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Amtsgericht Papenburg zeigt Härte Betrug mit Kleinanzeigen: 26-Jähriger muss in Haft

Unter anderem über das Portal eBay Kleinanzeigen bot der Angeklagte Waren an, die er gar nicht besaß. Nun muss er in Haft. Symbolfoto: David EbenerUnter anderem über das Portal eBay Kleinanzeigen bot der Angeklagte Waren an, die er gar nicht besaß. Nun muss er in Haft. Symbolfoto: David Ebener

Papenburg. Ein 26-Jähriger aus dem nördlichen Emsland ist vom Amtsgericht Papenburg zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Er hatte in mindestens zehn Fällen Artikel über das Internet verkauft, die er gar nicht besaß.

Er gab an, spielsüchtig zu sein und dafür das Geld verwendet zu haben. Allerdings nutzte er die Einnahmen auch, um seine Schulden zu begleichen.

Aus der Anklageschrift ging hervor, dass er zwischen August 2015 und Januar 2016 in zehn Fällen über Ebay Kleinanzeigen und die Flohmarktapp Shpock teure Reifen mit Felgen, Smartphones, DJ-Equipment und eine Digitalkamera für insgesamt 11220 Euro verkauft hatte, die er gar nicht besaß. Die Geschädigten kamen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Der Angeklagte schilderte vor Gericht ausführlich, wie es dazu gekommen war. Im April 2014 war er nach zweieinhalb Jahren Haft vorzeitig entlassen worden, zu der war er 2011 wegen diverser Betrugssachen, unter anderem mit EC-Karten und über das Internet, verurteilt worden. „Eine sehr intensive zeit, die Haft hat mich beeindruckt“, sagte der Angeklagte. Mit Hilfe der Bewährungshelferin regelte er danach seine Vermögensverhältnisse. Im Dezember 2014 begann ein Privatinsolvenzverfahren, er fand eine unbefristete Festanstellung und zahlte sogar mehr zurück, als er laut Pfändungsfreigrenze musste. Seine Spielsucht bekam er allerdings nicht in Griff. „Es war für mich ein Rückzugsort, wenn der familiäre Druck zu groß wurde“, schilderte der 26-Jährige, der in einer festen Beziehung und mit engem Kontakt zur Mutter lebte.

Mit „Schneeballsystem“ Löcher gestopft

Um „Löcher zu stopfen“, entwickelte sich über den Betrug mit Kleinanzeigen eine Art „Schneeballsystem“. Mit Einnahmen aus dem einen Fall wurden Geschädigte aus anderen Fällen entschädigt. Irgendwann brach das System zusammen, er traute sich seiner Bewährungshelferin an und gestand alle elf Fälle. Ebenfalls mit ihrer Hilfe fand er einen Therapieplatz, die er im Frühjahr 2016 auch hinter sich brachte. Nach Ermittlungen und Nachfrage des Staatsanwaltes kam dann aber vor Gericht heraus, dass er während und nach dieser Therapie erneut zwei Betrugsfälle über Kleinanzeigen getätigt hatte, die er auch einräumte. Beide Fälle kannte die Bewährungshelferin noch nicht, die daher ihre günstige Sozialprognose, die sie bei der Verhandlung verlesen hatte, auch einschränkte.

Der Staatsanwalt wertete zwar das Geständnis, die Therapie, die sichere Arbeitsstelle und das positiv laufende Insolvenzverfahren als strafmildernd, dennoch sei wegen der erheblichen Vorstrafen und der weiteren Fälle nach der Therapie eine Bewährungsstrafe aus seiner Sicht nicht möglich. „Die erneuten Taten sind Ausdruck fehlendem Unrechtsbewusstsein und verwischen den ansonsten guten Eindruck. Man muss die Öffentlichkeit vor weiteren Straftaten von Ihnen schützen.“ Er forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung.

Verteidiger fordert Aussetzung zur Bewährung

Der Verteidiger forderte, die positive Sozialprognose höher zu bewerten und plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Er machte deutlich: „Wenn er jetzt in Haft muss, wird er die Arbeitsstelle verlieren. Dann bekommt kein Gläubiger mehr sein Geld.“ Ohnehin würde die Leichtgläubigkeit vieler Menschen bei Vorkasse ohne Sicherungsmaßnahmen derartige Betrügereien erheblich erleichtern.

Richter Harald Deeken machte deutlich, dass eine Bewährungsstrafe im Rahmen des Ermessensspielraums möglich gewesen wäre, das Gericht dennoch davon absieht. Grund seien insbesondere die beiden eingeräumten Taten nach der Therapie, die erheblichen Vorstrafen sowie die Anzahl und die Höhe des Schadens.

Eine Berufung gegen das Urteil ist möglich.


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