Alte Textilfabrik abgängig Helping Hands müssen Aschendorfer Domizil verlassen

Von Jürgen Eden

In den ehemaligen Bekleidungswerken an der Aschendorfer Hünte packen Hansi Brake und Helfer Hilfspakete für Rumänien. Damit soll dort im Herbst Schluss sein. Archivfoto: Jürgen EdenIn den ehemaligen Bekleidungswerken an der Aschendorfer Hünte packen Hansi Brake und Helfer Hilfspakete für Rumänien. Damit soll dort im Herbst Schluss sein. Archivfoto: Jürgen Eden

Aschendorf. Der Verein Helping Hands braucht ein neues Quartier, weil die in die Jahre gekommene ehemalige Bekleidungsfabrik des Herstellers Steilmann in Aschendorf über kurz oder lang einzustürzen droht. Die Hilfsorganisation wird ihren Stützpunkt voraussichtlich zum Herbst verlieren.

Aufgeben wollen die Helfer dennoch nicht, allerdings benötigen sie nun selbst Hilfe. „Wir suchen nach einer neuen Bleibe, in der wir auch weiterhin Hilfsgüter annehmen, lagern und verpacken können“, sagt der aus Dörpen stammende Vorsitzende Hansi Brake. Die ehemalige Bekleidungsfabrik an der Hünte in Aschendorf ist nach seinen Worten inzwischen dermaßen in die Jahre gekommen, dass sie auf kurz oder lang einzustürzen droht.

Eigentümer stelle Halle 16 Jahre lang kostenlos zur Verfügung

Eigentümer ist der Surwolder Unternehmer Ludwig Jansen. Er hatte das Objekt nach dem Ende der Kleiderproduktion im Jahr 2000 von Steilmann gekauft und es der Organisation unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Damals hatte das Wattenscheider Unternehmen zeitgleich fünf deutsche Produktionsstandorte aufgegeben, um die Modekollektionen in Osteuropa fertigen zu lassen. Am Aschendorfer Standort gingen am 30. Juni 2000 die Lichter aus. 111 Näherinnen wurden damals arbeitslos. Die Halle stand zunächst leer, bis Helping Hands dort einzog. Der Verein stellte dort seither pro Jahr mindestens zwei Hilfstransporte für rumänische Familien, Kinderheime und Krankenhäuser zusammen. Um die Kleiderspenden aus der Bevölkerung vom Emsland und Ostfriesland kümmerten sich mehrere Helfer, in dem sie die Jacken, Hosen, Hemden und Pullis sortierten, falteten und zu einheitlichen Paketen zusammenstellten. „Wir sind Herrn Jansen dafür unendlich dankbar und wir können auch verstehen, dass er das Grundstück irgendwann auch mal selbst nutzen möchte. Schließlich gehört es ihm ja“, sagt Brake.

Mehrere Container statt neuer Halle eine Option

Aber ans Aufgeben mag Brake noch nicht denken. Er appelliert nun an Eigentümer, die über eine leer stehende Halle verfügen, sie der Organisation zur Verfügung zu stellen. Die Standortsuche will Brake nicht eingrenzen: Das kann ihm zufolge im gesamten Bereich des Altkreises Aschendorf Hümmling oder dem südlichen Ostfriesland sein. Als ideal betrachte er eine gute Verkehrsanbindung. Denn die Spender und Helfer sowie die Spediteure der Hilfstransporte sollen möglichst unbeschwert den Standort erreichen können. Zudem sei auch die Bereitstellung eines Grundstücks eine Option. Denn Brake prüfe auch, ob die Logistik der Hilfsgüter in Containern möglich wäre. So werde darüber nachgedacht, aus mehreren nebeneinanderstehenden Seecontainern ein neues Domizil zu errichten, das sich jedoch auch relativ schnell entfernen ließe.

Zuletzt 3.700 Euro bei Aktion „erputzt“

Helping Hands ist inzwischen seit 20 Jahren aktiv und genießt ein hohes Maß an gesellschaftlicher Anerkennung. Im Jahr 2014 erhielt Brake für sein Wirken das Bundesverdienstkreuz. Nicht selten greift die ehrenamtlich tätige Mannschaft zu unkonventionellen Mitteln. Um die Gelder für die zwei Hilfstransporte pro Jahr zu erhalten, bauen sie in der Adventszeit in Dörpen und Lathen auf dem Marktplatz für ein Wochenende eine Wagenburg auf und bitten jeden Bürger um einen Euro. Am Ostermontag riefen sie zu einer Schuhputzaktion in Sögel auf, um für die Ukraine ein Feuerwehrauto kaufen zu können. Rund 3.700 Euro konnten dabei „erputzt“ werden.


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