausbaus ausgesprochen. Gegenüber dem Bund habe es seine grundsätzlichen Bedenken gegenüber ÖPP „als Beschaffungsvariante beim Bau von Bundesfernstraßen“ auch mehrfach geäußert. Die grundsätzliche Entscheidung, ob eine solche Straße als ÖPP-Projekt realisiert wird, treffe jedoch alleine der Bund. „Letztendlich muss sichergestellt sein, dass ein ÖPP-Modell am Ende für die öffentliche Hand nicht teurer ist als eine konventionelle Realisierung. Die Bundesregierung sieht die bisherigen Erfahrungen mit den ÖPP-Modellen positiv. Der Bundesrechnungshof hat demgegenüber die Wirtschaftlichkeit einzelner ÖPP-Projekte infrage gestellt“, betont Hermann.

Empfindliche Strafen drohen

Für den Fall einer Verzögerung des Bauprojekts drohen nach Angaben des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart empfindliche Vertragsstrafen. Sie können bis zu zehn Millionen Euro betragen, sagte ein RP-Sprecher der „Heilbronner Stimme“. Demnach würden die Strafen nach Zeitdauer und entstandenem Schaden berechnet.