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Wieder Brand auf „Norwegian Joy“ Ursache für Feuer auf der Meyer Werft noch unklar


Papenburg. Nach dem zweiten Brand auf dem Rohbau des Kreuzfahrtschiff-Neubaus „Norwegian Joy“ auf der Papenburger Meyer Werft soll die Ursachenforschung am Montag beginnen. Die Arbeiten auf dem Luxusliner sind nach Angaben der Werft vorerst eingestellt.

Anders als am 28. September war das Ausmaß des Feuers auf der „Norwegian Joy“ am Samstag weitaus größer. Auf der Werft herrschte Großalarm. Nach Angaben der Feuerwehr brannte es diesmal auf mehreren Decks. Zu Ursache und Schadenshöhe gab es am Wochenende zunächst keine Angaben. Verletzt wurde niemand.

Seit kurz vor 8 Uhr am Samstagmorgen drang Rauch aus der Baudockhalle II und zog über das Gebäude hinweg, in dem zurzeit die 326 Meter lange und 41 Meter breite „Norwegian Joy“ für die US-amerikanische Reederei Norwegian Cruise Line entsteht. Nach Angaben von Werft und Polizei brach das Feuer auf Deck 9 auf dem Balkon einer Schiffskabine aus. Von dort breitete es sich offenbar schnell aus. Die Halle wurde evakuiert. Die Werkfeuerwehr alleine konnte den Brand nicht unter Kontrolle bringen.

130 Feuerwehrleute

Außer ihr wurden deshalb die Freiwilligen Feuerwehren aus Papenburg, Aschendorf und Weener alarmiert. Nach Angaben von Stadtbrandmeister Josef Pieper waren rund 130 Feuerwehrleute im Einsatz. Hinzu kamen mehrere Dutzend Rettungskräfte des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Roten Kreuzes sowie Polizisten. Zum Einsatz kam auch die Technische Einheit des Landkreises Emsland.

„Unmittelbar nach der Meldung des Feuers waren die Werkfeuerwehr und alle verfügbaren Feuerwehren und Rettungskräfte der Werft und der Umgebung im Einsatz, um den Brand zu löschen“, teilte Werftsprecher Peter Hackmann in einer ersten Presseerklärung des Unternehmens mit. Nach Angaben der Polizei war das Feuer gut eine Stunde nach dem ersten Alarm gegen 9.20 Uhr gelöscht. „Die Betriebsfeuerwehr sowie die übrigen Feuerwehren und Rettungskräfte konnten das Geschehen unter Kontrolle bringen“, erklärte Hackmann. Einsatz und Absicherung der Brandstelle dauerten jedoch an.

Stadtbrandmeister Pieper zufolge flammte das Feuer an verschiedenen Stellen immer wieder auf. „Wir rechnen damit, dass wir noch den ganzen Tag mit den Kameraden hier sein werden, um die betroffenen Decks im Schiff Stück für Stück auf Glutnester oder andere Gefahrenstellen zu untersuchen“, sagte Pieper am Vormittag. Das dauerte mehrere Stunden.

Mit zwei Drehleitern war die Feuerwehr in die Baudockhalle gefahren, um die Brandstellen in rund 15 Metern Höhe und damit schwer zugänglich von außen löschen zu können. Starke Rauchentwicklung erschwerte die Arbeiten. „Außerdem gehen wir das Feuer von innen mit Löschtrupps unter Atemschutz an“, so Pieper weiter. Dabei gingen stets Feuerwehrleute der Papenburger Wehren mit ihren Kollegen von der Werkfeuerwehr gemeinsam vor. „Die kennen sich auf dem Schiff am besten aus und können unsere Kameraden dann leiten“, sagte Pieper.

Der Stadtbrandmeister betonte die sehr gute Zusammenarbeit der Wehren insbesondere mit der Werkfeuerwehr. „Wir arbeiten auch gerade bei solch schwierigen Einsätzen immer Hand in Hand. Dafür üben wir mehrfach im Jahr und auch bei vergangenen Einsätzen hat sich die Kooperation aller Feuerwehrkameraden stets bewährt“, so Pieper.

Wie der Stadtbrandmeister am Sonntag auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, war der Einsatz für die Feuerwehr gegen 17 Uhr beendet. „Zur Ursache kann ich derzeit noch nichts sagen. Da werden die Ermittlungen erst in den kommenden Tagen Ergebnisse zeigen“, sagte Pieper.

Bereits Ende September hatte es auf der „Norwegian Joy“ gebrannt. Seinerzeit war es bei Schweißarbeiten an Bord zu einem Verteilerbrand mit starker Rauchentwicklung gekommen. Das Feuer war Hackmann zufolge relativ schnell unter Kontrolle gewesen und habe mit eigenen Kräften der Werksfeuerwehr gelöscht werden können. Die Schadenshöhe des ersten Feuers wurde seitens der Werft grob auf 50.000 Euro geschätzt. Auch 2013,2013,2014 und 2015 hatte es bei Meyer Brände auf Rohbauten für Kreuzfahrtschiffe gegeben.

Die im April 2016 auf Kiel gelegte „Norwegian Joy“ soll im Frühjahr 2017 an die US-Reederei Norwegian Cruise Line abgeliefert werden. Sie verfügt über 2100 Kabinen und wird Platz für 4200 Passagiere bieten. Der Luxusliner, der ausschließlich für den chinesischen Kreuzfahrtmarkt vorgesehen ist, ist nach der im vergangenen Jahr abgelieferten „Norwegian Escape“ das zweite Schiff der „Breakaway-Plus“-Klasse. In den Jahren 2018 und 2019 folgen zwei weitere Schiffe dieser Baureihe. Insgesamt sind elf der derzeit 14 Kreuzfahrtschiffe in der Flotte der Norwegian Cruise Line auf der Papenburger Meyer Werft gebaut worden.




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