Papenburger erlebt Kurioses Westfalenbahn-„Supportticket“ in Lathen keine Hilfe

Von Maike Plaggenborg

Auch in Papenburg hält die Westfalenbahn auf ihrer Emslandroute. Foto: Maike PlaggenborgAuch in Papenburg hält die Westfalenbahn auf ihrer Emslandroute. Foto: Maike Plaggenborg

Lathen. Der Papenburger Paul Adams hat Kurioses bei seiner Fahrt mit der Westfalenbahn von Lathen nach Papenburg erlebt. Statt eines Fahrscheins bekam er am Automaten ein Supportticket und auch die Durchsagen im Zug stifteten Verwirrung.

„Support“ ist das englische Wort für Hilfe oder auch Unterstützung. Paul Adams zieht im Lathener Bahnhof am Fahrkartenautomaten ein „Support-Ticket“ der Westfalenbahn, bekommt dafür aber weder Hilfe noch Unterstützung, wie er berichtet. Der Automat macht an diesem frühen Mittwochabend nicht so richtig mit. Adams will Geld für sein 7,70-Euro-Ticket nach Papenburg loswerden. „Frohgemut schob ich einen Zehneuroschein in den Schlitz“, schreibt Adams in seiner Beschwerde an die Westfalenbahn, das auch unserer Redaktion vorliegt. Aber die Maschine will von seinem Schein nichts wissen, spuckt diesen also wieder aus. Zwei weitere Male lässt der Bahnkunde mit dem Fahrrad diese Prozedur über das Gerät ergehen, bis dieses schließlich via Bildschirm ansagt, dass es keinen Zehneuroschein annimmt.

Das Problem mit dem Kleingeld

Bis dahin hat Adams schon einen schwierigen Weg durch das Menü des Automatensystems hinter sich gebracht. „Mal brauchte man im Bildschirm nur anzutippen, mal den dicken Daumen“, sagt Adams. Ein „Zurück“-Feld kann er nicht finden, muss den kompletten Vorgang also abbrechen, wenn er sich vertan hat. Im nächsten Schritt kann er Münzen in seinem Portemonnaie auftreiben – bei 7,40 Euro ist Schluss. 30 Cent fehlen also. „Natürlich war keiner vor Ort, den ich um Wechselgeld hätte bitten können“, denkt Adams in dem Beschwerdebrief zurück. Der Papenburger entwickelt einen Plan B und fährt in den Ort, kauft ein Wasser und bezahlt dies mit seinem Zehner. Zurück am Automaten startet er den nächsten Versuch mit einem Fünfeuroschein und drei Euro in Münzen. „Fehler im Bedienungssystem“ – oder so ähnlich habe der Automat dann angezeigt. Das Geld kommt zurück und dazu besagtes Support-Ticket mit einem 30-Cent-Guthaben.

„Support-Ticket“ befindet sich noch in der Entwicklungsphase

Nach Auskunft der Westfalenbahn befindet sich dieser besondere Fahrschein „noch in der Entwicklungsphase“. Und das ist sein Zweck: „Es dient dazu, dem Kunden bei einer Fehlfunktion des Automaten eine schnelle Abhilfe zu schaffen“, teilt André Rahmer, Sprecher des Unternehmens auf Anfrage mit. Dass das Ticket bei Kunden Fragen aufwirft, kann Rahmer verstehen, denn diese Serviceoption sei „bei vielen anderen Verkehrsunternehmen nicht vorhanden“. Fahrgäste sollen sich dann an die 24-Stunden-Infohotline wenden. Bleibt noch die Frage nach der englischen Bezeichnung. „Der Name ‚Support-Ticket‘ versteht sich derzeit noch als Arbeitstitel. Wir planen, diesen mit einer Software-Aktualisierung zeitnah zu ändern“, so Rahmer weiter – dann bekomme das Ticket auch „Informationstext, der die Handhabung des Tickets erklärt“.

Endlich passendes Kleingeld, dafür falsche Ansagen

Als Adams am Bahnsteig steht, versteht er das nicht. Mithilfe inzwischen weiterer eingetroffener Kunden am Bahnsteig kann er sich das passende Hartgeld und auch Ticket besorgen. Das aber ist noch nicht alles, denn irgendwann erreicht Adams Zug Lathen „mit ein paar Minuten Verspätung“. Er steigt ein, „nicht ahnend, dass meine Erlebnisse mit der Westfalenbahn noch nicht zu Ende waren“. Der nächste Halt ist planmäßig in Dörpen. Das sagt auch die Ansage im Zug und auch: „Ausstieg in Fahrtrichtung rechts“.

Erst Dörpen, dann wieder Aschendorf

Noch nicht in Dörpen angekommen, ändert der Ansagenapparat seine Meinung: „Nächster Halt Aschendorf, Ausstieg in Fahrtrichtung links“. Adams hofft indes auf die Ortskundigkeit der Fahrgäste. „Die Leute werden ja wohl wissen, wo wir sind“. Wer nicht aus der Gegend kommt, hat wohl spätestens bei der nächsten Ansage nach dem inzwischen vollzogenen Halt in Dörpen verloren: „Nächster Halt: Dörpen“. Kurz vor Aschendorf ertönt dann der Hinweis, die Gäste mögen in Fahrtrichtung rechts aussteigen. „Nanu!“, habe Adams da gedacht. „Sollen die Leute in Aschendorf tatsächlich nach rechts in das Schotterbett aussteigen?“ Tatsächlich habe das eine junge Frau versucht, bis sie auf seinen Zuruf „links aussteigen“ den Weg nach draußen gefunden habe.

Bei falscher Ausstiegsansage „einfach umdrehen“

In der Regel würden die Triebfahrzeugführer die ansonsten automatisierten Ansagen manuell korrigieren, sagt Rahmer von der Westfalenbahn zur Erklärung. Grundsätzlich beseitigen will das Unternehmen den Fehler auch hier mit einem Software-Update. Für den Fall, dass ein Fahrgast nicht rechtzeitig aus dem Zug gelangt, weil er versucht, auf der falschen, aber durchgesagten Seite, auszusteigen, empfiehlt die Bahn kurzerhand: „Ein einfaches Umdrehen im Zug sollte dieses genannte Szenario lösen“.

Bereits Kritik im Februar

Ein Antwortschreiben hat Adams bisher noch nicht bekommen. Rahmer zufolge dauert das sieben bis 14 Tage. Zuletzt war die Westfalenbahn im Februar in die Kritik geraten, weil Kunden wegen des Fahrens ohne Fahrschein 60 Euro zahlen sollten, obwohl keiner der Automaten auf der Emslandstrecke funktioniert hatte und ein Fahrscheinkauf im Zug ebenfalls nicht möglich gewesen war. Auf Anfrage teilte Rahmer nun aber mit, dass auf der Strecke Münster-Emden Außenhafen – das ist die Linie RE 15 – 32 Automaten in Betrieb seien. Bei 17 Haltestellen auf dieser Route ergibt das immerhin einen Schnitt von fast zwei Geräten pro Zugstopp.