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Weil und Lammert zu Gast 150 Jahre IHK: Festakt mit über 400 Gästen in Papenburg

Von Gerd Schade


Papenburg. Eine „bärenstarke Verfassung“ mit guter Zukunftsprognose hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg beim Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Kammer bescheinigt.

Vor mehr als 400 geladenen Gästen in der Alten Kesselschmiede in Papenburg fanden aber sowohl der Landesvater als auch die anderen Redner, allen voran Bundestagspräsident Norbert Lammert, nachdenkliche Worte. Dabei gab sich der CDU-Politiker zunächst durchaus launig. „Es gibt viele Möglichkeiten, ein Jubiläum durch einen Festvortrag zu ruinieren“, sagte der 57-Jährige.

Dann aber wurde er ernst. Lammert stellte fest, dass die Menschheit im Zeitalter der Globalisierung mit ihren „beiden wichtigsten Treibsätzen“ – der Informationstechnologie und einem Höchstmaß an Mobilität – in eine neue Epoche der Wirtschaftsgeschichte eingetreten sei. Inzwischen sei jeder ökonomisch relevante Platz auf dem Globus innerhalb von 24 Stunden zu erreichen. „Wir haben einen Entwicklungssprung gemacht, hinter den wir nie wieder zurückkönnen“, betonte Lammert. Das Gegenstreben nach Regionalismus oder gar Lokalismus bezeichnete er als falsch. Vielmehr sei in einem Zeitalter, in dem es keine Nationalökonomien mehr gebe, die viel gescholtene Europäische Union die beste Antwort. Umso fataler sei der Austritt Großbritanniens aus der EU – für Europa ein erhebliches Problem, für England „eine schiere Katastrophe“. Als Fehlentwicklung bezeichnete Lammert überdies die enorm gewachsene Bedeutung der Finanzwirtschaft („virtuell“) gegenüber der Güterwirtschaft („real“). Und doch sei aber gerade Deutschland in der Lage, die Herausforderungen zu meistern – im Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft.

Ministerpräsident Weil attestierte der IHK im Vergleich zu anderen Kammern eine „unheimlich dynamische Aufholjagd“ in den vergangenen Jahren. Längst sei der Bezirk nicht mehr nur von Landwirtschaft und Tourismus geprägt. Mit der Automobilindustrie (VW Emden), der maritimen Wirtschaft (Meyer Werft Papenburg) und auf dem Energiesektor (Enercon Aurich) zeichne sich die IHK durch ein breites Segment wirtschaftlicher Betätigung aus. Hinzu kämen zahlreiche starke kleine und mittlere (Familien-)Unternehmen, die durch Loyalität und Verbundenheit mit ihrem Standort geprägt seien.

Im Hinblick auf den inzwischen beigelegten Zuliefererstreit bei VW betonte Weil, dass dieses Beispiel keine Schule machen dürfe. In Emden hätten plötzlich 8000 Mitarbeiter gespürt, dass die Arbeit ausgeht. „Sie wurden Opfer eines Konfliktes, für den sie nichts konnten. Das hinterlässt ein deutliches Unbehagen“, sagte der Ministerpräsident. Was die Umsetzung des umstrittenen Masterplans Ems betrifft, versprach Weil, intensiv daran zu arbeiten, dass auch künftig die Schiffe der Meyer Werft über die Ems überführt werden können.

„Die Ems ist unsere Lebensader, und wir werden alles dafür tun, dass sie weiter pulsiert“, betonte IHK-Präsident Wilhelm-Alfred Brüning. Er gab sich anlässlich des Jubiläums milder gestimmt als sonst. Und doch brachte er unter anderem sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass es mindestens fünf Jahre dauern soll, bis die Ende 2015 zerstörte Friesenbrücke bei Weener wiederhergestellt ist. Aber auch darüber hinaus gebe es „etliche dicke Bretter, die wir weiter bohren müssen“.

Für musikalische Unterhaltung sorgten die bereits mehrfach preisgekrönte Violinistin Elena Meyer (13) sowie die Saxofonisten Linus Eckel (18) und Tim Molkewehrum (18) aus Emden. Die Festgäste ließen den Abend bei einem sommerlichen Grillbuffet vor der Kesselschmiede ausklingen.