Ein Stück Obenender Geschichte Abriss des Antoniusstiftes in Papenburg steht an

Von Hermann-Josef Tangen

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Papenburg. Mit dem Abriss des Antoniusstiftes in der Umländerwiek verschwindet ein weiteres geschichtsträchtiges Bauwerk aus dem Stadtbild des Papenburger Obenendes. Am kommenden Montag rollen die Bagger an, um das 1931 im Schatten der St. Michaelskirche errichtete Haus dem Erdboden gleich zu machen. Das Antoniusstift steht seit zwei Jahren leer und kann nach Aussage des Stift-Kuratoriums aufgrund seines maroden Zustandes nicht weitergenutzt werden.

83 Jahre lang hatte das zwischen Pfarrhaus und Don-Bosco-Heim gelegene, in gestalterischer Hinsicht eher unauffällige Gebäude der Pflege und der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, als Treffpunkt für Einkehrtage und Gruppenstunden sowie bis 2014 als Wohnung für Schwestern des Thuiner Franziskanerordens gedient.

„Nach eingehender Prüfung durch Sachverständige müssen wir leider feststellen, dass eine Weiternutzung auf bisherige Weise nicht möglich ist“, bedauert Pfarrer Heiner Lohe, der Vorsitzender des sechsköpfigen Kuratoriums ist. Ausführliche Gespräche mit den zurate gezogenen Fachleuten des Bistums Osnabrück hätten ergeben, dass ein Neubau zur Realisierung des Stiftungszweckes unumgänglich sei.

Stiftungszweck schreibt Erhaltung des Stifungsvermögens vor

Da der Stiftungszweck die Erhaltung des Stiftungsvermögens sowie die Förderung caritativer Aufgaben in der Gemeinde vorschreibt, falle der Rolle des Investors bei der geplanten Neubaulösung eine besondere Bedeutung zu. Das Kuratorium hat Lohe zufolge Verhandlungen über die künftige Nutzung aufgenommen. Eine Bau-Voranfrage sei bereits auf den Weg gebracht worden, teilt er auf Nachfrage mit, ohne jedoch konkret zu werden. Einzelheiten zu den Plänen und den zeitlichen Abläufen werde man erst nach den behördlichen Genehmigungen bekannt geben.

Initiator und Namensgeber des Antoniusstiftes ist Dechant Anton Schulte, der einen Großteil seines geerbten Vermögens für den Bau des Hauses stiftete. Der Geistliche war von 1864 bis 1871 Vikar und von 1890 bis 1913 Pfarrer in St. Michael und hatte sich in der Zeit seines Wirkens nicht nur seelsorgerisch, sondern auch finanziell in hohem Maße für die Obenender Kirchengemeinde engagiert. Er starb im Jahr 1915. Erst 16 Jahre später wurde die St. Antonius-Stiftung gemäß der testamentarischen Verfügung Schultes zum, so wörtlich, „Zwecke der Nächstenliebe in der Pfarrgemeinde ad St. Michaelem“ eröffnet.

46.000 Mark zur Errichtung des Stifts aus privater Hand

In der von Wilfried Nee verfassten Kirchenchronik zum 100-jährigen Bestehen der St. Michael-Kirche im Jahr 2011 heißt es, dass über die von Dechant Schulte bereitgestellten 46.000 Mark hinaus auch staatliche Zuschüsse in die Errichtung des Gebäudes geflossen sind. Neben einer Schwesternwohnung waren Räume für die medizinische Versorgung der Bevölkerung mit „Höhensonnenanlage, Mütterberatungsstation, Wannenbäder und großangelegter Brausebadanlage“ untergebracht.

Die Brausebadanlage stand vormittags den Schulkindern zur Verfügung und diente an den Nachmittagen „gegen wenigen Pfennigen Entgelt der gesamten Bevölkerung als Volksbrausebad“. Neben Reinigungsbädern gab es auch vom Arzt verordnete medizinische Bäder. Als sich der seit 1882 am Obenende befindliche Schwesternkonvent wegen der zeitweiligen Bereitstellung von Schwestern für die Pfarrseelsorge 1939 vergrößern musste, erfolgten erste Umbaumaßnahmen.

Lazarett im Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Antoniusstift kurzzeitig als Lazarett, 1948 weihte man dort eine kleine Kapelle ein, die bis vor zwei Jahren durch das Schwesternkonvent Thuine und von verschiedenen Gruppen der Gemeinde für Gottesdienste genutzt wurde. In den 1950er Jahren war der Badbereich zu einem Versammlungsraum umgebaut worden.

1978 wurde die ambulante Station des Antoniusstiftes der Caritas-Sozialstation Papenburg/Rhede angeschlossen, später gehörte die Ambulanz dann der ordenseigenen Station „Häusliche Kranken- und Altenpflegestation St. Barbara“ in Heede an und ging 2004 wieder zurück an die Caritas. Bis zur Schließung der Ordensniederlassung der Franziskanerinnen am Obenende im Juni 2014 arbeiteten die Schwestern Johannetta Lehmkuhl und Ingeburga Brand-Kruth dort in der ambulanten Krankenpflege und Schwester Reingard Fenbert in der hauswirtschaftlichen Betreuung.


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