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Trio fühlt sich diskriminiert Flüchtlinge in Papenburg drohen mit Hungerstreik

Mit Fahrrädern und Bettdecken kreuzten (von links) Almusitef Abdulkader, Agiaf Zaitoun und Shafi Alhosen vor dem Polizeikommissariat in Papenburg auf. Foto: Maike PlaggenborgMit Fahrrädern und Bettdecken kreuzten (von links) Almusitef Abdulkader, Agiaf Zaitoun und Shafi Alhosen vor dem Polizeikommissariat in Papenburg auf. Foto: Maike Plaggenborg

Papenburg. In Papenburg wollten am Dienstag drei Flüchtlinge vor dem Polizeikommissariat campieren. Sie drohten außerdem mit Hungerstreik, weil sie sich in ihrer bisherigen Unterkunft von Mitbewohnern diskriminiert fühlen. Zudem waren sie auch mit dem Alternativangebot der Stadt zur Unterbringung nicht einverstanden. Die Stadt hat daraufhin am Abend erneute Bemühungen zugesagt.

Mit Woll- und Bettdecken bepackt wollten Almusitef Abdulkader, Agiaf Zaitoun und Shafi Alhosen ihr Nachtlager vor der Polizei aufschlagen. Ihr Hungerstreik sollte so lange andauern, bis eine Lösung für ihre aus ihrer Sicht nicht länger aushaltbare Wohnsituation gefunden wird. Nach kurzer Zeit holten die Beamten sie herein, mussten aber feststellen: „Das ist nichts für uns. Wir sind nicht der Ansprechpartner“, sagte einer der Polizisten im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie hätten nur gegen das Campieren vor der Dienststelle eine Handhabe.

Schon mehrere Male hatten sich Almusitef Abdulkader und seine Freunde bei der Stadt darüber beschwert, dass die übrigen Bewohner ihrer Unterkunft die Drei schlecht behandeln würden, sie wegen ihres islamischen Glaubens beschimpften und sie mit heftigen Worten beleidigten. „Sie hassen uns“, sagt Abdulkader. „Ich habe keine Probleme mit anderen Menschen und respektiere ihre Religion. Ich habe Freunde aus unterschiedlichen Kulturen“. In seiner Elf-Mann-Unterkunft habe man auf seinen Koran urinieren wollen, hätte die Fahrräder der Männer zerstört oder er sei auf dem Weg zu seinem ehrenamtlichen Job bei der Papenburger Tafel verfolgt worden.

Besuch in der Unterkunft

Nun wurde die Stadt tätig und stattete der Unterkunft am Dienstag einen Besuch ab, konnte aber keinerlei Probleme feststellen. „Die Zimmer waren sauber“, sagte Wolfgang Rüther, Fachdienstleiter Arbeit und Soziales.

Auch von vermeintlichen Flaggen, die die Zugehörigkeit zur verbotenen, kurdischen Arbeiterpartei PKK symbolisierten, war nach Angaben Rüthers keine Spur. „Ich habe nichts gesehen“, so der Fachdienstleiter, der berichtet, dass es insbesondere Streit mit einem Brüderpaar gegeben habe. Rüther habe Gespräche mit ihnen und den übrigen Bewohnern geführt, die die Vorwürfe aber abstreiten würden.

Damit stehe Aussage gegen Aussage, so Rüther. „Die halten zusammen“, sagt Abdulkader. „Und sie lügen.“ Die Stadt habe dann entschieden, dass die drei Männer alternativ in einem ehemaligen Hotel mit 40 weiteren Menschen untergebracht werden sollen. Das wollten Abdulkader, Zaitoun und Alhosen auf keinen Fall. „Da hätten wir doch dieselben Probleme“, sagt der 37-jährige Abdulkader, weil dort ebenfalls unterschiedliche Religionen vertreten seien. Doch Rüther betont, dass er keine andere Wohnung zur Verfügung habe und nicht alle Flüchtlinge so unterbringen könne, wie sie es wollten. Der Wohnungsmarkt in Papenburg sei einfach zu angespannt.

Empfehlung der Stadt: Selbst auf die Suche machen

Schließlich empfahl Rüther dem Trio, sich selbst auf die Suche nach einer Unterkunft zu machen und dafür die Kontakte zu Ehrenamtlichen von der Tafel zu nutzen. Er bot ihnen zudem einen Termin am heutigen Mittwoch an, um über weitere Unterbringungsmöglichkeiten zu sprechen. „Aber ich kann nichts versprechen“, so Rüther. Die drei Männer entschlossen sich daraufhin, die Nacht bei Freunden zu verbringen.


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