Ungekürzte Schnäbel Leitfaden hilft Hühnerhaltern Federpicken zu vermeiden

Von Birgit Waterloh

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Den neuen Managementleitfaden für Legehennenhalter präsentierten (von links) der Geflügelspezialist Dr. Peter Hiller von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Landwirt Ingo Mardink und Projektleiterin Inga Garrelfs. Foto: Birgit WaterlohDen neuen Managementleitfaden für Legehennenhalter präsentierten (von links) der Geflügelspezialist Dr. Peter Hiller von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Landwirt Ingo Mardink und Projektleiterin Inga Garrelfs. Foto: Birgit Waterloh

Wilsum. Damit Legehennenhalter eine gute Chance haben, zukünftig ihre Hühner mit ungekürzten Schnäbeln davon abzuhalten, sich womöglich gegenseitig zu Tode zu picken, gibt es nun einen sogenannten Managementleitfaden, der auf dem Hof von Ingo Mardink in Wilsum offiziell vorgestellt worden ist. Hintergrund ist, dass gemäß einer freiwillige Vereinbarung in der Geflügelbranche ab Januar 2017 in deutschen Ställen nur noch Legehennen mit intaktem Schnabel leben sollen.

Doch die Tiere reagieren sensibel auf kleinste Mängel oder Veränderungen im Stall. Das sogenannte Federpicken gehört zwar zu ihrem natürlichen Verhalten, findet dann aber verstärkt statt. Mit fatalen Folgen: Durch den spitzen Schnabel fügen sich die Tiere große Wunden zu. Dadurch kommt es zu vermehrten Todesfällen. Hier setzt der Managementleitfaden an. Zugrunde liegen dem 120 Seiten umfassenden Werk die Erfahrungen von 21 Legehennenbetrieben, darunter auch Geflügelhalter Bernhard Brand aus Dersum. Diese haben zwei Jahre lang an einem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Modell- und Demonstrationsvorhaben teilgenommen. Mit dem jetzt veröffentlichen Leitfaden habe man „ein Stück Zukunft geschrieben“, freute sich Hermann Hermeling, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachen.

Beschäftigungsmaterial im Stall haben

Projektleiterin Inga Garrelfs skizzierte einige wichtige Erkenntnisse aus der Praxis: So muss das Augenmerk verstärkt auf die Aufzucht der Legehenne gelegt werden. Auch die Zeit des Legebeginns erfordert besonderes Fingerspitzengefühl. Aufzüchter der Junghennen und die Legebetriebe sollten sich zudem besser absprechen und die Haltungsbedingungen anpassen. Während der Legeperiode benötigen die Tiere ein Futter, dass ihren Bedürfnissen genau angepasst ist. Wichtig ist es außerdem, die Tiere mit Picksteinen, Luzerneheu oder Mohrrüben zu beschäftigen. Das Stallklima und die richtige Beleuchtung sind weitere Themenfelder, die im Leitfaden ausführlich behandelt werden. Beispiele aus der Praxis sowie Checklisten runden den Leitfaden ab.

„Gewaltige Menge an Wissen generiert“

„Durch die Verteilung der Betriebe und unterschiedlichste Multiplikatoren konnten wir eine gewaltige Menge an Wissen generieren“, sagte Projektleiterin Garrelfs während der Vorstellung. Legehennenhalter Theo Veddern aus Wietmarschen räumte ein, für den eigenen Betrieb häufig betriebsblind zu sein. „Durch die Beratung konnte ich im Vorfeld schon vielen Problemen aus dem Weg gehen“, sagte er. Bernhard Brand aus Dersum empfand es als bereichernd, durch die Projektteilnahme auch die Probleme anderer Betriebe mit begleiten und dadurch profitieren zu können. Arnold Krämer, Leiter der Bezirksstelle Emsland der Landwirtschaftskammer Niedersachen, appellierte an die Landwirte, zukünftig unbedingt die ganze Komplexität der Erzeugung in den Blick zu nehmen. „Das eindimensionale Denken funktioniert nicht mehr“, sagte er. Hier helfe nur ein ganzheitlicher Ansatz.

Produktionskosten steigen um 0,3 Cent je Ei

Die ökonomische Seite des Ausstiegs aus dem Schnabelkürzen fasst Projektleiterin Garrelfs so zusammen: „Die Eierpreise müssen steigen, um mehr Tierschutz zu realisieren.“ Weil mehr Tiere sterben und auch der Aufwand im Stall deutlich steigt, fallen höhere Kosten von bis zu drei Cent je Ei an. „Hier fehlt die Umsetzung im Handel“, monierte Landwirt Bernhard Brand. Theo Veddern konnte indes beim Eierhändler inzwischen ein Plus von 0,3 Cent je Ei durchsetzen.

Der Managementleitfaden „Minimierung von Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen mit intaktem Schnabel“ ist kostenlos bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erhältlich.


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