Steam = Dampf, Punk = Individualität Papenburger Steampunker reisen in die Zeit um 1850

Von Nina Brinkmann


Papenburg. Die Steampunk-Familie Papenburg hat kürzlich ein Tea-Pott-Racing auf einem Steampunk-Festival in Osnabrück organisiert. Doch was sind Steampunk und Tea-Pott-Racing überhaupt?

Ideengeber für den Steampunk ist Helga Korporal zufolge der französische Autor Jules Verne, der mit seinen Romanen wie „Reise um die Erde in 80 Tagen“ eine eigene Welt erschaffen hat. In diese Welt „reisen“ die Steampunker, sobald sie ihre aufwendig dekorierten Kostüme anziehen.

Große Kreativität und Individualität

„Von unseren ‚Reisen‘ bringen wir immer wieder Dinge mit, die wir in unsere Erfindungen und in die Kostüme einarbeiten“, erklärt Lothar Niwa. Die Erfindungen sind einfallsreich: Von einer „Denksaft-Maschine“ über ein „Dampf-Duft-Radio“ bis hin zu der „Bonbon-Gebe-Maschine“. An Kreativität mangelt es der Papenburger Gruppe definitiv nicht. Üblicherweise sind diese Geräte mit Dampf angetrieben, wie fast alles zur Zeit der Industrialisierung im Viktorianischen Zeitalter um das Jahr 1850, in der die Steampunk-Welt meist spielt. Daher auch der Name: Steam steht für Dampf, Punk für Individualität.

Individuell ist auch die Idee des Tea-Pott-Racings, das seinen Ursprung in Neuseeland hat. Auf einer Steampunk-Convention in Osnabrück haben die Papenburger das erste German-Splendid-Tea-Pott-Racing veranstaltet. Dieses ist ein Zeitrennen durch einen vorgegebenen Parcour mit ferngesteuerten Autos, die einen Teekessel oder andere Tee-Accessoires mit sich führen müssen. Der Kreativität des Einbaus der Tee-Bestandteile sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Schnelligkeit und Show-Effekt zählen

Bewertet wird anschließend neben der Schnelligkeit auch die Show, die der Pilot des Tea-Pott-Autos während der Fahrt bietet. Außerdem ist die Bestechung der Jury ein fester Bestandteil. „Da kann alles dabei sein. Von Komplimenten über Geschenke – Hauptsache es ist einfallsreich“, so Petra Kellersmann. Gewonnen hat nach einer Punktevergabe in diesem Jahr die Papenburgerin Helga Korporal mit ihrem Tea-Pott-Racer. Niwa hat den Publikumspreis für das schönste Fahrzeug gewinnen können.

Diese Individualität der Steampunker spiegelt sich auch in der Mode wieder, die ebenfalls an die Viktorianische Zeit angelehnt ist. Zu den typischen Merkmalen gehören Taschenuhren, Zahnräder, Schweißerbrillen und Ferngläser – alles in Gold- und Kupfertönen gehalten. „Reste aus alten Dingen verbauen wir in unseren Erfindungen oder in unserer Kleidung“, erklärt Kellersmann. „Aus Schrott entsteht etwas Neues“, ergänzt Lothar Niwa.

Gruppe besteht seit 2013

Beide gehören zusammen mit Korporal und Thomas Großmann zu den Gründungsmitgliedern der Papenburger Steampunk-Familie, dem Dampfzirkus, der seit 2013 besteht. Einzigartig sind neben den Kostümen, auch die Künstlernamen der Familienmitglieder. So lautet Kellersmanns Name in der Steampunk-Welt zum Beispiel Perpetua Emmeline Pankhurst. Angelehnt an ihren eigenen Namen und an den der britische Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst, die zu der Viktorianischen Zeit gelebt hat.

Um ein richtiges Steampunk-Outfit zu erstellen, dauert es. Löten, Kleben, Schrauben, Nähen: Viel gehört dazu, bis jedes Detail sitzt. Doch der Aufwand lohnt sich. Bereits bei ihrem ersten Festival-Besuch im Jahr 2013 waren die Papenburger ein beliebtes Fotomotiv. „Die Leute sind unzählige Male auf uns zugekommen und wollten Fotos von uns und unseren Kostümen machen. Da waren wir wirklich stolz“, berichtet Niwa. Besonders, weil sie ja eigentlich noch Anfänger gewesen seien.

Wohl bundesweit die größte Steampunk-Familie

Mittlerweile haben die Papenurger Steampunker 19 Mitglieder in ihrer Familie. Sie sind nach eigenen Angaben damit wohl die größte in ganz Deutschland. „Wir haben alle die gleiche Leidenschaft entwickelt“, so Niwa. Alles drei Monate gibt es ein großes Familientreffen im Arkadenhaus. Korporal erzählt, dass sie für ihr Hobby schon ein ganzes Zimmer eingerichtet hat. Bei Kellersmann ist es gleich eine ganze Etage: „Dort haben wir die Materialien für die Outfits und Erfindungen gesammelt und arbeiten sie weiter aus.“ Norbert Wolbers fasst zusammen ,was Steampunk für sie alle ausmacht: „Es ist einfach toll mal in eine andere Rolle zu schlüpfen.“


0 Kommentare