Hohe Auszeichnung Gebürtiger Papenburger erhält Millionen-Forschungspreis

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Auf dem Schreibtisch seines Büros forscht Holger Hermanns an der Software-Entwicklung für Elektrofahrräder. Am Fenster klebt eine Silhouette von Papenburg. Foto: Iris MaurerAuf dem Schreibtisch seines Büros forscht Holger Hermanns an der Software-Entwicklung für Elektrofahrräder. Am Fenster klebt eine Silhouette von Papenburg. Foto: Iris Maurer

Papenburg/Saarbrücken. Der gebürtige Papenburger Holger Hermanns, Informatik-Professor an der Universität des Saarlandes, hat die höchste Auszeichnung des Europäischen Forschungsrates für einzelne Wissenschaftler erhalten. Der EU-Preis beschert ihm 2,4 Millionen Euro für seine Forschung in den kommenden fünf Jahren.

Die Forschung dreht sich um das Zusammenspiel zwischen Software und Elektrofahrrädern. Kurz gesagt: Die Nutzer sollen durch die eingebettete Software nicht die Kontrolle über die Geräte verlieren.

„Das ist ein wirklicher Knüller“, sagt Hermanns, Sohn des früheren Papenburger Stadtkämmerers Hans-Josef Hermanns, im Gespräch mit unserer Redaktion zu seiner Auszeichnung mit dem sogenannten ERC Advanced Grant. Zielgruppe des Preises sind nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung etablierte, aktive Wissenschaftler mit einer herausragenden Leistungsbilanz. Maßgeblich bei der Begutachtung seien die wissenschaftlichen Leistungen der letzten zehn Jahre. Hermanns leitet an der Saar-Uni den Lehrstuhl für Verlässliche Systeme und Software. Die Hochschule gilt bundesweit als führend in Sachen Informatik.

Missionarischer Charakter

Hermanns, der im Jahr 1986 am Gymnasium Papenburg sein Abitur baute, macht keinen Hehl daraus, dass sein Forschungsansatz auch missionarischen Charakter habe. Er will verhindern, dass die Verbraucher von Mikrocomputern, die sich von der Kaffeemaschine bis zur Smartwatch in immer mehr technischen Geräten finden, weiter „entmündigt“ werden. Anders als beim Auto sieht der Wissenschaftler beim Elektrofahrrad durchaus noch Chancen, die Entwicklung zu steuern. Hinzu komme, dass der E-Bike-Markt weiter wachsen werde. „Hier entwickelt sich der Markt für eingebettete Systeme gerade erst“, sagt Hermanns.

Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes wurden im vergangenen Jahr 535.000 Elektrofahrräder verkauft. Der Uni zufolge rechnen Experten damit, dass immer mehr Komponenten den Strom am Fahrrad nutzen werden, wie es beispielsweise bei Gangschaltungen und Federungen längst der Fall sei. Eine fehlerhafte Software könne jedoch die Leistung oder Lebensdauer der Batterien drosseln.

Vereinfacht gesagt, will Hermanns am Beispiel von Elektrofahrrädern Software-Werkzeuge entwickeln, die automatisch Batterie und angeschlossene Hard- und Software-Komponenten auf korrekte Zusammenarbeit überprüfen. „Das hat viel mit Programmieren zu tun“, erklärt Hermanns, der dank der Forschungsgelder sein Personal von derzeit fünf Doktoranden und zwei Doktoren für die nächsten fünf Jahre verdoppeln kann. So lange wird das Projekt gefördert.

Herstellerunabhängig sein

Ziel des gebürtigen Papenburgers ist es, die eingebetteten Systeme im E-Bike und die entsprechenden Software-Werkzeuge frei verfügbar zu machen. Radfahrer sollen nicht von der Software des jeweiligen Komponenten-Herstellers abhängig sein. Zudem sollen sie nicht darunter leiden, dass sie sich weder die preiswertesten Komponenten aussuchen, noch diese selbst warten können. Viele Radfahrer wollten aber genau das auch weiterhin tun können, betont Hermanns. Deshalb dürften sie von den Software-Anbietern nicht „eingesperrt“ werden. Der Wissenschaftler spricht in diesem Zusammenhang von Entfesselung und Befreiung.

Hermanns hat sein Projekt „Power to the People. Verified“ genannt. Das steht nach den Worten des Wissenschaftlers für zwei Ziele: Zum einen gehe es um eine funktionierende Stromversorgung für alle mobilen, eingebetteten Systeme, zum anderen darum, die Bürger bei technischen Geräten nicht länger zu entmündigen. Gut ein Drittel seiner Arbeitszeit darf der Professor in das Projekt stecken.

Mit Meyer-Werft-T-Shirt in die Vorlesung

Die Wurzeln in seiner Heimat hat Holger Hermanns, der in Erlangen studierte und über Bordeaux und Enschede vor zehn Jahren nach Saarbrücken kam, nicht vergessen, im Gegenteil. Er pflegt sie nicht nur, sondern kokettiert als „patriotischer Papenburger“ sogar damit. Wie der Wissenschaftler berichtet, läuft er in seinen Vorlesungen gerne in T-Shirts mit dem Schriftzug der Meyer-Werft oder im Papenburg-Pulli auf. Am Fenster seines Büros klebt eine Silhouette mit markanten Bauwerken der Fehnstadt, die er etwa zweimal im Jahr besucht. Sie zeigt die Umrisse der St.-Antonius-Kirche, des Rathauses, der Brigg „Friederike“, des alten Turm der St.-Michael-Kirche und der Werft samt Kreuzfahrtschiff.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN