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Neue „Jugend rettet“-Gruppe 17-Jähriger aus Rhede will Flüchtlinge vor Seenot schützen

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Papenburg/Rhede. Jannik Bruns aus Rhede ist Emsland-Botschafter des bundesweit tätigen Vereins „Jugend rettet“, der Flüchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer bewahren will. In Papenburg hat er nun zum ersten Info-Abend eingeladen und zehn neue Mitglieder unter den 25 Besuchern gefunden.

Von null auf zehn an einem Abend: Jannik Bruns ist 17 Jahre alt und seit drei Monaten schwer beschäftigt mit dem, was er sich auf die Fahne geschrieben hat. Er will Flüchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer retten. Durch Zufall stößt er im Internet bei Facebook auf den Verein aus Teltow (Brandenburg) und ist inzwischen Botschafter von „Jugend rettet“ im Emsland.

Verein hat noch kein Schiff gekauft

Im vergangenen Jahr 2015 sind nach Angaben des Vereins 3771 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer nach Europa ertrunken. Die Gruppe möchte diese Todesfälle verhindern und bald ein Schiff kaufen. Aktuell haben die jungen Leute, die laut Pressesprecherin Pauline Schmidt überwiegend Studierende sind, rund 123.000 Euro gesammelt und damit den angestrebten Betrag von 80.000 Euro deutlich überschritten. Der Betrag, der einer Pressemitteilung des Vereins zufolge die Kosten für die Überführung des Schiffes, den Umbau, sowie den ersten Betriebsmonat decken solle, sei die Voraussetzung zur Finanzierungszusage zweier Privatpersonen in Form eines non-recourse Darlehens in Höhe von 150.000 Euro für den Schiffskauf gewesen.

Das angepeilte Schiff liege zurzeit in Holland, komme aber Mitte April nach Ostfriesland, sagt Bruns. Dort solle es umgebaut werden und Anfang Juni Kurs auf Sizilien nehmen. Kontakt zur entsprechenden italienischen Behörde bestehe bereits. Auch die Bundeswehr stehe dem Einsatz der jungen Leute beratend zur Seite, auch wenn von dort die Aussage kam: „Ihr seid wahnsinnig, dass ihr das macht“, erzählt Bruns.

Gesucht: Psychologen, Ärzte und ein Kapitän

Der Gruppe scheint das bewusst zu sein, aber der Rettungsgedanke treibt sie an: „Wir können es nicht, aber machen es trotzdem“, sagt Bruns. Deshalb sucht der Verein, dessen Zehn-Leute-Kernteam in Berlin sitzt, noch Fachleute wie Psychologen, Ärzte und Menschen mit einem Kapitänspatent. Sollte Bruns selbst im Juni mit auf Reisen gehen, „wäre ich eher Mädchen für alles“, sagt er.

Zwei bis drei Stunden Arbeit am Tag

Bruns wollte sich schon seit Längerem für Flüchtlinge engagieren. „Ich wollte in Aschendorf in der Notunterkunft helfen“, sagt der Rheder Schüler. Aber er durfte nicht, weil er noch nicht volljährig ist. Bis dahin will er versuchen, Hilfe aus dem Emsland im Mittelmeer auf der Flüchtlingsroute zwischen Libyen und Sizilien zu platzieren. Dazu möchte er große Firmen aus der Region anschreiben und das Projekt vorstellen. Damit und mit Telefonaten nach Berlin, der Beantwortung von E-Mails sei der Jugendliche zwei bis drei Stunden täglich beschäftigt, sagt Bruns, der aktuell neben dem Emsland auch der Ansprechpartner für die Grafschaft Bentheim und Ostfriesland ist – noch, denn Bruns sucht weitere Botschafter.

„Schule geht vor“

Bei allem Engagement wünscht sich der 17-Jährige dennoch eine Perspektive: „Ich hoffe, dass wir die Rettungen nächstes Jahr nicht mehr machen müssen, weil die EU das dann übernimmt“, sagt Bruns, der im kommenden Jahr erst einmal sein Abitur machen möchte, denn „Schule geht vor“, um dann ein Jahr im Ausland unterwegs zu sein. Danach möchte er studieren, wie er sagt. Politikwissenschaften oder Jura.

Jannik Bruns ist erreichbar unter jannik@jugendrettet.org

In einer vorigen Version dieses Textes hieß es, das Schiff sei bereits gekauft worden mithilfe zweier privater Großspender, die 150 000 Euro gegeben hätten. Dies ist nicht der Fall.


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