Ausverkauf in Papenburg Letzte Videothek im nördlichen Emsland schließt

Von Dirk Hellmers

Stöbern in den Regalen: Der Ausverkauf lockt Schnäppchenjäger in die Videothek. Foto: Dirk HellmersStöbern in den Regalen: Der Ausverkauf lockt Schnäppchenjäger in die Videothek. Foto: Dirk Hellmers

dhe Papenburg. Am 29. August 2016 endet eine Ära im nördlichen Emsland: Mit „World of Video“ in Papenburg schließt die letzte Videothek in der Region. Der Grund ist der massive Kundenrückgang im vergangenen Jahr.

Mit viel Herzblut hat das Ehepaar Thorsten und Silvia Feesche ihre Videothek an der Friederikenstraße in den vergangenen 15 Jahren betrieben. Nun ist bald Schluss. „Wir haben hier aufgeschlossen und wir schließen hier auch wieder ab“, sagt Thorsten Feesche. Der Ausverkauf der rund 10.000 Medien hat bereits begonnen. In den nächsten Wochen werden aber auch weiterhin die neuesten Blockbuster in den Regalen landen – zur Ausleihe, wie eh und je.

Das Ende der Videothek in Papenburg ist kein Einzelfall, erklärt Prokuristin Norma Matthes von Strassburg Video als Franchise-Anbieter der „World of Video“-Kette. Im vergangenen Jahr gehörten dem Unternehmen bundesweit noch 50 Ladenlokale an, nun sind es nur noch 30. Der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels hat im Jahresbericht 2015 noch 1212 Videotheken gelistet, davon 146 in Niedersachsen. Nur in Nordrhein-Westfalen (254) und Bayern (178) gab es zum Zeitpunkt der Messung mehr. Dem Verband gehören nach eigenen Angaben 80 Prozent der Unternehmen an. Aus dem Altkreis waren die City-Videothek in Werlte und die Familie Feesche noch dabei. Auf dem Hümmling wurde der letzte Film im Mai verliehen. In Papenburg soll die Ausleihe bis zum 27. August gehen. Die letzte Möglichkeit zur Rückgabe ist zwei Tage später.

Konkurrenz durchs Internet

Schuld am Aussterben der Branche ist die Konkurrenz aus dem Internet geworden, sagt Norma Matthes. Dort geht die Ausleihe per Klick oder Monatspauschale. „Den Rückgang haben wir in den letzten Jahren schon gemerkt“, erklärt sie. Unter anderem in Papenburg habe die Resonanz der Kunden in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal drastisch abgenommen.

Dabei hat es auch in der Friederikenstraße schon gute Zeiten gegeben. Als Feesche am 21. Dezember 2001 das erste Mal die Türen der Videothek mit einer Ladenfläche von 400 Quadratmetern öffnete, habe es allein in der Fehnstadt noch vier Konkurrenten gegeben. Nach einem halben Jahr folgte die Umstellung von VHS-Kassetten auf DVD. Der Übergang zur BluRay sei schleichend gekommen. „Wir haben immer schnell neue Technik hier gehabt.“ Zuletzt gab es auch mehrere Filme in 3D.

Zu den ersten großen Hits der Videothek gehörte „Der Schuh des Manitu“. Die Winnetou-Parodie von Bully Herbig aus dem Jahr 2001 war in 56-facher Ausführung im Regal. Eine Kopie von damals steht immer noch im Regal. Neuere Hits wie „Fack Ju Göthe 2“ und „Deadpool“ liegen rund 20-mal für den Kunden bereit. Neben den neuesten Streifen haben die Feschees auch Klassiker im Angebot von „James Bond“ über „Police Academy“ und „Ghostbusters“ bis zu „Vom Winde verweht“ und „Ben Hur“. Sie stehen nun alle zum Verkauf. Die nächste Videothek ist dann ab September der Empire Videoplast in Leer.


0 Kommentare