Hendrik Korte Erntekönig Erntedank in Aschendorf-Moor mit Milchpreis-Kritik

Von Dirk Hellmers und Hermann-Josef Döbber

Kritik an der Milchpreis-Politik wurde an mehreren Wagen zum Ausdruck gebracht. Foto: Dirk HellmersKritik an der Milchpreis-Politik wurde an mehreren Wagen zum Ausdruck gebracht. Foto: Dirk Hellmers

dhe/döj Aschendorf-Moor. Angeführt von einer Kutsche hat der Ernteverein Aschendorfermoor seinen traditionellen Umzug gestartet. Angeprangert wurden bei der herbstlichen Parade unter anderem die niedrigen Milchpreise.

„Soll ich die Milch verkaufen oder lieber selber saufen“, hieß es auf einem der Wagen. Gezeigt wurde dazu ein Bauer, der in bester „Ballermann-Manier“ aus der Kanne trank. Am Ende des Trosses rechnete die Katholische Landjugend Papenburg auf ihrem Anhänger vor: Abzüglich Kalb (5 Cent), Stellplatz (14 Cent), Grundkosten (21 Cent), Futter (10 Cent) würde am Ende ein Verlust von neun Cent gemacht.

Protestiert wurde aber nicht auf jedem Wagen. Einige junge Leute tanzten zu lauter Musik auf ihren Anhängern. Auf anderen Fahrzeugen gab es Bauernweisheiten wie: „Äpfel rot und rund halten den Wurm gesund“ oder „Nicht traurig sein, nach Regen folgt Sonnenschein.“

Die Wagen hatten vier Gruppen des Erntevereins sowie neben der Landjugend mit zwei Fahrzeugen der Männergesangverein (MGV) Aschendorfermoor und der Soziale Ökohof St. Josef gestaltet. Die Zuschauer an den Straßen sparten bei der Vorbeifahrt der Wagen nicht mit spontanem Applaus und Komplimenten. Bewundert werden konnten fast alle Fahrzeuge auch am Sonntag während des Bauernmarktes auf dem Papenburger Mühlenplatz.

Nach einer von Pastor Gerrit Weusthof vor der Kapelle St. Anna unter Mitwirkung des MGV und Kindern der Dieckhausschule gehaltenen Andacht setzte sich der Erntekorso unter der Leitung von Sascha Nee, der vor zwei Jahren die Organisation von Paul Scharner übernommen hat, in Bewegung.

Am Abend trafen sich die Umzugsteilnehmer mit Gästen im Restaurant Gutshof zum Tanz unter der Erntekrone. Beim öffentlichen sogenannten Ernteball wählten die Wagenbauer den schönsten Festwagen, wobei der eigene Wagen nicht bewertet werden durfte. Die meisten Stimmen vereinte für seinen Wagen Hendrik Korte auf sich. Er war damit Erntekönig, seine Freundin Nane Blekker erwählte er zur Erntekönigin. Sie traten die Nachfolge des letztjährigen Erntekönigspaares Michael Gehrke und Doris Wübben, die inzwischen durch Eheschließung Doris Gehrke heißt, an.

Die Anfänge eines Erntedankfestes „im Moor“ gehen bis 1954 zurück. In jenem Jahr waren Elisabeth Schrameyer, im Volksmund „Schraomeyers Liese“ genannt, und Otto Rust, ab 1947 Hauptlehrer an der Volksschule Aschendorfermoor, das erste Erntekönigspaar. Seitdem werden mit diesem Fest alljährlich die Kontakte zwischen Alt-Aschendorfermoor und der um 1950 herum angelegten Siedlung Aschendorfermoor gewahrt.