zuletzt aktualisiert vor

Nach Hungerstreik-Drohung Neue Unterkunft für diskriminierte Syrer in Papenburg

Die drei Männer haben eine neue Unterkunft zugeteilt bekommen. Foto: Maike PlaggenborgDie drei Männer haben eine neue Unterkunft zugeteilt bekommen. Foto: Maike Plaggenborg

Papenburg. Die drei syrischen Männer, die am Montagabend mit einem Hungerstreik vor dem Polizeikommissariat in Papenburg gedroht hatten, haben von der Stadt eine neue Unterkunft zugeteilt bekommen.

Wie angekündigt hatten Almusitef Abdulkader, Agiaf Zaitoun und Shafi Alhosen, zu denen auch noch ein minderjähriger, unbegleiteter Junge gehört, die Nacht zum Dienstag bei Freunden verbracht, nachdem die Polizei das geplante Camp der drei syrischen Flüchtlinge vor dem Polizeikommissariat verhindert hatte. Die Männer hatten damit gedroht, in Hungerstreik zu treten , falls man ihnen keine neue Unterkunft anbietet. In ihrer bisherigen Bleibe in Papenburg fühlten sich die Männer wegen ihres islamischen Glaubens diskriminiert und sahen sich heftigen Beleidigungen ausgesetzt.

Syrer wurden auf zwei Unterkünfte aufgeteilt

Nun hat die Stadt die vier Männer auf zwei alternative Unterkünfte, eine mit acht Bewohnern, eine mit zehn, aufgeteilt. Abdulkader ist mit dieser Lösung nicht zufrieden. „Das ist nicht fair, dass wir gehen mussten“, sagt Abdulkader, weil aus seiner Sicht die anderen Männer die Unterkunft hätten verlassen müssen. Abdulkader wohnt jetzt am Obenende. Seine ehrenamtliche Arbeit bei der Tafel in Aschendorf – wir hatten am Mittwoch fälschlicherweise von seinem Job bei der Tafel in Papenburg berichtet – könne er jetzt nicht mehr ausüben, wie der 37-Jährige Geografielehrer sagt. „Ich brauche jetzt 40 Minuten mit Rad für eine Strecke“, so Abdulkader.

Beschwerden sind nach Aussage der Stadt Einzelfälle

Nach Aussage des Stadtsprechers Heiko Abbas gebe es immer wieder mal Beschwerden von Asylbewerbern über die Unterbringung. Man müsse aber bedenken, dass die Menschen monatelang in den Unterkünften leben müssten, womöglich durch Kriegserlebnisse traumatisiert seien und zusätzlich nicht arbeiten dürften. „Dass das nicht zur Entspannung beiträgt, ist auch klar“, sagte Abbas, der hinsichtlich der Kritik von Einzelfällen spricht.

Stadt versucht, auf Unterschiede bei den Menschen zu achten

Die Stadt verurteilte das Vorgehen der drei Männer in einer Pressemitteilung. „So geht es wirklich nicht. Wir sind im ständigen Kontakt mit allen rund 600 Asylbewerbern in der Stadt. Gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz und den ehrenamtlichen Helfern stellen wir für diese Menschen viel auf die Beine“, sagten der Teamleiter Asyl Wolfgang Rüther und Birgit Lelonek, Leiterin des Fachbereichs Soziales. Das Team Asyl versuche, „mit vertretbarem Aufwand“ auf unterschiedliche Ethnien und Religionszugehörigkeiten Rücksicht zu nehmen.

Abdulkader überrascht über Vorgehen

Abdulkader hat nun resigniert, wie er sagt. Ohne seine Arbeit und seine Freunde dort sieht er zurzeit auch keinen Sinn darin, weiter Deutsch zu lernen, das er sich in den vergangenen sechs Monaten selbst angeeignet hat. „Ich muss das akzeptieren, weil alle gegen uns sind“, sagte er und ist nach eigenen Worten „wirklich überrascht“ darüber.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN